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Fundamentalismus   versione testuale

Fundamentalismus ist eine Überzeugung oder soziale Bewegung, die ihre Interpretation einer inhaltlichen Grundlage als einzig wahr annimmt. Er stellt sich gegen die Moderne und fordert Rückbesinnung auf die Wurzeln einer bestimmten Religion oder Ideologie, welche notfalls mit radikalen und mitunter intoleranten Mitteln durchgesetzt werden soll.
Der Fundamentalismus setzt der modernistischen Zukunftsvision materiellen Fortschritts und zunehmenden Wohlstandes eine heilsgeschichtliche Vision spirituellen und moralischen Verfalls entgegen, welche nicht nur die kulturellen Deutungsmuster formt, sondern zugleich eine abweichende Einstellung zum Leben und zur Welt prägt.
Dem anthropozentrischen Geschichtsbild zunehmender Verwirklichung von Modernität, Wirtschaftswachstum und menschlicher Autonomie wird ein theozentrisches Weltbild entgegengestellt, aus dessen heilsgeschichtlicher Sicht Geschichte als Degeneration, als Abfall von ewig gültigen Ordnungsprinzipien erscheint. Fundamentalisten sehen in der Gegenwartsentwicklung dunkle Bedrohungen bis hin zu apokalyptischen Visionen.
Fundamentalismus versteht sich in der Regel als Reaktion auf eine Aufweichung von Überzeugungen, die „am Anfang“ des jeweiligen Glaubens standen. Die Anpassung an aktuelle Lebensumstände oder den ethischen Kompromiss erscheinen in einem fundamentalistischen Weltbild als problematisch bis gefährlich. Diese Anpassungen versteht der Fundamentalismus als Verrat an dem Gründungsverständnis des Glaubens oder der Ideologie. So kann der Fundamentalismus als teilweise oder ganze Ablehnung der Moderne mit ihrer Globalisierung und Kommerzialisierung wichtiger Lebensbereiche, ihrem Werterelativismus, Individualismus und Rationalismus verstanden werden.