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Kapuzinerkloster Schlanders eine neue Ära   versione testuale

Mit dem 27. Mai beginnt im Kapuzinerkloster in Schlanders eine neue Ära: Mit dem Abschied der Kapuziner führen die Missionare des Heiligen Franz von Sales die Seelsorge in Schlanders weiter.
 
Seit über 370 Jahren leben und wirken Kapuziner in Schlanders: Im Jahr 1644 wurde der Grundstein von Kapuzinerkloster und -kirche gelegt. Am 27. Mai um 18 Uhr wird in der Klosterkirche das Kloster und die Kirche an die Missionare des Heiligen Franz von Sales (MSFS) übergeben. Bischof Ivo Muser wird bei dieser Feier die Missionare in seiner Diözese begrüßen. „Die Vereinbarung zwischen dem Kapuzinerorden und den Missionaren des heiligen Franz von Sales erfüllt mich mit Dankbarkeit und Freude. So steht der 27. Mai ganz im Zeichen der Kontinuität. Mein großer Dank gilt den Kapuzinern, die seit fast vierhundert Jahren in Schlanders wirken“, zeigt sich Bischof Muser über die Übergabe des Klosters und die damit verbundene Aufrechterhaltung der Seelsorge erfreut. Pater Abraham Vettuvelil, MSFS, der Generalminister, also Ordensobere weltweit, der Missionare kommt extra aus Rom zur Feier. 
Gleichzeitig verabschiedet sich der Kapuzinerorden von den Menschen in Schlanders. „370 Jahre sind eine Zeit, in der Beziehungen wachsen“, so Bruder Erich Geir, Provinzial bzw. Ordensoberer der Kapuziner Österreichs und Südtirols, der ebenfalls bei der Feier vor Ort sein wird. „Die Menschen aus Schlanders haben unsere Gemeinschaft in den 1620er Jahren bewusst hierher geholt. Das Wohlwollen und die Unterstützung hat uns Kapuziner in dieser langen Zeit stets begleitet.“ Die enge Beziehung der Menschen in Schlanders zu den Kapuzinern zeigt sich auch in den Vorbereitungen zur Feier, die von Gemeinde und Pfarre organisiert wird. Sie beginnt mit einer Begrüßung durch die Musikkapelle um 17.40 Uhr, im Anschluss an den Gottesdienst (Beginn 18 Uhr) wird zu einem Umtrunk im Garten des Klosters geladen.
 
Missionare: Erste Niederlassung in Südtirol
Die Ordensgemeinschaft der Missionare des Heiligen Franz von Sales zählt zu den Ordensgemeinschaften der salesianischen Familie und wurde 1838 im französischen Annecy von Pierre-Marie Mermier (1790–1862) gegründet. Die Gemeinschaft zählt weltweit ca. 1200 Mitglieder und arbeitet hauptsächlich in Indien, afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern. In Europa gibt es in Italien, der Schweiz und England Niederlassungen. Das Hauptliegen des Ordens ist die Erneuerung des Glaubens, zum Beispiel durch Impulstage und Exerzitien. Neben Seelsorge und Mission hat die Gemeinschaft auch ein starkes pädagogisches Anliegen.
Schlanders ist die erste Niederlassung in Südtirol. Pater Abraham Vettuvelil, der Generalminister der Missionare des Heiligen Franz von Sales wird daher extra aus Rom zur Feier anreisen. Vorerst werden zwei Missionare im Kloster sein. Im Anschluss an eine kurze Übergangszeit zur Einführung der Missionare in die örtlichen Gegebenheiten werden die noch im Kloster lebenden Kapuziner ausziehen: Bruder Maximilian Frank wird künftig im Seniorenheim Schlanders wohnen und weiterhin seelsorgliche Dienste wahrnehmen. Bruder Albert Piok wird ins Kapuzinerkloster Meran übersiedeln.
 
374 Jahre waren Kapuziner in Schlanders
1644 wurde der Grundstein des Kapuzinerklosters Schlanders gelegt. Die gemeinsame Geschichte beginnt eigentlich schon Jahrzehnte früher. Bereits in den 1620er Jahren hielten Kapuziner Fastenpredigten im Vinschgau und im Jahr 1630 fanden die ersten nachweislichen Karfreitagsprozessionen statt. Durch die damals erst wenige Jahre zurückliegende Klostergründung von Meran im Jahre 1616 war jedoch die Aussicht auf eine weitere Kapuzinerniederlassung im Tal sehr gering. Zudem befand sich der Churer Fürstbischof Johann VI. Flugi von Aspermont für Schlanders bereits in Verhandlungen mit den Franziskanern. Die Bevölkerung selbst war von den Volksmissionen und bei der Pestepidemie 1635/36 von der Sorge um Kranke und Sterbende so von den Kapuzinern angetan, dass sie wiederholt eine Niederlassung des Ordens beim Churer Bischof forderten. Erst 1639 wurde dem stattgegeben, 1644 folgte die Grundsteinlegung. Ein markantes Ereignis im Laufe der Geschichte des Klosters war dessen Aufhebung durch die bayrische Regierung 1808. Bereits 1809 konnten die Kapuziner wieder einziehen. Größere Renovierungen fanden in den Jahren 1868 und 1979/80 (Kloster) bzw. 1900 und 1990 (Kirche) statt.
 
Besonderes Abschiedsgeschenk der Schlanderser an die Kapuziner
Ein besonderes Zeichen will eine Gruppe von Schlandersern setzen: sie haben seit Ankündigung des Abschieds und besonders in den letzten Monaten zahlreiche Gespräche und Fotos aufgezeichnet. In einem Bildband mit dem Titel „Das Erbe der Stille“ will die Gruppe unter der Regie von Sabina Mair und Alessio Nalesini den Kapuzinerbrüdern Albert und Max und allen Gönnern ein bleibendes Andenken setzen. Der Bildband ist derzeit in Vorbereitung und wird im Herbst präsentiert werden.