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Advent 2021: Predigtimpulse zur Aktion "Gott ist nahe - gemeinsam Advent und Weihnachten feiern"

Füreinander aufmerksam, denn Gott ist nahe.

Predigtimpuls 2021 zur Aktion "Gott ist nahe"

Schwestern und Brüder! Der Herr lasse euch wachsen und reich werden in der Liebe zueinander und zu allen, wie auch wir euch lieben, damit eure Herzen gestärkt werden und ihr ohne Tadel seid, geheiligt vor Gott, unserem Vater, bei der Ankunft Jesu, unseres Herrn, mit allen seinen Heiligen. Amen.
(1 Thess 3,12-13 = Abschnitt aus der 2. Lesung 1 Thess 3,12 – 4,2)

Botschaft (Was ich vom Wort Gottes her heute sagen möchte)

Wir leben nur einmal. Darum sollen wir achtsam sein und es nicht verschwenden. Das Leben gelingt, wo wir füreinander aufmerksam sind. Denn in der Liebe wohnt Gott.

Problematisierung (Fragen und Problemkreise, auf welche die Botschaft antwortet)

  • Die Gerichtstexte des neuen Testamentes klingen oft wie eine Drohbotschaft. Müssen wir vor Gott Angst haben?
  • Ist die Hoffnung auf den Messias nicht ein Vertrösten auf eine Erlösung, die uns von den Problemen der Welt ablenkt?
  • Steckt in den Gerichtstexten die Versuchung, die Welt in „gut“ und „böse“ einzuteilen?

Kontexte (Wo wird die Botschaft relevant?)

  • Die apokalyptischen Szenen des Evangeliums sind in der Zeit der Bibel für viele Menschen bittere Wirklichkeit. Auch heute ist der Alltag für viele Menschen von Not, Sorgen und Ängsten geprägt. Ihnen sagt das Evangelium: Gott ist nahe. Habt keine Angst. Wir können zu ihm gehören, wenn wir in seiner Liebe bleiben.
  • Auch wir heute kennen apokalyptische Zukunftsszenarien: der Klimawandel und das Artensterben sind eine reale, epochale Bedrohung für die Menschheit, die enormes Potential an Zerstörung und Leid mit sich bringen. So sagt das Evangelium auch uns heute: verzagt nicht, erhebt das Haupt, bemüht euch das Gute zu tun. Lasst euch nicht ein auf die Mentalität der Zerstörung und des Egoismus. Vertraut auf Gott und tut das Gute.

Die konsumistische Gesellschaft bombardiert uns mit einer Vielzahl von Botschaften und möchte tausend Wünsche in uns wecken. In dieser Vielzahl der Reize und Begierden riskieren wir den Sinn für das Wesentliche zu verlieren. Wesentlich ist die achtsame Beziehung zu den Menschen an meiner Seite. Wenn wir füreinander aufmerksam sind, können wir die Nähe Gottes erfahren und zum Heil seiner Schöpfung beitragen. Diese Achtsamkeit passiert nicht einfach von selbst. Sie muss gepflegt werden und braucht Übung.

Reinhard Demetz

Geht anders, denn Gott ist nahe.

Predigtimpuls 2021 zur Aktion "Gott ist nahe"

Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen! Jede Schlucht soll aufgefüllt und jeder Berg und Hügel abgetragen werden. Was krumm ist, soll gerade, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden. Und alle Menschen werden das Heil Gottes schauen.
(Lk 3,4-6 = Abschnitt aus dem Evangelium Lk 3,1-6)

Botschaft (Was ich vom Wort Gottes her heute sagen möchte)

Wege entstehen, indem man sie geht. Wir können den Weg des Herrn bereiten, indem wir jetzt schon seine Wege gehen: die geraden Wege der Gerechtigkeit, die aufrechten Wege der Wahrheit, die leichten Wege der Bescheidenheit, die großzügigen Wege der Vergebung und Barmherzigkeit. Christen sollte man an ihrem Gang erkennen: sie gehen anders, irgendwie leichter.

Problematisierung (Fragen und Problemkreise, auf welche die Botschaft antwortet)

  • Die Umkehrbotschaft des Rufers in der Wüste kann zu einer „Leistungsgerechtigkeit“ führen: Gott wartet mit seinem Kommen, bis wir seine Bedingungen erfüllt haben. Dies führt in eine religiöse Leistungsspirale: was muss ich alles leisten, damit ich für Gott gut genug bin?
  • Johannes predigt die Umkehr: wie leicht ist es aber, die Umkehr der anderen zu predigen, wie schwierig ist es aber, selbst umzukehren. Ist das menschlich zu schaffen? Bleibt nicht immer ein unversöhnter Rest in mir, ein erlösungsresistenter Keim? Wie kann ich so vor Gott treten?

Kontexte (Wo wird die Botschaft relevant?)

  • Leistung ist einer der Kernbegriffe unserer Welt. Im Beruf, in der Schule, in der Freizeit. Die sozialen Medien sind ein Spiegel dafür: ich poste das optimierte Schaukastenbild meiner selbst in der Hoffnung auf Bestätigung und Zuspruch durch Likes und shares. Wer nicht leistet ist nicht. Eine unerfüllte Sehnsucht ist das, was bleibt. Die Fülle des Lebens können wir uns selbst nicht geben. Denn alles, was wir tun ist unvollkommen und klein. Johannes hat eine Freudenbotschaft für uns: Gott selbst wird kommen und uns die Fülle bringen, die wir uns selbst nicht geben können. Wir dürfen ihm einen „Landeplatz“ bereiten, indem wir uns bemühen, unseren kleinen Teil am Guten beizutragen. Die Fülle aber ist Geschenk und nicht Verdienst.

Viele Menschen bleiben der Kirche fern. Manchmal ist es einfach Desinteresse. Oft aber stoßen sie sich am hohen moralischen Anspruch, den wir hier vertreten, und fürchten, dem nicht gerecht werden zu können. Oder sie stoßen sich am Missverhältnis zwischen dem, was wir predigen und der Art, wie wir selbst leben. Alle Bibeltexte des zweiten Adventsonntages stellen nicht die Moral, sondern die Frohbotschaft der Erlösung in die Mitte. Durch unsere Versuche, gut zu leben, werden wir nicht bessere Menschen, sondern geben Zeugnis von Gott, der kommen wird. So kann unsere moralische Gangart leicht und unverkrampft sein, ohne Ecken und Kanten, weil sie aus der Vorfreude der Erlösung kommt.

Reinhard Demetz

Freut euch, denn Gott ist nahe.

Predigtimpuls 2021 zur Aktion "Gott ist nahe"

Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel! Freu dich und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem! Der Herr, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held, der Rettung bringt. Er freut sich und jubelt über dich, er schweigt in seiner Liebe, er jubelt über dich und frohlockt, wie man frohlockt an einem Festtag.
(Zef 3,14.17 = Abschnitt aus der 1. Lesung Zef 3, 14–17 (14–18a)

Botschaft (Was ich vom Wort Gottes her heute sagen möchte)

Freude ist mehr als Spaß oder „a Hetz“. Freude ist auch mehr als ein Gefühl: sie ist die dankbare und befreite Gewissheit, dass mein Leben von Gott getragen und umfangen ist. Diese Freude verändert unser Leben, macht uns zu anderen Menschen. Sie macht es uns leicht, das Gute zu tun.

Problematisierung (Fragen und Problemkreise, auf welche die Botschaft antwortet)

  •  Nach den Freudentexten der beiden Lesungen und des Psalms kommt heute im Evangelium noch einmal ein Gerichtswort des Täufers, vom „nie erlöschenden Feuer“. Wie passt das zusammen? 
  • Vorfreude geht oft mit Enttäuschung einher. Wer hohe Erwartungen hat, fällt oft nachher umso tiefer. Vielen geht es an Weihnachten so. Wir laden das Fest über allen Maßen auf mit Erwartungen, die das Leben nicht einlösen kann. Für viele wird Weihnachten darum umso mehr zu einem Moment der Krise und Verzweiflung.

Kontexte (Wo wird die Botschaft relevant?)

  • Es gibt viele Situationen, die uns die Freude am Leben nehmen. Vier davon sind im Evangelium genannt. Wenn Menschen keine Kleidung haben und frieren müssen. Wenn Menschen hungern, während andere Überfluss haben. Wenn Menschen ihre wirtschaftliche Machtposition zum Schaden anderer nutzen. Wenn Gewalt und Unterdrückung herrschen. Wir können an weitere ähnliche Situationen denken. Wenn wir die Gerichtsbotschaft des Johannes aus der Perspektive der Armen und Unterdrückten lesen, ist sie eine Hoffnungs- und Freudenbotschaft. Die Freude darüber, dass Unrecht und Unterdrückung ein Ende haben werden und dass ein Leben in Frieden und Gerechtigkeit kommen wird.
  • Freude hat mit Dankbarkeit zu tun. Wenn ich mich über den Besuch eines lieben Menschen freue, dann räume ich meine Wohnung auf, backe einen Kuchen, stelle Blumen auf den Tisch, mache mich fein. Ich mache das nicht, weil ich mir die Freundschaft erst verdienen muss, sondern weil ich die Freude auf den Besuch des lieben Menschen zum Ausdruck bringen möchte. Weil ich dankbar bin, dass er oder sie zu mir kommt. Auch im Glauben ist es so: in der Mitte steht nicht das Gebot oder die Pflicht, sondern die Freude und die Dankbarkeit.
  • Es gibt die kleinen Freuden und die große Freude. Oft machen wir den Fehler die beiden zu verwechseln. Die kleinen Freuden sind all die vergänglichen und unvollkommenen Situationen unseres Lebens. Die große Freude ist das Wissen um die Erlösung und Geborgenheit in Gott. Gerade zu Weihnachten verwechseln wir gern das eine mit dem anderen. Wir versuchen, die Sehnsucht nach der großen Freude mit den kleinen zu erfüllen. Wir enden in einem nimmersatten Kreislauf des Konsums und der Enttäuschung. Die große Freude sollte im Mittelpunkt stehen. Dass Gott diese Freude ist, schließt auch die Gewissheit ein, dass nichts anderes dieser Fülle auch nur nahe kommen kann. Die kleinen Freuden kann ich dann als Dankbares Zeichen, als Sakrament der großen Freude annehmen und feiern. Sie sind dann die Art und Weise wie ich die Vorfreude am Besuch Gottes in meiner Welt zum Ausdruck bringe. Nicht mehr – aber auch nicht weniger!

Reinhard Demetz

Nichts ist zu klein, denn Gott ist nahe.

Predigtimpuls 2021 zur Aktion "Gott ist nahe"

Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
(Lk 1,41-45 = Abschnitt aus dem Evangelium Lk 1,39-45)

Botschaft (Was ich vom Wort Gottes her heute sagen möchte)

Für Gott ist nichts zu klein. Im Gegenteil: wer Gott sehen möchte, muss auf die Kleinen, die Unscheinbaren, die Ausgestoßenen, die Randfiguren der Gesellschaft schauen. Gott fordert uns heraus, unsere Träume und Vorstellungen von Größe zu hinterfragen.

Problematisierung (Fragen und Problemkreise, auf welche die Botschaft antwortet)

  • Die Erzählung des Besuchs von Maria bei ihrer Cousine Elisabeth verführt uns zu einem vorschnellen, verklärenden Blick. Wir haben hier zwei Grenzsituationen der Mutterschaft vor uns. Maria, vor der Ehe schon schwanger, Elisabeth, die eigentliche Zeit der Fruchtbarkeit schon überschritten. Maria und Elisabeth sind zwei Figuren am Rand, nicht aus der Mitte.
  • Gott im Kleinen finden: diese Gedankenlinie birgt auch ein paar Fallstricke. Sind die Großen, Starken, Mächtigen per so schon von Gottes Barmherzigkeit und Zuwendung ausgeschlossen? Wir hier das Ressentiment der Schwachen gegen die Starken genährt? Kann ich mich allein schon deshalb überlegen fühlen, weil ich klein und schwach bin?

Kontexte (Wo wird die Botschaft relevant?)

  • Wer bin ich, dass die Mutter des Herrn zu mir kommt? Elisabeth spricht ein Thema an, das viele von uns kennen. Ich kenne die Abgründe meiner Seele, meine Schwächen und Fehler. Kann Gott so mit mir was anfangen? Kann ich so unter seine Augen treten? Das Magnifikat bietet eine schöne Antwort an: „auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut“. Gott kommt im Kleinen und er kommt für die Kleinen. Dass es in mir viel Kleines und Kleinliches gibt, ist kein Hindernis für ihm, im Gegenteil: genau zu mir und genau für mich, so wie ich bin möchte Gott kommen, in mir Fleisch und Blut annehmen.
  • Gott der Allmächtige, der Schöpfer des Himmels und der Erde, der Vollkommene, der Erhabene. All dies sind richtige und wichtige Bezeichnungen Gottes, die viel Wahres über ihn aussagen. Seine wahre Größe zeigt sich allerdings darin, wie er sich in all seiner Größe hinabbeugt und sich im Kleinen finden lässt. Gott ist uns in den kleinen Dingen, vor allem in den kleinen Menschen nahe. Er möchte, dass wir es leicht haben, ihn zu finden, ihm zu begegnen. Er fängt klein an, damit wir etwas mit ihm anfangen können.

Gott im Kleinen – was bedeutet das für die Großen? Eine der Kernaussagen der Bibel ist das Heiligkeitsgesetz: seid heilig, denn ich, der Herr, euer Gott, bin heilig. (Lv 19,2) Übersetzt zu unserer Frage: wendet euch den Kleinen zu, wie ich euer Gott mich den Kleinen zuwende. Den Kleinen, Armen, Schwachen ist die Nähe Gottes zugesagt – das ist die Frohbotschaft, aber nicht die Moral! Wenn ich heilig sein will, wie Gott, dann wende ich mich den Armen, Schwachen, den Kleinen zu und bin für sie da – das ist die Moral! Hier gibt es keinen Unterschied von Arm oder Reich. Gott fordert uns alle heraus, den dankbaren Blick nach oben, zu ihm, zu wenden und den gütigen, helfenden Blick nach unten, zu den Kleinen zu wenden. Dann können wir ihn finden, dann wird Weihnachten.

Reinhard Demetz