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Fastenaktion 2020

 

Gott wird euch das Saatgut geben und die Saat aufgehen lassen,
er wird die Früchte eurer Gerechtigkeit wachsen lassen

(2 Kor 9,10)

 

Liebe Mitbrüder in der Seelsorge,

liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Pfarreien,

„Gott wird euch das Saatgut geben und die Saat aufgehen lassen, er wird die Früchte eurer Gerechtigkeit wachsen lassen“: Dieser Satz aus dem Paulusbrief an seine Gemeinde in Korinth ist auch der Leitsatz für unsere Fastenaktion 2020. Er richtet unseren Blick auf Afrika und dort auf kleinbäuerliche Familien und Kleingruppen, die gemeinsam einen dauerhaften Weg aus Armut, Hunger und Not suchen. Missio unterstützt sie in ihrem Mut, neue Methoden in Landwirtschaft und Viehhaltung auszuprobieren. Althergebrachtes Wissen weiter zu entwickeln und zu verbessern. „Es gibt Armut und viele andere Probleme in Afrika, aber“ und so bringt es unser Projektpartner, der Combonibruder Damiano Mascalzoni auf den Punkt: „die Afrikaner sind erfinderisch und wollen auch in der Landwirtschaft neue Wege gehen, sich weiterentwickeln und von den Früchten ihrer Arbeit leben.“

„Living together – Panamat“ „Zusammen leben und gemeinsam etwas aufbauen“, nennt     Br. Damiano sein Projekt. Begonnen hat alles in Mapourdit im Zentrum des noch jungen Staates Süd Sudan, wo es immer noch viele Leprakranke gibt. Diese werden meist von der Gesellschaft ausgeschlossen, aber in Mapourdit, und das verdanken sie den Combonimissionaren, leben sie, nachdem sie medizinisch behandelt worden sind, wieder mit ihren Familien zusammen. Br. Damiano kümmert sich zusammen mit seinen Mitbrüdern, um das Wohlergehen der Kranken und dann vor allem um deren Kinder. Damit diese von den Schulen nicht ausgeschlossen werden, haben die Missionare Kindergärten und Vorschulen errichtet. Hier gibt es ein warmes Essen, gibt es Menschen, die sich um sie kümmern und ihnen, die vorher von der Gesellschaft ausgeschlossen waren, den Weg in die Dorfgemeinschaft bereiten. Auch lernen die Kleinen all das, was sie nachher in der Dorfschule brauchen.

Mit Geldern aus der Fastenaktion unterstützt Missio schon seit einigen Jahren dieses Lepraprojekt. Br. Damiano hat das Projekt Panamat auch in den Süden des Landes gebracht. In der Nähe von Juba – der Hauptstadt des Süd Sudan – entstand ein Agrarprojekt, das zukunftsweisend ist. Studenten, die an der Universität oder an Fachoberschulen studieren, leben hier zusammen, betreiben eine kleine Landwirtschaft, und verdienen sich damit ihren Lebensunterhalt. Damiano hilft ihnen, die Studiengebühren zu bezahlen, allerdings nur, wenn sie sich aktiv an den Arbeitsprogrammen beteiligen. So müssen sie neben dem Studium, Obst, Gemüse und Getreide anbauen, die Gärten und Felder pflegen, ernten und dann die Ware auf dem Markt verkaufen. Auch liegt Br. Damiano das geistliche Leben sehr am Herzen. Mehrmals in der Woche treffen sich die Studenten zum Beten, Bibel teilen und zum Gottesdienst.

Die erste „Frucht“ aus diesem Panamat-Projekt ist Lino aus Talì im Süd Sudan. Er konnte als einer der ersten aus seinem Dorf, Landwirtschaft studieren, kehrte dann in sein Heimatdorf zurück und leitet dort ein neues „Panamat Projekt“. Auch hier arbeiten Jugendliche in einem Landwirtschaftsprojekt, das ihnen neben einer besseren Ernährung die Möglichkeit gibt, selber eine Schule zu besuchen und mit dem Erlös auch noch weitere Schulen zu errichten, damit auch andere Kinder zur Schule gehen können, nach dem Prinzip von Panamat: was wir erarbeiten, muss geteilt werden.

Ich bitte Sie, liebe Seelsorger und Mitarbeiter/innen in den Pfarreien, die Fastenaktion auch heuer wieder mitzutragen. Nur mit Eurer Hilfe können unsere Missionare und Missionsschwestern auch weiterhin die Not der Menschen in der weiten Welt lindern und so die Liebe Gottes unter den ihnen anvertrauten Menschen spürbar und erfahrbar machen.

Liebe Seelsorger, liebe Mitarbeiter/innen in den Pfarreien, danke, dass Ihr diese Anliegen mit hineinnehmt in die Fastenzeit, in Euer Gebet, in die Gottesdienste und in Eure pastorale Arbeit. Ein herzliches Vergelt’s Gott sage ich Euch auch im Namen der vielen Menschen, die durch Eure konkrete Hilfe, ein Leben in Würde führen können.

Eine gesegnete Fastenzeit wünscht Euch

Wolfgang Penn

Leiter von Missio Bozen-Brixen

Impulse zur Fastenzeit

von Missio-Mitarbeiter P. Junmar Maestrado

Versuchung widerstehen heißt, Widerstehen und Bestehen im Glauben. Der Gottessohn, der wahre Mensch und wahre Gott Jesus Christus, wurde vom Teufel in der Wüste versucht. Es ist eine der eindrücklichsten Schilderungen des Neuen Testaments, meisterhaft in Szene gesetzt. Das Durchhalten von vierzig Tagen Fasten und das Überwinden des Satans erweisen seine Göttlichkeit. Wir Christinnen und Christen, die auf dem Weg des Lebens sind, durchschreiten auch tiefe, dunkle Täler in unserem Leben. Wir werden auch täglich versucht. Aber wer ein klares, lauteres Ziel vor Augen und inneren Halt hat, wird diese Versuchung erfolgreich bekämpfen. Für uns Christen ist Halt beispielsweise in der Gemeinschaft und im Wort Gottes zu finden.

Durch Versuchung zu einem erfolgreichen Leben kommen – was uns Jesus Christus vorlebt, ist auch für uns möglich.Möge es uns allen als erstrebens- und nachahmenswert erscheinen. Unser Wille und unsere eigenen Kräfte sind sehr begrenzt. Die benötigten Kräfte erwachsen aus der Verbundenheit mit der Kraftquelle unseres Lebens: Gott, der sich uns in seinem Wort durch seinen Geist schenkt.

Diskretion umschreibt die Fähigkeit und Fertigkeit, Vertraulichkeit und Geheimhaltung beispielweise von Wort und Schrift zu wahren. Diskretion und Verschwiegenheit gelten dabei hier als positiv besetzte Verhaltensweisen und Charaktereigenschaften.

Diskretion ist für Jesus eine Ehrensache. Er will die Sachen nicht verheimlichen, aber er will nur eine gewisse Menge der Diskretion von seinen Jüngern. Die Jünger dürfen schon was erzählen, aber nicht das Ganze verplappern, was sie erfahren haben. So konnten die drei Jünger Jesu nicht alles erzählen, was sie erlebt haben. Mit Jesus allein gehen sie nach Jerusalem.

Am Schluss heißt es „die Jünger schwiegen jedoch über das, was sie gesehen hatten, und erzählten in jenen Tagen niemand davon“. Was auch hätten sie erzählen können? Irgendwie haben sie erlebt, dass in Jesus Gottes Herrlichkeit aufscheint.

Jesus spricht auch von der richtigen Zeit, dass einmal alles offenbar werden wird, was wir Menschen voreinander verbergen oder noch nicht weitererzählen können: „Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird.“ (Mt 10,26) Er spricht hier den gewöhnlichen Lauf der Dinge an: Vieles von dem, was momentan noch unbekannt und verborgen ist, kann morgen oder übermorgen schon allen vertraut sein.

Haben wir den Mut, Grenzen zu überschreiten? Schaffen wir es, unsere Freunde oder Feinde, Menschen aus unterschiedlichen Welten, Kulturen und Religionen, mit denen wir im Alltag zu tun haben, mit Gottes Liebe bekanntzumachen?

Was bei der samaritischen Frau zählt, ist die religiöse Ordnung, die Tradition, nicht der riskante Mut, mit dem Jesus die Grenzen überschreitet. Jesus weiß, dass Gott sich nur dann freut, wenn die Grenzzäune fallen und die Gräben nicht mehr trennen. Was Barmherzigkeit konkret bedeutet, das sagt uns eigentlich unser Herz. Dabei brauchen wir immer wieder den Mut, die Komfortzone zu verlassen, um die Grenzen zu überschreiten und den Schritt in ein neues Land zu wagen, wobei wir auch manchmal mit uns selbst barmherzig sein müssen. Jesus hat nicht alle Tage mit Zöllnern und Sündern oder mit einer samaritischen Frau zu tun. Wir sind gerufen, zu lernen, was das heute in unserer Zeit heißt: (Hosea 6,6) Ich habe Wohlgefallen an der Barmherzigkeit und nicht am Opfer. Es braucht Mut, Grenzen zu setzen. Und es braucht mehr Mut, immer wieder auch Grenzen zu überschreiten. Gott schenke uns diesen Mut!  

Es gibt die alte Volksweisheit: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht. Ob diese Skepsis dem Menschen immer gerecht wird, oder ob es auch Situationen für sogenannte Notlügen gibt, bleibt unserer Phantasie überlassen. Aber existiert auch die Umdrehung dieser Volkswahrheit, nämlich, dass demjenigen, der die Wahrheit spricht, oft kein Vertrauen und Glauben geschenkt werden? Die Welt kennt solche Geschichten. Jesus hat sogar selbst erfahren, dass ihm von seinen eigenen Landsleuten nicht geglaubt wurde. Er, der nur die Wahrheit sagte, wurde als Ausgestoßener behandelt. Anhand solcher Erfahrungen merken wir: Es gibt verschiedene Arten von Wahrheit. Es gibt die Wahrheit des Faktischen, der Tatsachen. Und es gibt die Wahrheit des Lebens, die Wahrheit hinter den Fakten, Tatsachen und Dingen. Diese Wahrheit liegt im Verborgenen und muss ans Licht kommen, damit wir plötzlich sehen, was wir bisher nicht gesehen haben. Das ist die Wahrheit. Das ist das Leben. Wer die Wahrheit ausspricht, der wird von den anderen gescholten, verschmäht oder gar für verrückt erklärt.  Christus sagt uns, wer wir in Wahrheit sind, indem er uns sagt, wer wir für ihn sind. Das ist die Mitte und der Ausgangspunkt. Daraus ergibt sich alles andere.

STATISTIK: Fastenaktion 2019

Im vergangenen Jahr konnten bei der Fastenaktion 344.440,87 Euro gesammelt und ausgegeben werden. Damit wurden 39 Projekte finanziert. 23 (59%) soziale Projekte: Bau eines Behindertenheimes in Indien, Medikamente für Krankenhäuser und Hilfe für die Flüchtlinge in Kamerun, Tiefbrunnenbohrungen und landwirtschaftliche Projekte; 7 (18%) Bildungsprojekte: Studienbeihilfen für Studenten und Kinder und Frauenausbildung; 9 (23%) pastorale Projekte: Restaurierungen von Kapellen, Hilfen für den Unterhalt von Ordensschwestern und Priestern und Bau eines Pastoralzentrums. 23 Projekte (59%) wurden in Afrika verwirklicht, 5 Projekte (13 %) in Amerika, 6 (15%) in Asien und 5 (13%) in Europa.