Zum Hauptinhalt springen

Referat für Arbeit und soziale Gerechtigkeit

Das Referat fördert im Sinne der kirchlichen Soziallehre eine Kultur des Gemeinwohls. Dies geschieht, indem ein besonderes Augenmerk auf die Probleme der Arbeit und der sozialen Gerechtigkeit gelegt wird und man für Frieden und Bewahrung der Schöpfung eintritt. Das Referat arbeitet dabei eng mit dem ökumenischen und interreligiösen Institut „De Pace Fidei“ zusammen.

Vorrangige Aufgabe des Referats ist neben der Information und der Bewusstseinsbildung auch der Kontakt zu Pfarreien / Seelsorgeeinheiten, um ihnen eine konkrete Unterstützung in diesen Bereichen zu bieten.

Ein besonderes Anliegen vom Referat ist die Netzwerkbildung mit Einrichtungen, die sich um soziale Gerechtigkeit bemühen, sowie mit Organisationen im In- und Ausland, die sich um eine nachhaltige Schöpfungsverantwortung stark machen.

Referent

Johann Kiem
 Domplatz 2
 39100 Bozen
 Tel.: 0473 943119
 E-Mail: johann.kiem(at)bz-bx.net

Die Arbeit nimmt im Leben der meisten Menschen einen außerordentlich großen Raum ein. Die Arbeit ist mehr als bloße Existenzsicherung, sie stiftet Sinn, ist Mittel und Voraussetzung zur Entfaltung der Persönlichkeit.
Wichtig dabei ist, dass die Arbeit für den Menschen da ist und nicht der Mensch für die Arbeit.
In der Enzyklika „Laborem exercens“ wird vom „Evangelium der Arbeit“ gesprochen, aus dem hervorgeht, dass die Grundlage zur Bewertung menschlicher Arbeit nicht in erster Linie die Art der geleisteten Arbeit ist. Denn die Arbeit hat nicht nur einen Preis, sondern auch einen unveräußerlichen Wert – denn dahinter steht der Mensch in seiner Ganzheitlichkeit und Würde als Person.
Gleichzeitig erkennen wir, dass Globalisierung, Digitalisierung, sowie die neoliberal-kapitalistische Wirtschaftsweise die arbeitenden Menschen zunehmend unter Druck setzen. Den marktwirtschaftlichen Zwang zur Profitmaximierung gilt es zu überdenken.

Arbeit ist nicht nur Lohnarbeit
Über die klassische Erwerbstätigkeit hinaus gibt es unterschiedliche, sehr wertvolle und zutiefst solidarische, jedoch überwiegend unbezahlte Arbeiten: Erziehung der Kinder, Betreuung älterer und kranker Menschen, ehrenamtliches Wirken... Diese kostbaren Arbeiten sind nach wie vor vielfach unsichtbar und in der öffentlichen Wahrnehmung ehrlicherweise immer noch von geringerer „Wertigkeit“. Ebenso wird zu wenig an die verschiedensten Aktivitäten im Volontariat gedacht. Auch wenn diese Arbeit nicht unmittelbar entlohnt wird und nicht für die Altersversicherung zählt, ist es eine Arbeit, die für die Ehrenamtlichen selbst und ebenso für die Gesellschaft nicht hoch genug bewertet werden kann.

 

Faltblatt zum Herunterladen (pdf)

SEHEN

Der rasante technologische Fortschritt, der mit der Globalisierung, der Digitalisierung und der gesellschaftlichen Transformation einhergeht, verändert die Situation der Menschen in der Arbeitswelt.
Während die Reallöhne oft stagnieren oder gar sinken, wachsen die Einkünfte aus unternehmerischer Tätigkeit und vor allem aus Vermögen rapide. Dadurch vertieft sich die Kluft in der Vermögensverteilung. Die Arbeit gerät dort am meisten unter Druck, wo reine Gewinnerwartung das wirtschaftliche Handeln bestimmt.
Das Normalarbeitsverhältnis wird unter dem Diktat der Flexibilisierung immer mehr in Frage gestellt, wobei unbestritten ist, dass Flexibilität für Arbeitende an und für sich auch Vorteile haben kann. In der Tat ist immer öfter von der „Work-Life-Balance“ die Rede.
Allerdings erodieren die Grenzen zwischen Arbeitszeit und Freizeit zunehmend. Arbeit ohne Maß, oft rund um die Uhr, lässt den Menschen kaum noch Raum für Freundschaft und Beziehung, Ehe und Familie, Politik, Religion und Kultur.
Die Gesellschaft verändert sich zu einer „Rund-um-die-Uhr-Gesellschaft“, die sich fast ausschließlich an den Bedingungen von Produzieren und Konsumieren orientiert. Auch die arbeitsfreien Sonn- und Feiertage – zentrale religiöse und kulturelle Errungenschaften – geraten dabei immer mehr unter Druck.

URTEILEN

Wir wollen uns „Freude und Hoffnung, Angst und Trauer der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten“ (in der Arbeitswelt von heute), zu Eigen machen (Gaudium et spes, 1).
Teilnehmen am Leben der Menschen mit und ohne Arbeit, mitkämpfen zur Verbesserung der Strukturen, trösten im Leiden, ermutigen angesichts zahlreicher Niederlagen, bestärken, wenn die Kräfte erlahmen – in diesen Tun-Wörtern spiegelt sich auch pastorales Handeln.
Ein nur am Profi t orientiertes Wirtschaftssystem erweist sich als unfähig, die Grundbedürfnisse der Menschen zu befriedigen. Wirtschaft ist nicht Selbstzweck, sie muss für alle lebensdienlich und im Umgang mit kostbaren Ressourcen nachhaltig verantwortet sein.
Es gibt „Strukturen der Sünde“. Entfremdung, Ausbeutung und Ausgrenzung des Menschen haben systemische Ursachen, die unabhängig von den jeweiligen Funktionsträger*innen wirken.
Diese Art von Wirtschaft produziert Opfer, ja sie tötet, wie es Papst Benedikt XVI. und Papst Franziskus auf den Punkt bringen.
Im kapitalistischen System wird die menschliche Arbeit instrumentalisiert und auf ihren Marktwert reduziert. Sie zählt betriebswirtschaftlich betrachtet zu den „Kostenfaktoren“, die zu eliminieren oder wenigstens zu minimieren sind.
Dadurch verliert die Erwerbsarbeit immer mehr an Recht und Würde. Diesem Zerfall setzen wir als diözesane Kommission für Arbeit und soziale Gerechtigkeit unsere Vision von „GUTER ARBEIT“ entgegen. Sie wird dem Menschen gerecht und erweist sich dadurch auch als wirksam.

Gute Arbeit ...

WECKT in den Menschen die besten Kräfte. Sie können ihre Fähigkeiten, Phantasie und Kreativität in ihre Arbeit einbringen.

PRODUZIERT lebensdienliche Güter und Dienstleistungen. Arbeitende wollen mit ihrer Arbeit Sinn stiften und Leben schaffen.

IST für beide Seiten, Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen, von Vorteil, wenn sie menschenwürdig ausgestaltet wird und gebührende Anerkennung findet. Sie ist kommunikative Arbeit, in der Raum und Zeit bleibt für die Gestaltung und Entfaltung eines menschlichen Miteinanders.

SCHAFFT UND SICHERT über die Tarifautonomie und gesetzliche Regelungen humane Arbeitsbedingungen sowie ein ausreichendes Einkommen, um eine Familie gründen und unterhalten zu können. Sie sorgt für soziale Sicherheit, wirtschaftliches Fortkommen und eine gedeihliche Zukunft.

GESTALTET UND BEWAHRT die Umwelt in Ehrfurcht vor der Schöpfung und in der Verantwortung für nachkommende Generationen.

BRAUCHTFührung auf Augenhöhe, Anerkennung durch die Vorgesetzten, berufliche Förderung, Dialog und Wertschätzung auch untereinander. Ziel ist eine Unternehmenskultur, in der Diskriminierung, Mobbing und Schikanen keinen Nährboden finden.

RESPEKTIERT die Menschen in ihren Beziehungen, nimmt Rücksicht und fördert sie. Sie ermöglicht die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch familienfreundliche Arbeitszeiten und geregelte Freistellungen für Pflege und Erziehung. Ihre Arbeitszeitgestaltung berücksichtigt das Bedürfnis der Gesellschaft nach gemeinsamen Ruhezeiten. Dabei kommt dem arbeitsfreien Sonntag besondere Bedeutung zu.

ACHTET auf die Gleichstellung aller Geschlechter, Generationen und Kulturen.

HANDELN

Solidarität ist eine Haltung der tiefen Verbundenheit, die die eigenen Interessen um des gemeinsamen Ganzen willen für das Wohl aller (besonders der Schwachen) zurückstellt. Solidarisches Leben und solidarisierendes Handeln sind Ausdruck christlichen Glaubens.
Solidarität verbindet Menschen und schmiedet Bündnisse für Gerechtigkeit. Sie schafft Bewusstsein für das „Wir“ gegen jegliche Form der Ausgrenzung.

 

DIE WÜRDE DER ARBEIT UND DER ARBEITENDEN BEDEUTET FÜR MICH...

Mitglieder der diözesanen Kommission für Arbeit und soziale Gerechtigkeit