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Freimaurer   versione testuale

Die moderne Freimaurerei ist aus der alten britischen Werkmaurerei entstanden: Am 24. 6. 1717 gründeten vier Londoner Bauhütten (engl. Lodges) die erste Großloge. 1723 gab sich diese ein Grundgesetz, die heute noch gültigen „Alten Pflichten“.
Nach Deutschland kam die Freimaurerei 1737 durch die Gründung der Loge >Absalom< in Hamburg. Unter dem Nationalsozialismus mussten sich 1935 alle Logen auflösen. Nach 1949 begann wieder die organisierte Freimaurerei in Deutschland und nach der Wiedervereinigung konnten auch im Gebiet der ehemaligen DDR, in welchem die Freimaurerei verboten war, neue Logen gegründet werden.
Weltweit besitzt die Freimaurerei heute über 33.000 Logen mit über 6 Millionen Mitgliedern, davon etwa 14.500 Mitglieder in Deutschland.
Die Riten und Symbole der Freimaurerei (wie Winkelmaß, Zirkel, Hammer, Kelle, Schurz) entstammen großenteils der mittelalterlichen Werkmaurerei. Über Ritual und Symbole wird Schweigen bewahrt, wodurch sich die Freimaurerei mit einem althergebrachten geheimnisvollen Flair umgibt und damit das ‚Erlebnis‘ schützen und ‚Vertrauen‘ stiften will.
Das Wesen der Freimaurerei lässt sich durch die Idee des Bauens (im Gegensatz zum Zerstören) erklären: Alles zu tun, was Leben erhält, fördert und schützt, und alles zu vermeiden, was Leben vernichtet, einschränkt oder verunstaltet.
Das Bekenntnis zu Würde, Freiheit und Selbstbestimmung des Menschen macht die Grundlage der Freimauerei aus. Glaubens-, Gewissens- und Denkfreiheit sind den Freimaurern höchstes Gut. Auf der Basis der von ihr vertretenen Überzeugungen vereint sie Menschen unterschiedlicher weltanschaulicher, religiöser und politischer Überzeugungen und erfüllt so den Auftrag der „Alten Pflichten“, Menschen in brüderlicher Eintracht zu verbinden.
Das Wesen des Freimaurerbundes besteht in der Einheit von leitender Idee, tragender brüderlicher Gemeinschaft und vertiefendem symbolischem Erlebnis. Als Glieder eines ethischen Bundes treten die Freimaurer für Menschlichkeit, Brüderlichkeit, Toleranz, Friedensliebe und soziale Gerechtigkeit ein.
Freimaurerei ist weder Religion noch Kirche. Sie will vielmehr Menschen der verschiedensten Weltanschauungen und religiösen Überzeugungen im Bewusstsein  verbindender Werte auf der Grundlage einer gemeinsamen Symbolsprache zusammenschließen. Die Zugehörigkeit zu einer Konfessionsgemeinschaft hindert die Mitgliedschaft im Freimaurerbund nicht.
Grundlage freimaurerischen Wirkens ist die Loge: Sie ist Zentrum geistiger Arbeit, Stätte der Begegnung und Ort ernster Besinnung.
Von der Katholischen Kirche wurde die 1717 gegründete Freimaurerei bereits 1738 durch Papst Clemens XII. verurteilt. In dieser ablehnenden Haltung verharrte die katholische Kirche in den folgenden 200 Jahren. Laut Kirchenrecht von 1917 zog sich die Exkommunikation zu, wer einer Freimaurergesellschaft angehörte. Das Zweite Vatikanische Konzil hat keine direkten Aussagen über die Freimaurerei gemacht, doch schuf es mit der Erklärung über die Religionsfreiheit eine Basis, auf der man sich mit den Freimaurern einigen konnte. In der Folgezeit kam es dann zu mancherlei Kontakten. So beseitigte die sogenannte „Lichtenauer Erklärung“ von 1970, das Schlussdokument einer Dialogveranstaltung zwischen Freimaurern und Vertretern der katholischen Amtskirche, wo von katholischer Seite Kard. Franz König von Wien den Vorsitz führte, eine Reihe von Missverständnissen, die zwischen der Kirche und den Freimaurern bestanden. Ein vielversprechender Ansatz, allerdings erinnerte eine Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz von 1980 daran, dass in ihrem Gebiet niemand zugleich Katholik und Freimaurer sein könne, weil eine Zugehörigkeit zur Freimaurerei die Grundlagen christlicher Existenz in Frage stelle. Die Freimaurer haben diese Entscheidung mit Bedauern zur Kenntnis genommen.
Einen gewissen Fortschritt erbrachte das revidierte Kirchenrecht von 1983, wo die Freimaurer nicht mehr erwähnt werden und folglich der Kirchenbann von 1917 aufgehoben wird. Allerdings behält das von der Deutschen Bischofskonferenz für Katholiken ausgesprochene Verbot einer Mitgliedschaft in der Freimaurerei seine Gültigkeit. Dieses Verbot wurde 1983 durch die römische Glaubenskongregation nicht nur bestätigt, sondern auf die ganze Welt ausgedehnt, indem sie feststellte, „das negative Urteil der Kirche über die freimaurerischen Vereinigungen bleibt … unverändert, weil ihre Prinzipien immer als unvereinbar mit der Lehre der Kirche betrachtet wurden.“ Die Katholiken, die freimaurerischen Vereinigungen beitreten oder bereits angehören, befinden sich demnach im Stand der schweren Sünde und können nicht die heilige Kommunion empfangen!
Zur Erklärung der Glaubenskongregation von 1983 wurden verschiedene kirchenrechtliche Gutachten eingeholt, die zu kontroversen Ergebnissen führten.
Bei allen gegenwärtig noch bestehenden Entfremdungen zwischen der Freimaurerei und der Katholischen Kirche sollte wohl für Katholiken auf der Basis der Erklärung des 2. Vatikanischen Konzils über die Religionsfreiheit eine konstruktive Toleranz  in einer pluralistischen Gesellschaft erstrebenswert sein!