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Bischof Ivo Muser   versione testuale

Vom Professor zum Confessor, vom Lehrer zum Zeugen

Als im Herbst 2010 die Nachricht von der schweren Erkrankung von Bischof Karl Golser öffentlich geworden ist, herrschte in Südtirol und weit über die Landesgrenzen hinaus, tiefe Betroffenheit. Man konnte in den folgenden Wochen die rasche Entwicklung des atypischen Parkinson-Syndroms, an der unser geschätzter Bischof Karl erkrankt ist und die ihn schließlich genötigt hat, seinen Dienst als Diözesanbischof zurückzulegen, förmlich beobachten. Ich möchte die Worte in Erinnerung rufen, die ich bei meiner Bischofsweihe am 9. Oktober 2011 an ihn gerichtet hatte: „Du bist getroffen und gezeichnet von Deiner schweren Krankheit. Als Moraltheologe hast du unzählige Male Stellung bezogen zum Geschenk, zum Wert, zur Würde des menschlichen Lebens in allen Lebenslagen, von seiner Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende. Obwohl Du fast wortlos geworden bist, lebst Du uns jetzt dieses Geschenk, diesen Wert und diese Würde auf sprechende Weise vor. Du bist vom Professor zum Confessor geworden, vom Lehrer zum Zeugen. In großem Respekt neige ich mich vor Dir und vor dem Geheimnis Deines Lebenskreuzes. Ich danke Dir für Dein überzeugtes Wort als Professor und Bischof und ich danke Dir jetzt vor allem für Dein Sein.“

Bischof Karl hat aufgrund seiner Erkrankung mittlerweile die Fähigkeit verloren zu kommunizieren und sich auszudrücken. Umso sprechender aber ist sein Lebenszeugnis geworden, das sich in Stille Tag für Tag und Nacht für Nacht in seiner Wohnung, wo er rund um die Uhr seit mehreren Jahren treu und liebevoll gepflegt und umsorgt wird, verzehrt. Dieses Zeugnis rührt an das große Geheimnis des Lebens, das wir nicht in unserer Hand haben. Wir können es nur leben im festen österlichen Vertrauen, dass Gott um uns weiß und wir nicht aus seiner Hand herausfallen können. Bischof Karl hat seine Krankheit nicht nur als schweren Schicksalsschlag hingenommen, sondern sie bewusst angenommen als sein Kreuz in der Nachfolge Jesu. Dies ist seine Antwort auf das Geschenk und den Auftrag des Lebens. Ich und viele andere Menschen sind Zeugen geworden, welche innere Gelassenheit und welchen Herzensfrieden Bischof Karl ausstrahlt, auch wenn der Weg dorthin für ihn sicher nicht einfach war. Möglich war und ist ihm die Bewältigung seiner Erkrankung wohl deshalb, weil er getragen ist vom Glauben und erfüllt von der Hoffnung, dass wir nicht auf ein dunkles Nirgendwo zusteuern, sondern für den Himmel geschaffen und gewollt sind. Bischof Karl lebt uns vor, dass wir zur Auferstehung durch das Kreuz gelangen. Für dieses Lebens- und Glaubenszeugnis danke ich ihm von Herzen!

Bischof Karl ist am atypischen Parkinson-Syndrom erkrankt, von dem ca. fünf bis zehn Prozent der Parkinson-Patienten betroffen sind. Es gehört zu den seltenen Erkrankungen. Menschen, die an einer seltenen Erkrankung leiden, bleiben oft von der Gesellschaft unbemerkt. Nicht selten trifft es zu, dass für die Erforschung der Ursachen dieser Erkrankungen und für die Entwicklung neuer Therapien weniger finanzielle Mittel bereit gestellt werden als bei Krankheiten, von denen viele Menschen betroffen sind. Oft sind es erst bekannte Persönlichkeiten bzw. Patienten wie eben Bischof Karl, die die Öffentlichkeit für diese Problematik sensibilisieren. Diese Patienten brauchen oft eine besondere Fürsorge und Aufmerksamkeit. Sie und ihre Angehörigen haben ein Anrecht auf die besondere Solidarität und Nähe der Gesellschaft und der Kirche.

Die Gründung der „Bischof Dr. Karl Golser-Stiftung“ ist ganz im Sinne von Bischof Karl. Sie verfolgt ein mehrfaches Anliegen, das von der Erforschung der seltenen Erkrankung des atypischen Parkinson-Syndroms bis zu Informations- und Hilfsangeboten für Betroffene und deren Angehörige reicht. Die Sorge für die Kranken und die Unterstützung ihrer Angehörigen gehört seit jeher auch zu den wichtigen Aufgaben der Kirche. Deshalb wünsche ich der Stiftung Gottes reichen Segen und ein gutes Gelingen ihrer Vorhaben und Zielsetzungen. Besonders möchte ich bei diesem Anlass aber auch Bischof Karl sowie jene, die an derselben Krankheit wie er leiden, aber auch alle Kranken in Südtirol segnen und sie der Fürsprache Mariens anvertrauen, die wir als „Heil der Kranken“ anrufen!