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RA Dr. Gerhard Brandstätter   versione testuale

Die Stiftung als Zeichen gelebter Solidarität

Es ist ein freudiger Anlass, die Gründung der Bischof Dr. Karl Golser Stiftung bekanntgeben und vorstellen zu können, womit ein langer Vorbereitungsprozess mit viel Arbeit und großem Aufwand zu Ende geht.

Die Idee zu dieser Stiftungsgründung ging von Prof. Wenning aus, der die Behandlung des Altbischofs Karl Golser leitet und seinen Leidensweg medizinisch betreut. Auch im Sinne von Altbischof Golser sollte man aus seiner dramatischen Krankheitsgeschichte das Positive entnehmen und mittels dieser Stiftung die Forschung und die wissenschaftlichen Kenntnisse fördern, um somit anderen Menschen - so hofft man - in Zukunft helfen zu können. Für den emeritierten Bischof Golser werden etwaige Forschungsergebnisse leider höchstwahrscheinlich zu spät kommen, aber er hat seine Zustimmung und sein Vertrauen zu diesem Projekt unmissverständlich vermittelt.

Ganz gemäß seiner humanen, moralischen und theologischen Werte und außerordentlichen Fähigkeiten hat Altbischof Golser auch in seiner Krankheitsgeschichte Stärke und Zuversicht in ein Jenseits zum Ausdruck gebracht und allen, die ihn begleiten und die ihm versuchen zu helfen, Kraft und Mut vermittelt.

Der Werdegang dieser Stiftungsgründung kann im Rückblick wie folgt skizziert werden:

In Zusammenarbeit mit meiner Mitarbeiterin, der Rechtsanwältin Francesca de Angeli, wurde geprüft und entschieden, welcher der beste Weg für die Gründung eines Promotorenkomitees sei, in das Alt-Dekan Johannes Noisternigg, Frau Dr. Sabina Kasslatter Mur, Frau Dr. Helga von Aufschnaiter, Freiherr Carl Philipp von Hohenbühel, Herr RA Dr. Michael Vescoli und Herr RA Dr. Gerhard Brandstätter bestellt wurden.

Weiters wurde ein wissenschaftlicher Beirat in den Personen von Bischof Ivo Muser, Generalvikar Josef Matzneller und Prof. Dr. Gregor K. Wenning bestellt.

Allen Mitgliedern sei der Dank für ihre konstruktive Mitarbeit ausgesprochen, besonders auch dem Kollegen RA Dr. Michael Vescoli.

Für die Gründung einer Stiftung ist das Mindestkapital mit € 55.000,00 beziffert. In diesem Sinne hat sich das Promotorenkomitee eine Satzung gegeben und die Grundausrichtung der zu gründenden Stiftung bestimmt. Auf verschiedenen Wegen wurde darauffolgend das Gründungskapital eingesammelt.

Es war nicht immer leicht, bei den verschiedenen Institutionen Spenden für eine erst zu gründende Stiftung zu erhalten. Zudem ist die Vorbereitung und Gründung der Stiftung in eine wirtschaftlich gesehen bewegte Zeit gefallen, was die Arbeit des Promotorenkomitees bedeutend schwieriger gemacht hat.

Die Zeitdauer des Promotorenkomitees wurde vorab bis zum 31. November 2013 bestimmt, dann bis zum 30. Juni 2014 verlängert. Nachdem die gesammelten Spenden die Höhe von € 62.000,00 erreicht hatten, wurde entschlossen, sofort zur Gründung zu schreiten und auf das ursprüngliche Ziel von € 70.000,00 zu verzichten. Es wurden die endgültigen Satzungen der Stiftung ausgearbeitet, in denen das Ziel der Stiftung sowie die Funktionsweise ihrer Organe und sämtliche Regelungen des Stiftungslebens definiert wurden. Am 5. März 2015 wurde bei Notar Dr. Crepaz die notarielle Gründung der Stiftung vorgenommen.

Die bestellten Organe der Stiftung sind der Verwaltungsrat und der Wissenschaftliche Beirat, wobei letzterer seine wissenschaftlichen Kenntnisse zugunsten der Stiftung einsetzt, um die Tätigkeit der Stiftung und das Erreichen ihres Zieles zu erleichtern. Nach der notariellen Gründung kann man voraussichtlich auch auf weitere und bessere Unterstützung seitens Dritter hoffen, da jetzt der rechtliche und steuerrechtliche Rahmen der Stiftung klarer nachvollziehbar ist. Momentan läuft zudem das Verfahren zur Anerkennung der Rechtspersönlichkeit der Stiftung.

Die Stiftung ist ein Zeichen von gelebter Solidarität und der Beweis, wenn sich Menschen begegnen und sich auch in kleinen Gemeinschaften vereinen, viel Gutes, Konstruktives und Wertvolles eingeleitet und erreicht werden kann.

Dabei darf man noch unterstreichen, dass gerade hierzulande, in Italien, aber auch in Europa, nicht eine allzu große Tradition bezüglich Stiftungen gelebt worden ist, wie es hingegen in der angelsächsischen Welt der Fall ist, die in diesem Bereich sicher vorbildhaft ist.

Schnelllebigkeit, Konjunkturschwankungen und Wirtschaftskrisen der letzten Jahre, sinkende Geburtenraten in der westlichen Welt und höhere Lebenserwartungen der Menschen haben die Haushalte der Staaten sehr belastet und es wird nicht mehr möglich sein, den Sozialstaat lediglich mit öffentlichen Mitteln zu erhalten. Deshalb wird immer mehr gefragt und notwendig sein, „sich selbst zu helfen“, d.h. dass die Gesellschaft sich wieder mehr an Eigeninitiativen und Selbsthilfen orientiert. In dieser Hinsicht sind die Stiftungen, sei es im Kulturbereich, im sozialen Bereich wie auch in der Wissenschaft, in der Forschung und in gesundheitlichen Belangen von größter Wichtigkeit und können starke Säulen für die Erhaltung und Unterstützung einer sozialen Marktwirtschaft sein.

Auch in diesem Sinne hat die Gründung dieser Stiftung eine wichtige Signalwirkung mit der großen Hoffnung, dass diese auf fruchtbaren Boden fällt und konstruktive und positive Initiativen ins Leben rufen wird.