Liebe Schwestern und Brüder,
Cari sorelle e fratelli,
es ist ein besonderer Gottesdienst, den wir heute hier zusammen mit Betroffenen sexuellen Missbrauchs im Verantwortungsbereich der Kirche von Bozen-Brixen feiern. Wir tun dies nicht irgendwo und nicht irgendwann.
Wir tun es bewusst hier im Bozner Dom, der Konkathedrale unserer Diözese. Es soll damit zum Ausdruck kommen, dass wir alles uns Mögliche versuchen wollen, Betroffenen von Missbrauch und deren Anliegen die Aufmerksamkeit entgegenzubringen, die ihnen zusteht und die ihnen oft vorenthalten, wenn nicht sogar verweigert wurde.
Wir feiern diesen Gottesdienst in der Fastenzeit, jener Zeit, die seit jeher die Zeit des Bekenntnisses von Schuld und Versagen ist, von Reue, Umkehr, Buße und Sühne. In dieser Zeit gedenken wir auch in besonderer Weise des Leidens Christi und all jener Menschen, die Unrecht erlitten und erleiden, nicht zuletzt im Raum der Kirche. Die Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden, aber auch einzelne Verantwortungsträger, mich persönlich eingeschlossen, sind ihrer Aufgabe nicht gerecht geworden, Menschen vor Missbrauch zu schützen.
Ich habe lange überlegt, ob wir diesen Gottesdienst heute feiern können, weil ich mich immer wieder gefragt habe, werde ich, werden wir als Gemeinschaft der Kirche, jetzt unserer Aufgabe gerecht? Ich versuche es nach allen Kräften, hole mir Unterstützung, lasse mich beraten und doch weiß ich auch, dass nicht alles gelingt, dass noch vieles zu tun, noch einiges aufzuarbeiten und manches zu verändern ist. Wirkt vor diesem Hintergrund ein solcher Gottesdienst wie heute dann nicht wie eine schlechte Beruhigungspille, die mit frommen Worten von den eigentlichen Problemen nur ablenkt und die Schwierigkeiten, die teilweise nach wie vor bestehen, einfach nur zudeckt?
Das will ich auf keinen Fall. Als gläubiger Mensch möchte ich wie alle anderen gläubigen Menschen mit dem Glauben nicht vor der Realität weglaufen, sondern mit seiner Hilfe besser, offener, ehrlicher, mutiger, differenzierter mit der Realität umgehen. Der Glaube nimmt nichts von meiner und unserer Verantwortung weg, er verdeutlicht nur umso mehr: die Verantwortung für Aufklärung, Aufarbeitung, Gerechtigkeit, Wiedergutmachung, und so weit als möglich Heilung.
La liturgia di oggi, per quanto riguarda la tematica degli abusi nella nostra diocesi e nella nostra Chiesa, non eliminerà tutti i problemi, non risolverà tutte le tensioni, non chiarirà tutte le ambiguità, non dissolverà nel nulla tutto il dolore e tutta la rabbia. Non basta questa celebrazione. Tuttavia, essa vuole sottolineare pubblicamente e in modo vincolante, al cospetto di Dio, che il cambiamento è in atto, che stanno prendendo avvio sviluppi duraturi nell'interesse delle persone colpite e che, nonostante qualche battuta d'arresto, tali processi non potranno più essere fermati.
Meditation des Bischofs ( zu Mt 26,36ff und 26,69ff)
Mich beschäftigt an vielen, an sehr vielen Tagen der Gedanke, dass mich nicht viel von Petrus unterscheidet, der im Garten Getsemani einen Teil des Leidens Jesu einfach verschlafen und im Hof des Hauses des Hohenpriesters Jesus dreimal verraten hat. Das Leiden der Missbrauchsopfer im Verantwortungsbereich der Kirche sind die Leiden Jesu, der auf ihrer Seite steht. Wir aber, auch als Diözese, haben oft nicht auf dieser Seite gestanden. Auch ich habe das Leid von Missbrauchsbetroffenen nicht immer richtig eingeschätzt, und habe nicht das richtige Verhältnis zwischen der Sorge um die Betroffenen und der Sorge um die Missbrauchstäter gefunden, manches bin ich zu zögerlich, zu langsam angegangen. Betroffene haben sich dadurch vernachlässigt und von der Kirche verraten gefühlt. Das tut mir aufrichtig leid und dafür bitte ich um Vergebung.
La fiducia persa non si può semplicemente ripristinare. Non la si può né prescrivere né comprare, né imporre né implorare. Bisogna guadagnarsela e deve poter crescere. Quando Pietro si rese conto del suo fallimento, la Scrittura dice che uscì e pianse amaramente. Ma non si limitò a piangere, si mise in azione. Fece ciò che Gesù gli aveva affidato. Annunciò la buona novella, andò incontro alla gente, affrontò le loro domande, le loro critiche e le loro necessità. Nonostante le sue debolezze, poté comunque dare un contributo importante affinché la fede, la speranza e l'amore di Gesù potessero essere trasmessi.
Das macht mir Mut, trotz meiner Schwächen, meiner Berufung als Priester und Bischof entsprechen zu können und allen in unserer Diözese Mut zu machen, weiter an sich und an Veränderungen zu arbeiten.
Petrus konnte seinen Dienst und seine Sendung nur in Gemeinschaft mit den anderen Jüngern, Freunden und Unterstützern Jesu erfüllen. Ich kann das Meinige nur in Gemeinschaft mit dem gesamten Volk Gottes hier in der Diözese Bozen-Brixen erfüllen. Wir brauchen einander! Ich danke für die bisherige Weggemeinschaft. Besonders danke ich den Betroffenen und jenen, die sie unterstützt haben und unterstützen. Ich spreche ihnen meinen Respekt, meine Nähe und meine aufrichtige Anerkennung aus. Ohne ihre direkte Kritik in Person und Sache, ohne ihre Hartnäckigkeit, ohne ihre Bereitschaft, ihre Wunden zu zeigen, wäre in den letzten Jahren weit weniger geschehen, um Missbrauch aufzuarbeiten. Ihr Schmerz und ihre Größe müssen mich und uns alle demütig machen und uns auch beschämen. Ich werde alles mir Mögliche versuchen, dass wir als Gemeinschaft unserer Diözese dem gerecht werden. So wahr mir Gott helfe.
Il loro dolore e la loro grandezza devono suscitare in me e in tutti noi un senso di profonda umiltà e di vergogna. Farò tutto il possibile affinché noi come comunità della Diocesi siamo all'altezza di questo compito. Che il Signore mi aiuti.
