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Landesrätin Dr. Martha Stocker   versione testuale

Die Würde des Menschen

Alten, kranken und leidenden Menschen nahe zu sein ist eines der Leitmotive der Katholischen Kirche. Unserem geschätzten Bischof Karl Golser – der sich nicht zuletzt als Professor für Moraltheologie und Mitglied des Landesethikkomitees immer wieder mit den Fragen des Lebens beschäftigt hatte – waren dabei die Solidarität und die Anteilnahme besonders mit jenen, die Not leiden oder krank sind, ein großes Anliegen - wie er es in seiner Weihnachtsbotschaft im Jahre 2010 unterstrich, in der er auch Bezug auf sein persönliches, bevorstehendes Leiden nahm. „Gott hat die menschliche Natur angenommen. Er hat in Jesus gerade die Armut und Obdachlosigkeit von seiner ersten Stunde an kennen gelernt. Er wurde gefoltert und gekreuzigt. Dadurch haben alle Formen menschlichen Lebens eine unvergleichliche Würde bekommen“, unterstrich Golser vor nunmehr viereinhalb Jahren. Ja, für Bischof Karl Golser stand die Würde des Menschen – egal welcher Herkunft, mit welchen persönlichen Stärken und Schwächen, mit welcher Lebensgeschichte - stets an erster Stelle.

Seine Krankheit und sein Leiden trägt unser Bischof Karl Golser mit jener Würde, die ihm in seinem Handeln stets eine Richtschnur war. Mit seinem Einverständnis zur Gründung dieser Stiftung signalisiert er trotz seines schweren Schicksals Anteilnahme, Solidarität und Verbundenheit mit jenen Menschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden – und schenkt damit den Angehörigen und den Betroffenen einen Funken Hoffnung. Die Vermittlung medizinischer Informationen sowie die Erforschung der Krankheit und die Entwicklung neuer Therapien sind die Ziele, die sich die „Bischof Dr. Karl Golser Stiftung“ auf ihre Fahnen geschrieben hat. Sind Parkinson und insbesondere das atypische Parkinson-Syndrom auch bis heute unheilbare Krankheiten des zentralen Nervensystems, so kann unser gemeinsamer Einsatz – nicht zuletzt in der Prävention und Früherkennung - dazu beitragen, das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen und die Lebensqualität der Patienten so lange als möglich zu erhalten. Und es sind nicht wenige Menschen, die davon betroffen sind, im Gegenteil: Es werden immer mehr. In Europa sind über 1.200.000 Personen an Parkinson erkrankt, in Italien sind es 250.000 und in Südtirol zählen wir mehr als 2.000 Betroffene – und es wird angenommen, dass sich diese Zahlen innerhalb 2030 verdoppeln werden.

Ich bin zuversichtlich, dass der Stiftungsrat und der wissenschaftliche Beirat ihrer Aufgabe gerecht werden und darf an dieser Stelle auch die Grüße und Glückwünsche eures Schirmherrn, Landeshauptmann Arno Kompatscher, überbringen. „Christus pax nostra – Christus unser Friede“ war der Leitspruch unseres Bischofs. „Mit diesem Motto denkt Karl Golser an die Menschen in der Diözese Bozen-Brixen, an die drei historischen Sprachgruppen, aber auch an jene Menschen, die aus anderen Kulturen hierher kommen; er denkt an die unterschiedlichen sozialen Schichten, an die verschiedenen Einstellungen zu Wertefragen“, heißt es in der Beschreibung seines bischöflichen Mottos. Lasst uns gemeinsam seinen Auftrag für die Menschen und für die Menschenwürde weiterführen.