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Criteri per la costruzione di una comunità cristiana
Liebe Mitbrüder und Mitschwestern im gemeinsamen Glauben! 0. Einleitung 0.1 Sie erwarten sich heute sicherlich einige programmatische Schwerpunkte für mein Wirken als Bischof. Es ist nun ein halbes Jahr her, seit ich die Bischofsweihe empfangen habe. Seitdem habe ich erfahren dürfen, dass ich mit Freude aufgenommen worden bin, dass meine anfänglichen Stellungnahmen begrüßt worden sind, dass so etwas wie eine Aufbruchstimmung in unserem Bistum zu erfahren ist. Ich bin dafür sehr dankbar und sehe darin die Gnade einer Fügung und Führung durch die göttliche Vorsehung. Nun, die Zeit der Flitterwochen - im Italienischen und Englischen spricht man von Honigmonaten („luna di miele“, „honeymoon“) - ist wohl vorbei und es gilt, sich an die Arbeit zu machen, d. h. als Bischof die Aufgabe der Führung unserer Ortskirche zu übernehmen. Ich habe am Anfang sehr viel Wert darauf gelegt, Zeichen der Hoffnung und Zuversicht zu setzen, unserer Kirche, meinen Mitbrüdern im geistlichen Amt und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Mut zuzusprechen. Und dies kann nicht nur mit Worten geschehen. 0.2 Ich möchte deshalb zuerst einmal sagen, dass mich in meinem allmählichen Wachsen hin auf die Aufgabe eines Priesters und Theologen vor allem das II. Vatikanische Konzil geprägt hat, das ich als Theologiestudent hautnah erleben durfte. Ich bin gleich nach meiner Matura, am 5. Oktober 1962 zum Studium der Philosophie und Theologie in Rom eingetroffen, und am 11. Oktober 1962 hat Papst Johannes XXIII. das II. Vatikanische Konzil eröffnet. In seiner Eröffnungsansprache drückte er seine Zuversicht mit folgenden Worten aus: „In der täglichen Ausübung Unseres apostolischen Hirtenamtes geschieht es oft, dass bisweilen Stimmen solcher Personen unser Ohr betrüben, die zwar von religiösem Eifer brennen, aber nicht genügend Sinn für rechte Beurteilung der Dinge noch ein kluges Urteil walten lassen. Sie meinen nämlich, in den heutigen Verhältnissen der menschlichen Gesellschaft nur Untergang und Unheil zu erkennen. Sie reden unablässig davon, dass unsere Zeit im Vergleich zur Vergangenheit dauernd zum Schlechteren abgeglitten sei. Sie benehmen sich so, als hätten sie nichts aus der Geschichte gelernt, die eine Lehrmeisterin des Lebens ist, und als sei in den Zeiten früherer Konzilien, was die kirchliche Lehre, die Sitten und die Freiheit der Kirche betrifft, alles sauber und recht zugegangen. Wir aber sind völlig anderer Meinung als diese Unglückspropheten, die immer das Unheil voraussagen, als ob die Welt vor dem Untergang stünde. In der gegenwärtigen Entwicklung der menschlichen Ereignisse, durch welche die Menschheit in eine neue Ordnung einzutreten scheint, muss man viel eher einen verborgenen Plan der göttlichen Vorsehung anerkennen. Dieser verfolgt mit dem Ablauf der Zeiten, durch die Werke der Menschen und meistens über ihre Erwartungen hinaus ein eigenes Ziel, und alles, auch die entgegen gesetzten menschlichen Interessen, lenkt er weise zum Heil der Kirche“. 0.3 Wenn wir fast 50 Jahre nach der Eröffnung des Konzils nun auf die seitdem verstrichene Periode zurückschauen, dann müssen wir zugeben, dass es in der Tat ein solches Wirken der göttlichen Vorsehung gibt. Die Geschichte der Welt, und auch der Kirche, entwickelt sich nicht linear aus den von Menschen vorher gesetzten Prämissen. Wer hätte in den frühen sechziger Jahren, in Zeiten des Kalten Krieges – die Kubakrise und ein möglicher Atomkrieg bahnten sich gerade an – erahnen können, dass nicht einmal 30 Jahre später die kommunistischen Systeme zusammenbrechen würden? Wer hätte damals voraussehen können, dass sich die weltpolitische Lage in einer Zeit der Globalisierung gänzlich verändert? Wer hätte sich damals vorstellen können, dass durch die modernen Informationstechnologien die Möglichkeiten der Kommunikation unter den Menschen so vielfältig, aber auch so unübersichtlich werden? Wer hätte es - auch bei der damaligen Aufbruchstimmung in der Kirche - voraussehen können, dass es nach dem Konzil so viele Spannungen geben würde und dass es vor allem in unseren Ländern zu einer inneren Distanzierung vieler Getaufter von ihrer eigenen Kirche kommt? Wer hätte für Südtirol, das damals noch kirchlich geteilt war, die baldige Zusammenführung zu einer Diözese, das weise Wirken von Bischof Joseph Gargitter, und dann die gnadenreichen 22 Jahre bischöflichen Wirkens von Bischof Wilhelm Egger, auch seinen unerwarteten Tod nach dem Papsturlaub voraussehen können? Es sind dies Überlegungen, die jeder und jede Einzelne von uns auch vom eigenen Leben anstellen kann. Es gibt in der menschlichen Geschichte und im Leben der einzelnen Menschen ein geheimnisvolles Wirken Gottes, der auch auf krummen Zeilen gerade schreiben kann, der auch menschliches Versagen und menschliche Sünde in einen Heilsplan einfügen kann. Es ist dies eine Sicht des Glaubens, die uns Mut machen kann. Es hängt nämlich nicht immer alles von uns selber ab. Dieses Vertrauen, dieses Wissen gibt Mut, Hoffnung und Zuversicht. 0.4 Schauen wir jetzt auf unsere Zeit und unsere Gesellschaft in Südtirol Aus einer in den sechziger Jahren noch vorwiegend agrarisch bestimmten Gesellschaft sind wir in Südtirol über die positiven Auswirkungen des zweiten Autonomiestatuts nicht nur eine industrielle, sondern sogar eine postindustrielle Gesellschaft geworden, eine Gesellschaft, die vorwiegend von Dienstleistungen geprägt ist. Wir sind tatsächlich eine postmoderne Gesellschaft geworden, wie sie der französische Philosoph Jean-Francois Lyotard beschrieben hat. Wir sind vor allem eine radikal pluralistische Gesellschaft geworden. Die großen Meta-Erzählungen, die früher die Menschen geprägt haben - bei uns sicher das Christentum, in einigen Gesellschaftsschichten der Sozialismus - haben ihre Bedeutung verloren. Die Menschen heute lehnen sie nicht vollends ab, aber daneben hängen sie auch anderen Vorstellungen an, die ihnen über das Internet oder durch Reisen und Begegnungen mit anderen Menschen angeboten werden, Vorstellungen, die eigentlich im Widerspruch stehen und im Grunde genommen unvereinbar sind z. B. mit Grundannahmen des Christentums. Die Identität der Menschen ist so schwach und teilweise auch widersprüchlich geworden. Sie hängen eher einem „Polytheismus der Werte“ an, wie es einmal Max Weber gesagt hat. Z. B. bezeichnen sie sich als Christen, aber sie glauben auch, dass Reinkarnation möglich wäre, was im Grunde dem Glauben an die Auferstehung des Fleisches widerspricht, oder sie wenden sich östlichen religiösen Praktiken zu, unter dem Obergriff „Das tut mir gut“, „Das nützt mir“ – ohne auf die dahinter liegende Weltanschauung zu achten, die oft unvereinbar mit dem Christentum ist. So freut es mich, dass im Herbst das Referat für Weltanschauungsfragen sein 25jähriges Bestehen feiert und die Menschen in unserem Land einmal mehr auf diese Einrichtung, die Information und Aufklärung bietet, aufmerksam gemacht werden. So ist ein starker Individualismus vorhanden, der sich schwer tut, sich ganz mit den Vorgaben des christlichen Glaubens, mit dem Leben einer christlichen Gemeinde zu identifizieren. Man wählt aus, man ist ein „Auswahlchrist“, so Paul Michael Zulehner. Der Bezug zur Vergangenheit ist bei vielen verloren gegangen, man kennt kaum die eigene christliche Kultur und Geschichte. Das religiöse Wissen ist gering, auch bei den Meinungsbildnern, wie z. B. bei manchen Journalisten. Der geschätzte Bischof Wilhelm hat für den Mangel an religiösem Grundwissen den Begriff des religiösen Analphabetismus geprägt. Im durchschnittlichen Lebensgefühl sind auch die Zuversicht und die Hoffnung auf eine gute Zukunft, die man mit Gottes Hilfe bestehen kann, schwach geworden. Man traut sich nicht mehr, Bindungen für das ganze Leben einzugehen, und erst recht hat man keine tragende Hoffnung mehr auf das jenseitige Leben; man bezieht vielmehr alles auf das Diesseits, auf das augenblickliche Leben, das danach bemessen wird, ob es die entsprechende Lebensqualität hat. Die Medien und die modernen Informationstechnologien, bis hin zum Internet oder zum „Facebook“, prägen die Menschen stark. Man präsentiert sich gerne, eventuell mit Retuschierungen, die im virtuellen Bereich möglich sind. Es geht dabei um eine Ästhetisierung der Welt, Menschen werden nach ihrem Aussehen, nach ihrer Ausstrahlungskraft, nach ihrer Medienpräsenz beurteilt. All dies hat Auswirkungen auf den christlichen Glauben und auf das Leben der Ortskirche und der christlichen Gemeinden. Ich sage dies nicht mit einem wertenden Urteil, sondern mehr mit einer pastoralen Haltung, die sich bewusst ist, wie sehr die Menschen heute sich verrennen, wie sehr sie von der heutigen Konsumwelt manipuliert werden. Es kommt mir die Haltung Jesu in den Sinn, der Mitleid mit den vielen Menschen hatte, „denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben“ (Mk 6,34); und es heißt dann „er lehrte sie lange“. Die Menschen heute haben durchaus ein Verlangen nach Orientierung. Die lange Lehre, von der das Evangelium spricht, ist allerdings heute sehr schwierig, ebenso wie bei vielen die nötige Ruhe und die Aufnahmebereitschaft fehlen. In unserem Glauben dürfen wir aber darauf vertrauen, dass Gott auch in unserer Zeit uns nahe und weiterhin am Wirken ist. Es gibt eindeutig viel Erfreuliches und Ermutigendes, das trotz allem gesehen werden sollte.
| 1. Mein Kirchenverständnis Richten wir jetzt wieder den Blick auf unsere Kirche. Sie werden sich zu Recht fragen, welches Kirchenverständnis ich habe, denn dieses beeinflusst eindeutig das bischöfliche Wirken. Wie ich schon zu Beginn gesagt habe, bin ich nachhaltig vom II. Vatikanischen Konzil beeinflusst worden, das ich zur Gänze miterlebt habe. In unserem Haus, dem Pontificium Collegium Germanicum-Hungaricum, wohnten einige Konzilsväter, z. B. die Kardinäle Döpfner und König, aber auch Konzilstheologen wie Karl Rahner. Es wurden auch immer wieder andere Theologen und Konzilsväter eingeladen, die uns über das Geschehen und die Hintergründe des Konzils informiert haben. Seit dem Abschluss des Konzils sind mehr als 4 Jahrzehnte verstrichen, aber die Diskussion über die rechte Interpretation des Konzils ist noch keineswegs verebbt. Sie hat z. B. zum heftigen Streit über die Aufhebung der Exkommunikation der vier Bischöfe der Piusbruderschaft, also der vom Erzbischof Lefebvre getätigten Abspaltung von der Kirche geführt. Man hat Papst Benedikt vorgeworfen, er wolle mit dieser Maßnahme wieder hinter das II. Vatikanische Konzil zurückkehren. Im Grunde genommen haben beide Gruppen, sowohl die Lefebvre-Gruppe, aber auch jene, die sich auf den Geist des Konzils berufen und weitere Reformen verlangen, das Konzil als Bruch mit der Gesamttradition der Kirche verstanden: die Lefebvre-Gruppe, die bei der Kirchenentwicklung bis zum Jahr 1962 stehen bleiben will und die Neuansätze des Konzils nicht akzeptiert, ebenso wie die anderen, die von einer nachkonziliären Kirche sprechen und sie von einer vorkonziliären Kirche abheben. Papst Benedikt ist schon im Dezember 2005 in seiner Weihnachtsansprache an die römische Kurie auf die rechte Konzilsinterpretation eingegangen. Er fragte, warum die Rezeption des Konzils so schwierig gewesen sei, und meinte dann: „Nun ja, alles hängt ab von einer korrekten Auslegung des Konzils oder – wie wir heute sagen würden – von einer korrekten Hermeneutik, von seiner korrekten Deutung und Umsetzung. Die Probleme der Rezeption entsprangen der Tatsache, dass zwei gegensätzliche Hermeneutiken miteinander konfrontiert wurden und im Streit lagen. Die eine hat Verwirrung gestiftet, die andere hat Früchte getragen, was in der Stille geschah, aber immer deutlicher sichtbar wurde, und sie trägt auch weiterhin Früchte. Auf der einen Seite gibt es eine Auslegung, die ich »Hermeneutik der Diskontinuität und des Bruches« nennen möchte; sie hat sich nicht selten das Wohlwollen der Massenmedien und auch eines Teiles der modernen Theologie zunutze machen können. Auf der anderen Seite gibt es die »Hermeneutik der Reform«, der Erneuerung des einen Subjekts Kirche, die der Herr uns geschenkt hat, unter Wahrung der Kontinuität; die Kirche ist ein Subjekt, das mit der Zeit wächst und sich weiterentwickelt, dabei aber immer sie selbst bleibt, das Gottesvolk als das eine Subjekt auf seinem Weg.“ Der Papst spricht sich eindeutig für eine Hermeneutik der Reform aus. Es kann nur das reformiert werden, was in seinem Wesen das selbe bleibt, wobei die Reform gerade das Wesen der Kirche noch deutlicher zum Ausdruck bringen will, sie von manchen Verkrustungen und zeitbedingten Verkleidungen reinigen möchte, damit sie noch mehr die Früchte bringen kann, die Christus, der Herr der Kirche, von ihr erwartet. Papst Johannes XXIII. hat dafür den Ausdruck „Aggiornamento“ gebraucht, auf den in der Folge immer wieder bei erwünschten Veränderungen Bezug genommen wurde. Aggiornamento kann aber nicht Anpassung des Glaubens an die Erwartungen der Moderne bzw. der Postmoderne bedeuten, mit dem Schlagwort „Die Kirche muss sich an die heutige Zeit anpassen“, wonach also das Kriterium die Haltungen der Menschen heute wäre. Der christliche Glaube hat sich wohl den Herausforderungen der heutigen Zeit zu stellen, aber dies heißt nicht, Abschied zu nehmen vom geschichtlich gewachsenen Glaubensgut. Der Basler Bischof Kurt Koch hat vor einem Monat bei einem Referat im Kloster Einsiedeln eine Auslegung durch Johannes XXIII. selbst zitiert, wonach das Symbol für den „Aggiornamento“ der Gekreuzigte selber ist, der seine Arme zum Heil der Welt ausspannt und sie nicht verschließt. Aggiornamento würde also den Übergang von einer nur konservierenden Kirche, von einer auf sich selbst bezogenen Kirche, zu einer missionarischen Kirche bedeuten. Es geht letztlich um eine Neuevangelisierung, wie es Papst Johannes Paul II. nachdrücklich gewünscht hat. Oder wie Papst Benedikt XVI. in seinem Brief vom März dieses Jahres nach der Krise über die Aufhebung der Exkommunikation für die Lefebvre-Bischöfe geschrieben hat: „In unserer Zeit, in der der Glaube in weiten Teilen der Welt zu verlöschen droht wie eine Flamme, die keine Nahrung mehr findet, ist die allererste Priorität, Gott gegenwärtig zu machen in dieser Welt und den Menschen den Zugang zu Gott zu öffnen. Nicht zu irgendeinem Gott, sondern zu dem Gott, der am Sinai gesprochen hat; zu dem Gott, dessen Gesicht wir in der Liebe bis zum Ende (Joh 13,1) - im gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus erkennen. Das eigentliche Problem unserer Geschichtsstunde ist es, dass Gott aus dem Horizont der Menschen verschwindet und dass mit dem Erlöschen des von Gott kommenden Lichts Orientierungslosigkeit in die Menschheit hereinbricht, deren zerstörerische Wirkungen wir immer mehr zu sehen bekommen. Die Menschen zu Gott, dem in der Bibel sprechenden Gott zu führen, ist die oberste und grundlegende Priorität der Kirche und des Petrusnachfolgers in dieser Zeit.“ Es ist ja interessant: Wenn man den durchschnittlichen Christen fragt, was das Konzil gebracht hat, dann lautet die Antwort meistens: das Konzil hat die Liturgie reformiert, man kann jetzt die Messe in der Muttersprache feiern, sie wird zum Volk gewandt zelebriert, es gibt jetzt mehr Gestaltungsmöglichkeiten für die Messe, auch die Laien können verstärkt dabei mitwirken. Aber all diese Dinge stehen nicht in der Konstitution über die Heilige Liturgie des Konzils, sondern sie sind nachkonziliäre Entwicklungen. Dem Konzil ging es vielmehr darum, dass die Gläubigen wieder zu tieferer Erfahrung des Heiligen geführt werden, damit sie auch verstehen, dass in der Eucharistiefeier Gott selber wirkt, dass das Werk der Erlösung vollzogen wird. Das Opfer Christi ist der Inhalt unserer Eucharistiefeier, das eucharistische Mahl ist die Gestalt dafür. Es ist nicht leicht, das Vermächtnis des Konzils zu beschreiben. Kein Konzil hat so viele Texte produziert, wie das II. Vatikanische Konzil, mehr als alle früheren Konzilien zusammengenommen, nämlich 4 Konstitutionen, 9 Dekrete und 3 Erklärungen. Die Bischofssynode von 1985, die 20 Jahre nach Abschluss des Konzils über die Umsetzung des Konzils beraten hat, hat die 4 Konstitutionen so zusammengefasst: Die Kirche (Lumen Gentium) unter dem Wort Gottes (Dei Verbum) feiert die Geheimnisse Gottes (Sacrosanctum Concilium) zum Heil der Welt (Gaudium et Spes). Um mein Kirchenverständnis etwas zu skizzieren, möchte ich mich bloß auf die Kirchenkonstitution „Lumen Gentium“ beziehen. Man hat vor allem das 2. Kapitel hervorgehoben, in dem vor der Hierarchie, die im 3. Kapitel behandelt wird, vom Volk Gottes gesprochen wird; und man hat dann die Kirche von unten, die Volkskirche, der Amtskirche gegenübergestellt. Aber es gibt nicht zwei Kirchen, sondern nur die eine Kirche Jesu Christi. Die Aussagen vom Volk Gottes müssen im Zusammenhang der ganzen Konstitution über die Kirche gelesen werden. Und es ist die ganze Kirchenkonstitution zu beachten, die in ihren 8 Kapiteln kunstvoll in konzentrischen Kreisen aufgebaut ist. Dem 1. Kapitel, in dem das Geheimnis der Kirche beschrieben wird als komplexe Wirklichkeit, die aus menschlichem und göttlichem Element zusammenwächst, entspricht das 8. Kapitel, das von der seligen jungfräulichen Gottesmutter Maria im Geheimnis Christi und der Kirche handelt. Das 2. Kapitel vom Volk Gottes ist verbunden mit dem 7. Kapitel, das den endzeitlichen Charakter der pilgernden Kirche und ihre Einheit mit der himmlischen Kirche darstellt. Die Kapitel 3 über die kirchliche Hierarchie, 4 über die Laien und 6 über die Ordensleute müssen zusammen gesehen werden. In der Mitte, als Angelpunkt der ganzen Kirchenkonstitution, steht das Kapitel 5 über die Berufung aller zur Heiligkeit in der Kirche. Genau dieses Kapitel über die Heiligkeit ist leider am wenigsten beachtet worden. Und doch hat Papst Johannes Paul II. in seinem Apostolischen Schreiben zum dritten Jahrtausend „Novo millennio ineunte“ das Thema nochmals aufgegriffen und dazu folgendes ausgeführt: Nr. 30: „Nach dem Jubiläum beginnt wieder der ordentliche Weg, doch der Hinweis auf die Heiligkeit bleibt mehr denn je ein dringendes Desiderat der Pastoral. Dann gilt es, das V. Kapitel der Dogmatischen Konstitution über die Kirche Lumen gentium in seinem ganzen programmatischen Wert neu zu entdecken. Dieses Kapitel ist der »allgemeinen Berufung zur Heiligkeit« gewidmet. Wenn die Konzilsväter diesem Thema so viel Bedeutung beigemessen haben, dann taten sie das nicht, um der Ekklesiologie gleichsam einen spirituellen Anstrich zu geben. Vielmehr wollten sie, dass dadurch eine innere Dynamik zum Ausdruck kommt, die ihr eigen ist. Die Wiederentdeckung der Kirche als »Geheimnis« oder als »das von der Einheit des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes her geeinte Volk« musste auch zur Wiederentdeckung ihrer »Heiligkeit« führen. Heiligkeit ist hier im grundsätzlichen Sinn verstanden als Zugehörigkeit zu dem, der eigentlich der Heilige, ja »der dreimal Heilige« ist (vgl. Jes 6,3). Das Bekenntnis zur »heiligen« Kirche bedeutet auf ihr Antlitz als Braut Christi zu verweisen, für die er sich gerade deshalb hingegeben hat, um sie zu heiligen (vgl. Eph 5,25-26). Dieses Geschenk der Heiligkeit ist sozusagen »objektiv«. Es ist jedem Getauften angeboten. Doch setzt sich das Geschenk seinerseits in eine Aufgabe um, die die ganze christliche Existenz leiten muß. »Das ist es, was Gott will: eure Heiligkeit« (1 Thess 4,3). Dieser Auftrag betrifft nicht nur einige Christen: »Alle Christgläubigen jeglichen Standes oder Ranges sind zur Fülle des christlichen Lebens und zur vollkommenen Liebe berufen«.16 ... Der Papst fragt dann: Nr. 31: ...“Kann man Heiligkeit etwa »planen«? Was kann dieses Wort in der Logik eines Pastoralplanes bedeuten? Wer die seelsorgliche Planung unter das Zeichen der Heiligkeit stellt, trifft in der Tat eine Entscheidung mit Tragweite. Damit wird die Überzeugung ausgedrückt, dass es widersinnig wäre, sich mit einem mittelmäßigen Leben zufrieden zu geben, das im Zeichen einer minimalistischen Ethik und einer oberflächlichen Religiosität geführt wird, wenn die Taufe durch die Einverleibung in Christus und die Einwohnung des Heiligen Geistes ein wahrer Eintritt in die Heiligkeit Gottes ist. Einen Katechumenen fragen: »Möchtest du die Taufe empfangen?«, das schließt gleichzeitig die Frage ein: »Möchtest du heilig werden?«. Es bedeutet, seinen Lebensweg vom Radikalismus der Bergpredigt leiten zu lassen: »Ihr sollt vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist« (Mt 5,48). Das ist der Kern der Kirchenkonstitution und auch meines Kirchenverständnisses. Es kann nicht sein, dass man, um die Kirche zu reformieren, vor allem für eine Demokratisierung der Kirche plädiert. Der Pastoraltheologe Paul Michael Zulehner hat in Bezug auf das Kirchenvolksbegehren dazu einmal gesagt: Man wollte vor allem Volk werden, hat aber vergessen, Volk Gottes zu werden. Wir sind in der Kirche nicht von uns her Volk, sondern nur von Gott her die von Gott zusammengerufene Gemeinde („Ecclesia Dei“). Die Rede von der Kirche muss der Rede über Gott nachgeordnet werden. Es ist auch zu bedenken, dass die ersten Worte der Kirchenkonstitution „Lumen Gentium“ nicht heißen: "Die Kirche ist das Licht der Völker", sondern "Christus ist das Licht der Völker". Es geht also darum, in unserer postmodernen Gesellschaft die Zentralität Gottes wieder neu zur Geltung zu bringen, unseres Gottes, der eine Gemeinschaft der Liebe ist: Gott Vater, der sich in seinem Sohn ausspricht und ihn der Welt schenkt, und dies in der Einheit des Heiligen Geistes, der das Band der Liebe ist. 2. Criteri per l’edificazione di una comunità La giusta comprensione della Chiesa porta a fare passi concreti a livello pastorale nella nostra Diocesi, ed è per questo che indico “alcuni criteri per l’edificazione di una comunità cristiana”. Non si tratta qui di nuovi “Orientamenti Pastorali” – quelli emessi dal mio predecessore, il Vescovo Wilhelm, sono tutt’ora in vigore. Vorrei partire da un quadro meraviglioso che si trova nelle catacombe dei Santi Marcellino e Pietro raffigurante il mito di Orfeo che viene confrontato con Cristo. Cristo è il vero e vincente Orfeo, che salva dal regno della morte la sua amata, l’umanità e - come Orfeo - suona con la lira il canto della liberazione. Sant’Ignazio di Antiochia interpreta la lira nelle mani di Cristo come la comunità cristiana, le corde della lira come i sacerdoti, uniti con il loro vescovo e il plettro, con cui viene suonato lo strumento, come lo Spirito Santo. Il compito principale di una comunità cristiana è quello di essere strumento nelle mani di Cristo, per condurre gli uomini verso la realizzazione della vita, verso la redenzione. La martyria, cioè la testimonianza cristiana Il primo compito che spetta a una comunità cristiana è testimoniare la nostra redenzione in Gesù Cristo. Questo avviene attraverso l’annuncio nelle varie forme, a partire dall’annuncio nella santa messa, la catechesi nella comunità, l’insegnamento della religione, fino alla presentazione della fede cristiana nei mass media. L’annuncio non si può limitare solamente alla comunità, ma anche, e forse addirittura in modo privilegiato, a coloro che sono lontani dalla Chiesa, a coloro che nella nostra società postmoderna vengono bombardati da tutti i possibili messaggi e che a loro volta li trasmettono, in quest’epoca degli angeli vuoti, come ha detto una volta il filosofo Peter Sloterdijk, “dove tutti vogliono essere messaggeri, ma nessuno si sforza di ricevere un messaggio”. Perché questo riesca, dietro l’annuncio ci deve essere la testimonianza della vita, cioè nella comunità cristiana deve essere fatta l’esperienza che in essa Dio è veramente presente. Il profeta Zaccaria aveva già preannunciato la fine dei tempi scrivendo: “In quei giorni, dieci uomini di tutte le lingue delle genti afferreranno un Giudeo per il lembo del mantello e gli diranno: Vogliamo venire con voi, perché abbiamo compreso che Dio è con voi” (Zc 8,23). Ancora oggi gli uomini cercano un orientamento – le domande sul senso della vita non vengono meno – e cercano un punto di riferimento. Una comunità parrocchiale, come le troviamo qui da noi, è ancora in grado di dare una risposta esauriente, significativa alle aspettative presenti? La domanda di senso si pone soprattutto quando ci sono esperienze di dolore, malattie, la perdita del lavoro, la perdita di cari o anche quando ci sono conflitti coniugali. C’è bisogno di punti affidabili a cui le persone si possono rivolgere con tutte le loro domande di senso – siano il confessionale, la pastorale sanitaria e di emergenza, telefono amico, oppure i diversi servizi di consulenza. Insieme alle altre competenze psicologiche dobbiamo imparare nuovamente a esprimere la fede. Questo vale anche per i fedeli nella quotidianità: in famiglia si parli della fede, nella vita lavorativa non si tema di testimoniare la fede cristiana; e tutto questo in una società sempre più ostile alla religione, in una società che in nome della tolleranza vuole censurare le testimonianze di fede dalla vita pubblica. Jean-François Lyotard, teorico della postmodernità, ha espresso l’idea che siamo arrivati a una situazione in cui è scossa la fiducia di arrivare, con argomenti razionali, a un consenso su un determinato punto. Un esempio è la negazione dell’Olocausto da parte di gruppi di estrema destra. Gli uomini di oggi crescono in una società talmente eterogenea in cui sembra che non sia più possibile una comprensione basata sulle argomentazioni. Lyotard vede come unica via di uscita la testimonianza, vale a dire stare dalla parte delle vittime, delle persone prive di diritto, dei sofferenti, di coloro che non hanno più voce, dai feti fino ai pazienti in coma, dalle persone sfruttate dall’economia globalizzata fino a coloro che vengono schiavizzati dal commercio di uomini, dalla prostituzione, dai truffatori, dalla droga ecc. La scelta preferenziale dei poveri, fatta già dal Signore, che ascolta coloro che a causa della loro situazione di bisogno gridano aiuto, deve essere anche la strada di una comunità cristiana ai giorni nostri, anche se questa martiria diventa un martirio, nella sequela di Gesù Cristo stesso, che si è donato per noi. La liturgia, il culto divino È già stato detto molto sulla giusta concezione della Chiesa. È molto doloroso constatare che la divisione della Chiesa dopo il Concilio Vaticano II attraverso i Lefebvriani sia partita dalla liturgia. Questo è un ambito piuttosto delicato. La liturgia non può essere un luogo in cui l’uomo si mette in mostra, ma un luogo in cui si fa esperienza del Sacro, in cui gli uomini possono incontrare Dio stesso. Nella nostra liturgia c’è bisogno di nuovo di momenti di silenzio, c’è bisogno di condurre i fedeli all’adorazione, c’è bisogno che gli uomini escano da un mondo fatto di continui impulsi per raccogliersi nuovamente. Molti uomini percepiscono questa esigenza. Già più di 40 anni fa Romano Guardini si era chiesto se gli uomini di oggi saranno ancora in grado di compiere l’atto liturgico. Ritengo che dobbiamo prendere degli spunti da altri ambienti culturali, dalla gioia che si esprime ad esempio nelle liturgie africane o latinoamericane, oppure anche dalla bellezza e dalla riverenza davanti al Sacro espressi nella liturgia della Chiesa ortodossa. La celebrazione eucaristica domenicale deve rimanere il punto centrale di una comunità cristiana. In essa si esprime la koinonia, cioè la comunione con il Signore e con gli altri. Da essa devono scaturire la vita cristiana e anche la diaconia nelle sue forme differenti. “Non è possibile”, scrive il Concilio Vaticano II nel decreto su ministero e vita sacerdotale, “che si formi una comunità cristiana se non avendo come radice e come cardine la celebrazione della sacra eucaristia, dalla quale deve quindi prendere le mosse qualsiasi educazione tendente a formare lo spirito di comunità” (n. 6). Dispiace che la celebrazione eucaristica domenicale sia anche per cristiani praticanti solamente una scelta tra tante altre, che ci si vada solamente quando se ne ricava qualcosa, che le proprie esigenze, manipolate in vari modi dal consumismo di oggi, diventino criterio di scelta. Dio deve essere più al centro della nostra vita, per essere consapevoli del destino più profondo dell’uomo, che è quello di lodare e adorare Dio come nostro creatore e redentore. “Homo creatus est ut laudet” ha detto San Tommaso d’Aquino. I nostri contemporanei devono di nuovo essere introdotti a questa dimensione, anche attraverso un’appropriata “ars celebrandi”. In questo contesto ancora un pensiero: se a causa della sempre più evidente mancanza di sacerdoti non è più possibile celebrare una santa messa domenicale nelle singole comunità, nelle celebrazioni della Parola non sia distribuita la comunione, ma ci sia eventualmente un’adorazione eucaristica per educare gli uomini nuovamente all’adorazione e per renderli consapevoli, anche se dolorosamente, che purtroppo abbiamo troppo pochi sacerdoti. Questa mancanza diventi l’occasione per pregare affinché le comunità esprimano dei candidati che possano essere chiamati al servizio sacerdotale. La diaconia “Guardate come si amano”, così venivano presentati inizialmente i cristiani. Già negli Atti degli Apostoli si dice che essi erano un cuore e un’anima sola, che avevano tutto in comune e che fra loro non esistevano poveri. Sicuramente questa è una descrizione idealistica di una comunità cristiana. Il cristianesimo, a confronto con le altre religioni, si può vantare di aver istituito dei servizi efficienti per quanto riguarda l’assistenza ai poveri e agli ammalati. Per secoli la Chiesa ha preceduto la società civile e soltanto gradualmente lo Stato ha assunto diversi servizi. Nella seconda parte della sua prima Enciclica “Deus caritas est” Papa Benedetto ha parlato molto della nascita e dello sviluppo graduale della diaconia, della carità cristiana e del suo rapporto con i servizi sociali statali. Non è questo il luogo per riassumere l’Enciclica. Vorrei solamente citare un brano: “L'amore- caritas - sarà sempre necessario, anche nella società più giusta. Non c'è nessun ordinamento statale giusto che possa rendere superfluo il servizio dell'amore. Chi vuole sbarazzarsi dell'amore si dispone a sbarazzarsi dell'uomo in quanto uomo. Ci sarà sempre sofferenza che necessita di consolazione e di aiuto. Sempre ci sarà solitudine. Sempre ci saranno anche situazioni di necessità materiale nelle quali è indispensabile un aiuto nella linea di un concreto amore per il prossimo. Lo Stato che vuole provvedere a tutto, che assorbe tutto in sé, diventa in definitiva un'istanza burocratica che non può assicurare l'essenziale di cui l'uomo sofferente- ogni uomo- ha bisogno: l'amorevole dedizione personale. Non uno Stato che regoli e domini tutto è ciò che ci occorre, ma invece uno Stato che generosamente riconosca e sostenga, nella linea del principio di sussidiarietà, le iniziative che sorgono dalle diverse forze sociali e uniscono spontaneità e vicinanza agli uomini bisognosi di aiuto”. Recentemente c`è stata una polemica fra rappresentanti della Chiesa e dei partiti di governo, su come intervenire in merito agli immigrati clandestini. Qui sono in gioco i diritti fondamentali dell’uomo. Non voglio addentrarmi in questa problematica ma desidero solamente sottolineare che dobbiamo prestare molta attenzione al fatto che ci sia una corretta informazione a riguardo della complessa problematica dell’immigrazione, che si prendano sul serio le giuste preoccupazioni delle nostre popolazioni e che si possano quindi sminuire certe paure. Questo è un problema molto delicato, che forse si acutizzerà in futuro, se non facciamo tutto il possibile per impegnarci per una giustizia globale, vale a dire per rafforzare ancor più lo sviluppo dei paesi più poveri, in particolare dell’Africa. Nessuno affronta gli strapazzi di queste fughe avventurose se non per un estremo bisogno, tenendo conto che in più, a causa di informazioni errate, spesso cade nelle mani dei truffatori. È irresponsabile utilizzare queste situazioni estreme di bisogno per fare propaganda populista per determinati partiti. Ad ogni modo sono molto grato alla nostra Caritas diocesana per la campagna “La fame non va in vacanza”, iniziata a fine agosto e anche per i numerosi progetti singoli finanziati dalle offerte della popolazione. Il “Katholisches Sonntagsblatt” ed anche “Il Segno” ne hanno riferito. Nella nostra società globale e complessa l’impegno della Caritas richiede molta competenza. Sarebbe però sbagliato vedere la Caritas solamente come un centro efficiente di servizi. La Caritas e la diaconia sono l’espressione essenziale di una comunità cristiana. Per questo in ogni comunità parrocchiale ci deve essere una Caritas parrocchiale o per lo meno un impegno caritativo. E non deve neanche succedere che i poveri siano solamente destinatari del nostro aiuto: devono essere un soggetto compartecipe di ogni comunità, un dono per tutta la comunità. Gesù stesso, attraverso i poveri, vive in mezzo a noi.
| 3. Einige Anregungen zum Jahr der Priester Nach den Ausführungen zur Gemeindebildung wäre sicher noch vieles zu sagen zu den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in den Pfarrgemeinden, z. B. auch zur Rolle der Ordensgemeinschaften und der neuen Bewegungen. Im letzten Teil meines Referats möchte ich jetzt einige Anregungen zum Jahr der Priester geben. Sicherlich werden wir im Laufe dieses Jahres noch öfters darauf zurückkommen. Zuerst einmal möchte ich dem Heiligen Vater meine Dankbarkeit ausdrücken, dass er den 150. Jahrestag des Todes von Johannes Maria Vianney, des Pfarrers von Ars, zur Gelegenheit genommen hat, um ein Jahr der Besinnung auf den priesterlichen Dienst heute auszurufen, um den priesterlichen Mitbrüdern auch seine Solidarität und seine Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen. Als verantwortlicher Ortsbischof schließe ich mich diesem Anliegen gerne an. Wie es Kardinal Walter Kasper schon vor 40 Jahren geäußert hat, ist die Krise um die Kirche zur Krise um das Amt, um den Priester, geworden, gleichsam zur „Schlüsselfrage und zur Schicksalsfrage für die Zukunft der Kirche“. Es gibt heute eine erhebliche Rollenunsicherheit des Priesters, eine latente Überforderung, die sich oft in „Burnout“-Syndromen äußert, nicht nur im Aufgeben des Priesteramtes bei allzu vielen, sondern auch in einer Resignation. Diese bringt es mit sich, dass sich die Betroffenen nur mehr auf die Amtsgeschäfte zurückziehen und so wenig Ausstrahlungskraft haben, und gerade so nicht eine Werbung für neue Priesterberufe sind. Der Priestermangel und seine Auswirkungen auch für unsere Diözese sind dramatisch. Wir stehen schlechter da als viele Diözesen Italiens, ja sogar des benachbarten deutschsprachigen Auslands. Trotz allem ist es meine Aufgabe, aus dem Glauben heraus Signale der Hoffnung und Zuversicht zu geben, ebenso die notwendige Errichtung von Seelsorgeeinheiten nicht nur als verwaltungsmäßige Notlösung, sondern auch als Chance, als Herausforderung hinzustellen. Nun, es ist klar: Im Neuen Testament kommt das eigentliche Priestertum nur Jesus Christus zu. Er ist der Hohepriester, der neue Mittler zwischen Gott und den Menschen. Aber dieses eschatologische und endgültige Priestertum Christi, seine am Kreuz bewirkte Versöhnung, muss in der Geschichte durch menschliche Dienste zum Ausdruck gebracht werden. Dabei verwendet das Neue Testament priesterliche Begriffe eigentlich nur für die Kirche als Ganze. Alle Christen zusammen sind das königliche priesterliche Volk, das berufen ist, die Großtaten Gottes zu verkünden und geisterfüllte Opfer darzubringen (vgl. 1 Petr 2,5-9). Diesem allgemeinen Priestertum der Gläubigen steht das priesterliche Hirtenamt als eigenständiges Charisma gegenüber mit der Aufgabe der Leitung, der Koordinierung der verschiedenen Charismen zur Einheit durch den Dienst am Wort, am Sakrament und in der Führung der Gemeinden. Nachdem Christus der eigentliche Hirte der Kirche ist, steht das priesterliche Amt Christus als werkzeugliches Organ zur Verfügung und ist so nicht nur der Gemeinde, sondern in erster Linie Christus verantwortlich. Wenn es eine Krise der Priester gibt, dann ist dies eine Krise des Glaubens. Auch der Priester nimmt teil an der Gottesfinsternis unserer Zeit. Aber der Glaube bleibt das Fundament des Priestertums. Ohne Glaube ist keine Verkündigung des Wortes möglich, auch die Sakramente sind nur sinnvoll als Zeichen des Glaubens; und ebenso erfordert eine Gemeindeleitung in der Nachfolge Christi einen Glauben, der die Gemeindemitglieder immer neu herausfordert, der für Christus wirbt, der so Verkündigung der Frohen Botschaft an alle ist. Man kann den Priesterberuf nur ausüben mit einem grundlegenden Lebens- und Glaubenszeugnis. Es gibt aber kaum einen Beruf, oder besser gesagt eine Berufung, die so umfassend ist wie der Priesterberuf und die dem eigenen Leben so viel Sinn- und Glückserfahrung geben kann. Ich möchte jetzt, Überlegungen von Kardinal Walter Kasper aufgreifend, drei Leitbegriffe für den priesterlichen Dienst vorstellen, und zwar Mysterium, Communio und Missio. 3.1 Mysterium Den ersten und zentralsten Leitbegriff drückt der Apostels Paulus in 1 Kor 4,1 folgendermaßen aus: „Als Diener Christi soll man uns betrachten und als Verwalter von Geheimnissen Gottes“. Das Geheimnis Gottes schlechthin ist die Offenbarung in Jesus Christus. Der Priester muss sich hineingenommen verstehen in die Verwirklichung des ewigen Ratschlusses Gottes zu unserem Heil. Ausgangspunkt und ständiger Bezugspunkt für eine priesterliche Existenz ist Jesus Christus selber. Was für jeden Getauften schon gilt - dass er Jesus Christus angezogen hat - muss erst recht für den Priester gelten. Wir müssen dauernd anstreben, was Paulus von sich sagen konnte: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20). Es ist ja so, dass es nicht primär darauf ankommt, was wir tun, sondern was Christus durch uns tut. Es kommt also primär auf das Sein und nicht auf das Tun an. Das Wichtigste, was wir tun können, ist, dem Tun Gottes durch Jesus Christus im Heiligen Geist Raum zu geben und uns so der Gnade Gottes nicht in den Weg zu stellen. Das heißt, bevor wir Vorsteher unserer Gemeinden sind, müssen wir Vorbeter unserer Gemeinden sein. Geistliche Existenz ist der Schrift nach letztlich Zeugenexistenz. Der Zeuge spricht durch seine Existenz, durch sein christliches Leben. Gerade junge Menschen sind darin überaus feinfühlig. Es geht also darum, glaubwürdige Zeugen zu sein, deren Leben mit dem eigenen Wort übereinstimmt. Als Zeichen des Glaubens, als Hinweis für das in Jesus gekommene Himmelreich, sollten wir auch den priesterlichen Zölibat verstehen. Er heißt nicht umsonst „Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen“. Ehelosigkeit ist die Lebensform Jesu gewesen, eine ungeteilte Hingabe an die neue Wirklichkeit des Reiches Gottes. Ich weiß, dass heute dieses Zeichen bei vielen, auch bei Gläubigen, nicht mehr verstanden, dass der Priester hier oft von der eigenen Gemeinde nicht getragen wird. Es stimmt, dass die lateinische Kirche das Zölibatsgesetz als Disziplin versteht, die auch geändert oder gelockert werden könnte, so wie es verheiratete Priester in den ersten christlichen Jahrhunderten gegeben hat und es solche auch heute noch in den mit Rom verbundenen Ostkirchen als einfache Gemeindepriester gibt. Es gibt sicherlich eine Reihe von spirituellen und auch pastoralen Gründen, eine Konvenienz für die Aufrechterhaltung des Zölibats, so wie es auch die offizielle Linie der Gesamtkirche ist. Neben der grundlegenden Dimension, Zeichen für das Himmelreich zu sein, hat der zölibatär lebende Priester auch eindeutig mehr Zeit, sich seinen spirituellen und pastoralen Aufgaben zu widmen - er müsste seine Zeit sonst mit den Pflichten für eine Familie teilen. Er ist auch mehr verfügbar, an verschiedenen Orten eingesetzt zu werden; er kann intensiver die Communio mit dem Bischof und den anderen Priestern leben. Es ist aber notwendig, dass wir unseren Priestern - sowohl in der Ausbildung wie bei der Ausübung ihres Dienstes - qualifizierte Begleitung spiritueller und auch psychologischer Natur anbieten, damit diese sicher anspruchsvolle Lebensform glaubwürdig gelebt werden kann. Solche Unterstützung ist übrigens auch für die Lebensform der Ehe wichtig und notwendig, denn auch Eheleute haben Krisen zu bewältigen. Es geht nicht an, dass man einseitig das eheliche Leben als Ideal hinstellt, ohne zu beachten, wie schwierig dies auch heute sein kann, während man für die zölibatäre Lebensform kein Verständnis mehr zeigt. Dass der Mensch sich lebenslang binden kann, ist Vorgabe einer entsprechenden Anthropologie, die in der postmodernen Gesellschaft nicht mehr geteilt wird und wofür heute auch die sozialen Stützen fehlen; ebenso ist vorausgesetzt, dass der Mensch sich von Gott geführt weiß und so im Gottvertrauen gewisse Entscheidungen für sich fällt, zu denen er dann auch stehen will. 3.2 Communio “Communio” è la parola chiave per la comprensione della Chiesa del Concilio Vaticano II. In quanto Chiesa siamo una comunità secondo l’archetipo della Santissima Trinità stessa. L’uomo è un essere che vive in comunità, si riferisce a un tu e a un noi. Se viene meno la comunità, questo è segno del peccato (vedi Gen 3, in cui la reciproca fiducia iniziale si trasforma nella pretesa di dominare l’altro, di scaricare la colpa sull’altro). Come Chiesa viviamo nella riconciliazione voluta da Gesù Cristo, che con la morte in croce ha superato tutte le inimicizie degli uomini, ha promosso la pace. “Communio” è innanzitutto comunione con Dio, e poi comunione tra di noi, significata proprio nell’eucarestia. Prendendo parte al pane, al corpo eucaristico, formiamo anche noi un corpo solo. Il sacerdote, che presiede l’eucarestia, è prevalentemente un servitore dell’unità, uno strumento di pace. La Chiesa è una comunità universale - “cattolica” - e viene guidata dal ministero di Pietro, il cui primo compito è quello di essere al servizio di questa unità, di presiedere questo vincolo d’amore universale, che è la Chiesa. La “communio” ecclesiale si realizza nella Chiesa locale, guidata dal vescovo. I sacerdoti di una diocesi formano il presbiterio, che sta attorno al vescovo, o, per riprendere l’immagine di sant’Ignazio di Antiochia, formano insieme al vescovo le corde della lira, sulla quale Cristo vuole suonare il canto della riconciliazione. Le corde devono essere accordate per comporre una melodia armonica. Anche la comunità parrocchiale va intesa come un insieme di comunità, specialmente nel caso in cui delle comunità parrocchiali vengano riunite in una unità pastorale. Abbiamo bisogno di piccole comunità, siano esse gruppi biblici o di spiritualità, oppure associazioni ecclesiastiche o movimenti in cui i cristiani possano sentirsi a casa, in cui venga letta e meditata la Sacra Scrittura, in cui si preghi insieme. Il parroco deve unire sul proprio territorio queste comunità differenti, favorendo la celebrazione eucaristica comune. 3.3 Missio Die Kirche ist von ihrem Wesen her missionarisch. Sie weiß sich dem Auftrag Jesu verpflichtet, der am Ende des Matthäusevangeliums folgendermaßen formuliert wird: „Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern“ (Mt 28,19). Der universale Missionsauftrag ergibt sich schon aus der einfachen Tatsache, dass wir eine globale Menschheitsfamilie sind. Und wenn wir wirklich glauben, dass in Jesus Christus das Heil der Welt gekommen ist, dann ist es ein inneres Bedürfnis, dies allen zu bezeugen, damit sie gerettet werden. Man könnte so für den Leitbegriff der Missio auch den der „Martyria“ verwenden, denn eine Verkündigung ist nur dann glaubhaft, wenn das Lebenszeugnis dahinter steht, ja oft – so in islamischen Ländern, in denen Missionierung verboten ist – bleibt nur das stille Zeugnis eines Lebens in Glaube und Liebe. In unserer postmodernen und von den Medien beherrschten Welt müssen wir aber alle Instrumente ausnutzen, um deutlich zu machen, dass der christliche Glaube die wahre Deutung der Welt ist und jene Orientierung und Sinnstiftung gibt, nach denen die Menschen instinktiv verlangen. Ich denke da auch an das Internet, an die diözesanen Medien, an Pfarrsender und Kirchensender, ich denke auch an die öffentlichen Medien. Wir stehen auf einer Weltbühne der Meinungen, und es braucht heute Mut, ein offenes Wort des Glaubens zu sprechen, auch mit dem Risiko, dass es uns ergeht wie Paulus auf dem Areopag von Athen. Neue Wege sind zu versuchen, die wir durchaus auch bei neuen Bewegungen abschauen können, bei Stadtmissionen usw. Wir sind auch in Südtirol Missionsland geworden. Aber genauso ist es wichtig, dass weiterhin die Missionsarbeit in den Ländern der ersten Verkündigung unterstützt wird. Ja es ist für unsere Pfarrgemeinden sehr bereichernd, wenn sie Partnerschaften mit Gemeinden der Diözesen der südlichen und östlichen Erdhälfte eingehen, damit sie so wieder von der Freude am Glauben angesteckt werden. Was die Priesterberufungen betrifft, so müssen wir heute den Mut haben, junge Menschen direkt anzusprechen, ob dies nicht eine Möglichkeit für sie wäre. Vor allem aber zählt das Zeugnis des eigenen Lebens. Junge Menschen müssen wieder erfahren können, wie bereichernd der Priesterberuf ist, welche Verheißungen des Glücks er in sich birgt; besonders wenn ihnen vermittelt werden kann, welche Freude es ist, wenn Menschen wieder auf den rechten Weg gebracht werden. Es ist die Freude der Engel im Himmel. Man vergleiche die Gleichnisse im 15. Kapitel bei Lukas vom verlorenen Schaf, der verlorenen Drachme und dem verlorenen Sohn bzw. vom barmherzigen Vater. Was das Jahr der Priester in unserer Diözese betrifft, so möchte ich nur ankündigen, dass wir am 26. November 2009 und am 18. März 2010 in Brixen einen gemeinsamen Einkehrtag für alle Priester, gemeinsam mit dem Bischof, planen; dass die Missa Chrismatis am Gründonnerstag im Jahr 2010 ganz in diesem Zeichen stehen wird; dass wir mit dem diözesanen Pilgerbüro vom 3. bis 7. Mai 2010 eine Pilgerfahrt nach Ars planen, und dass wir schließlich am Montag 7. Juni 2010, am Tag nach dem Fronleichnamsfest, den Abschluss des Priesterjahres gemeinsam begehen wollen, wieder in der Form eines Einkehrtags. Vor allem möchte ich allen Priestern ans Herz legen, dass sie in diesem Jahr sich die Zeit nehmen, an geistlichen Exerzitien mitzumachen. So soll uns das heurige Jahr der Priester wieder neu bewusst machen, dass wir als Priester die Geheimnisse Gottes verwalten dürfen, dass wir Diener der Einheit sind und dass wir trotz aller Schwierigkeiten auch weiterhin eine missionarische Kirche bleiben müssen.
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