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Prof. DDr. Gregor K. Wenning   versione testuale

Medizinisch-wissenschaftliche Gründe: Die Bischof Dr. Karl Golser Stiftung

Wir wollen heute die Gründung der „Bischof Dr. Karl Golser Stiftung“ zur Erforschung der atypischen Parkinson-Syndrome gemeinsam feiern. Aufgrund der Alterspyramide ist es in den letzten 20 Jahren zu einer massiven Zunahme der sogenannten degenerativen Hirnerkrankungen gekommen. Dazu zählen vor allem die Alzheimer- und die Parkinson-Krankheit. Die typischen Parkinson-Symptome wie Bewegungsverlangsamung, Muskelsteifigkeit, Zittern und kurzschrittiger Gang sind uns nicht selten aufgrund von Krankheitsfällen in der Familie, im Bekanntenkreis oder bei herausragenden Persönlichkeiten wie Papst Johannes Paul II. klar vor Augen. Glücklicherweise kann zahlreichen Parkinson-Kranken viele Jahre durch eine medikamentöse Dopaminersatz-Therapie geholfen werden. In späteren Phasen der Parkinson-Krankheit stehen auch chirurgische Therapieverfahren wie die Schrittmacherbehandlung zur Verfügung. Insgesamt ist die Parkinson-Krankheit heute 50 Jahre nach Entdeckung der Dopamin Ersatztherapie mit einer normalen Lebenserwartung verknüpft, wenngleich die Lebensqualität mit zunehmender Krankheitsdauer noch häufig eingeschränkt ist, so dass die Suche nach wirksameren Therapien weitergehen muss.

Im Gegensatz zur klassischen Parkinson-Krankheit sind die atypischen Parkinson-Syndrome, die etwa fünf bis zehn Prozent aller Parkinson-Fälle ausmachen, aggressive Hirnerkrankungen, die zu einer raschen Verschlechterung der Beweglichkeit und höheren Hirnleistungen führen und somit auch zu einer deutlich reduzierten Lebenserwartung. Atypische Zusatzsymptome, die bei der klassischen Parkinson-Krankheit nicht auftreten, umfassen zum Beispiel Sprachprobleme oder frühzeitige Stürze. Leider sprechen die Patienten mit atypischen Parkinson-Syndromen nicht auf die Dopamin-Ersatztherapie an. Zudem stehen uns bislang keine Therapien zur Verfügung, die den Verlauf dieser aggressiven Parkinson-Sonderformen aufhalten. In der internationalen Forschungsgemeinschaft haben wir erkannt, dass den atypischen Parkinson-Formen, die in Südtirol etwa 100 Fälle bei einer Gesamtzahl von etwa 2000 Parkinson-Patienten ausmachen, pathologische Eiweißablagerungen in den Bewegungszentren und anderen Schaltorganen des Gehirns zugrundeliegen. Es besteht breiter Konsens, dass sich eine kausale Therapie gegen diese Ablagerungen in den Nervenzellen richten muss. Bischof Karl Golser leidet seit sechs Jahren an einer sogenannten corticobasalen Degeneration, einer besonders schweren Verlaufsform eines atypischen Parkinson-Syndroms. Ein therapeutischer Durchbruch ist nur durch eine intensivere Forschung mit Vernetzung der internationalen Zentren zu erwarten. Während diese Zusammenarbeit bzgl. der Parkinson-Krankheit bereits seit vielen Jahren existiert, hat die nötige Globalisierung der Forschungsaktivitäten bei den atypischen Parkinson-Syndromen gerade erst begonnen. Die EU hat ein eigenes Forschungsprogramm ERANET ins Leben gerufen, um europäische Forschergruppen im Kampf gegen die etwa 7000 seltenen Erkrankungen inklusive der atypischen Parkinson-Syndrome zu unterstützen. Auch Tirol ist führend an diesen Forschungsanstrengungen beteiligt. So gibt es bereits einen seit 20 Jahren von mir geleiteten neurobiologischen Schwerpunkt zu den atypischen Parkinson-Syndromen an der Medizin Universität Innsbruck und daneben ein hochkarätiges Parkinson-Forschungszentrum an der EURAC in Bozen um Prof. Peter Paul Pramstaller. Daneben zeigt die Pharmaindustrie ein zunehmendes Interesse an der Therapie-Entwicklung bei seltenen Hirnerkrankungen.

Bischof Golser selbst konnte noch vor drei Jahren die Gründung der nach ihm benannten Stiftung befürworten, da er die Aktivitäten an (Süd)Tiroler Forschungseinrichtungen wie der EURAC und der Medizin Universität Innsbruck fördern wollte, um schließlich einen therapeutischen Durchbruch zu erzielen. Ich darf an dieser Stelle sagen, dass die Forschungs-Vizerektorin Frau Prof. Bandtlow Kooperationen mit der „Bischof Dr. Karl Golser Stiftung“ sehr befürwortet. Zentrales Ziel der Stiftung ist somit die Förderung der Forschung, um so schnell als möglich einen therapeutischen Durchbruch zu erzielen. Weiters soll über die bislang in der Öffentlichkeit wenig bekannten atypischen Parkinson- Syndrome informiert werden. Zu diesem Zweck wurde mit Hilfe von Martin Pezzei, dem Leiter des Presseamtes der Diözese Bozen-Brixen, mit der Entwicklung einer Homepage (www.bz-bx.net/stiftung) begonnen. In Zusammenarbeit mit der Südtiroler Parkinson-Gesellschaft sollen verstärkt Informations- und Hilfsangebote für Betroffene und deren Angehörige zur Verfügung stehen. Aber es soll nicht nur über die atypischen Parkinson-Syndrome informiert werden, sondern wir wollen auch Überzeugungsarbeit leisten, damit die Gesellschaft diese degenerativen Hirnerkrankungen akzeptiert und lernt damit umzugehen.

Ich möchte mich abschließend bei Bischof Ivo Muser als Ehrenpräsidenten der Stiftung sowie Generalvikar Josef Matzneller bedanken, sie haben das Projekt über die Jahre kontinuierlich und großzügig unterstützt. Ein besonderer Dank gilt auch Frau Landesrätin Martha Stocker, die heute den Landeshauptmann Arno Kompatscher als Schirmherrn der Stiftung vertreten hat.

Die Stiftung wäre nicht ohne den selbstlosen Einsatz des Promotorenkomitees unter der Leitung von Dr. Gerhard Brandstätter zustande gekommen. Ihm und seiner Mitarbeiterin Dr. Francesca de Angeli sowie den anderen Promotoren, vor allem Dr. Michael Vescoli und Dr. Gottfried Ugolini als Teilnehmern des ersten Vorbereitungstreffens im Januar 2012 in Hall, gilt mein aufrichtiger Dank. Danken möchte ich auch den anwesenden Mitgliedern des Stiftungsrates, vor allem Geschäftsführer Mag. Stefan Deflorian, sowie Prof. Hartmann Hinterhuber als Präsident des wissenschaftlichen Beirates.

Last but not least danke ich Präsident Josef Gelmi und Direktor Johann Kronbichler für die Bereitschaft, die Gründungsfeier im schönen Kaisersaal der Hofburg auszurichten.

Ich möchte mit einem Zitat von Bischof Golser schließen: „Wie können Menschen glücklich werden? Die Antwort, die ich gebe: Das Glück entsteht, wenn ich in guten Beziehungen lebe - in Beziehung zu Menschen und zu Gott - dem Schöpfer -, von dem ich mich getragen weiß.“