Josef Mayr-Nusser (1910-1945) 

 

"Papst Franziskus hat durch seine Unterschrift bekräftigt, dass Josef Mayr–Nusser bald als Märtyrer und Seliger unserer Kirche verehrt werden darf. Mit vielen anderen Menschen in unserer Diözese erwarte ich mit Freude und Hoffnung die Seligsprechung, die wir am Vorabend des Namenstags des neuen Seligen, am 18. März 2017, im Bozner Dom feiern werden. Am folgenden Tag, dem Hochfest des hl. Josef, feiern wir im Bozner Dom einen diözesanen Dankgottesdienst für die erfolgte Seligsprechung. Den liturgischen Gedenktag des neuen Seligen werden wir das erste Mal am 3. Oktober 2017 feiern." (Bischof Ivo Muser - hier der gesamte Text)

Josef wurde am 27. Dezember 1910 auf dem Nusserhof am Bozner Boden geboren. Als er fünf Jahre alt war starb sein Vater. Von der tüchtigen und frommen Mutter hatte Pepi – wie er allgemein genannt wurde - das Musiktalent geerbt. Gerne hätte er studiert. Aber da schon sein ältester Bruder Jakob das Gymnasium besuchte, wagte Pepi nicht, die Mutter darum zu bitten. Es waren die wirtschaftlich schwierigen zwanziger Jahre, und der Nusserhof hatte wie viele Südtiroler Bauern unter der faschistischen Willkür zu leiden, die ihre Gründe um billiges Geld enteignete. Pepi wurde kaufmännischer Angestellter bei der Firma Eccel in Bozen. In der Freizeit las er viel und bildete sich religiös weiter. Seine großen Vorbilder waren Thomas von Aquin, der englische Lordkanzler Thomas Morus, der wegen seiner Treue zur Katholischen Kirche auf dem Schafott endete, und der Tiroler Freiheitskämpfer Peter Mayr, Wirt an der Mahr, der sein Leben nicht durch eine Lüge erkaufen wollte.

1931 musste Josef nach Piemont zum Militär. Zurückgekehrt trat er der Bozner Vinzenzkonferenz bei. Als 1935 am Bozner Boden eine eigene Vinzenzkonferenz gegrün­det wurde, bestellte man Pepi zu deren Präsidenten. Er nahm seine Aufgabe sehr ernst und besuchte fleißig die Armen.

Als in Bozen 1933 eine katholische Jugendgruppe aufgebaut wurde, war auch Pepi dabei und wurde zum Führer der Jungmänner ge­wählt. Pepi widmete sich mit ganzem Ei­fer dieser Aufgabe. Er besuchte die Jugend­gruppen, gab Rundbriefe heraus, schrieb Beiträge für die "Jugendwacht". Sein geistlicher Berater war Josef  Ferrari, der spätere erste deutsche Schulamtsleiter. In einem Artikel ist der Schlüssel für seine spätere Eidesverweigerung zu finden. Er betonte, wie wichtig „das Zeugnis ohne Worte, das der lebendige Christ täglich lebt, zu Hause, bei der Arbeit, auf dem Felde, in der Werkstatt, vor den Menschen" sei. Und zwar Zeuge Christi "bis ans Sterben".

Bei der Option 1939 entschloss sich Pepi, entgegen der Mehrheit der Südtiroler, in der Heimat zu bleiben. Er trat dem Andreas-Hofer-Bund bei, der sich der Nichtoptanten annahm. Am 26. Mai 1942 heiratet er seine Vorgesetzte bei Eccel, Hildegard Straub. Ein gutes Jahr später stellte sich der Sohn Albert ein. Inzwischen war Josef von der Firma Eccel zu Amonn gewechselt, dessen Firmenchef ein führender Dableiber war. Nach Pepis Tod bekannte Amonn der Witwe: "Von allen seit dem Unglücksjahr 1939 neu aufgenommenen Mitarbeitern ha­be ich niemanden so geschätzt wie ihn."

Im September 1943 wurde Südtirol von den deutschen Truppen besetzt und Pepi im September 1944 - obgleich italienischer Staatsbür­ger - zum deutschen Heer einberufen. Mit 80 anderen Südtirolern kam er nach Konitz in Ostpreußen, wo man alle der Waffen-SS zuteilte.

Pepi machte die Ausbildung mit. Doch einen Tag vor der Eidesleistung erklärte er, dass er den Eid aus Gewissensgründen nicht leisten könne. Die Kameraden suchten ihn umzustimmen. Doch er antwortete, er wisse, dass ihm die Verweigerung das Leben kosten könnte, aber sein christliches Gewissen verbiete ihm, anders zu handeln. Er antwortete darauf: "Wenn nie jemand den Mut aufbringt, ihnen zu sagen, dass er mit ihren nationalsozialistischen Anschauungen nicht einverstanden ist, dann wird es nicht anders." Pepi hatte nämlich von den Gräueltaten der SS erfahren und wollte daran nicht mitschuldig werden. Pepi wurde vorerst in eine Zelle gesperrt. Seiner Frau Hildegard schrieb er, er sei überzeugt, dass ihre Liebe auch diese schwere Belastungsprobe beste­hen werde. "Wenn der Herr ein Opfer for­dert, dann gibt er auch die Kraft, es zu tragen." Allerdings äußerte er auch die Hoffnung, dass es, weil er italienischer Staatsbürger sei, vielleicht doch nicht zum Äußersten kommen würde.

Doch wurde er in Danzig wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt und sollte in Dachau erschossen werden. Ein Wachsoldat, der den Transport von ca. 40 Todeskandidaten begleiten musste, berichtete, dass ihm Pepi aufgefallen sei, weil er nie ge­klagt habe und für jede Hilfe dankbar gewesen sei. Er sei aber so ge­schwächt gewesen, dass er sich kaum selber habe fortbewegen können.

In Erlangen musste der Zug wegen der zerstörten Bahngeleise acht Tage halten. Dort ist Pepi am 24. Februar 1945 im Viehwaggon seinen Strapazen erlegen. Sein Leichnam wurde zunächst in Erlangen begraben, 1958 nach Südtirol überführt und im Frühjahr 1963 an der Außenmauer der Kirche von Lichtenstern am Ritten beigesetzt.

Der damalige Generalvikar des deutschen Anteils von Trient, Josef Kögl, schrieb über Josef Mayr-Nusser: "Ein Held der Wahrheit, ein Held der Heiligkeit des Eides, ein Held des bekennenden Glaubens - ein Vorbild für die Jugend Südtirols."

 

 

Msgr. Josef Kögl, Generalvikar des deutschen Anteils von Trient, über JMN
Ein Mahnmal, das über die Zeit von Josef Mayr-Nusser hinaus geht