Zum Hauptinhalt springen
Botschaften & Stellungnahmen

9. März - 18. Mai 2020: ER war und ist mit uns auf dem Weg

Bischof Ivo Muser

„Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!“ (Joh 20, 19): An diese Ostererfahrung habe ich in den vergangenen gut zwei Monaten oft gedacht. Dieses starke biblische Bild hat mich durch diese Zeit begleitet und mir auch geholfen: Der Abendmahlssaal ist geschlossen, aber der Gekreuzigte ist nicht mehr in seinem Grab! Nicht einmal die verschlossenen Türen können ihn aufhalten. ER war und ist da – auch in den vielen Wunden, die die Coronakrise geschlagen hat und immer noch schlägt.

Sehr unterschiedliche Reaktionen haben mich in diesen Monaten erreicht. Auch Druck, egoistische und ideologische Positionen habe ich erlebt. Wie könnte es auch anders sein bei einer Herausforderung, die uns alle überfallen hat wie „ein Dieb in der Nacht“.

Aber vor allem habe ich viel Vernetzung, Solidarität, Verantwortung, Bereitschaft, Phantasie, Verständnis, Dankbarkeit, Geduld, Demut und Hoffnung in dieser neuen, ungewohnten und auch schmerzlichen Zeit erlebt. Viele Menschen haben mir geschrieben und mir erzählt, was sie bewegt, was sie belastet, wie sie versuchen, vom Glauben her diese Erfahrung zu deuten und zu bewältigen. Dafür danke ich aufrichtig! Sehr viele haben auch die Eucharistie und andere Gottesdienste über die Medien mitgefeiert. Eine wertvolle Möglichkeit, die viele genützt haben.

Krisen fördern das Beste im Menschen, sie zeigen aber auch die Schwachstellen. Not lehrt beten, aber auch fluchen. Krisen laden ein zur „Unterscheidung der Geister“. Schwierige Zeiten und Erfahrungen machen deutlich, wie krisenfest unser Glaube ist, wie wir umgehen mit offenen, ungelösten und auch leidvollen Fragen, auf die es keine schnellen und glatten Antworten gibt.

Ab dem 18. Mai wird der „geschlossene Abendmahlssaal“ wieder geöffnet für alle Gläubigen! Wird uns dabei die Erinnerung begleiten an das, was wir erlebt haben, was wir lernen mussten und was uns geholfen hat? Wird uns bewusst bleiben, wie wichtig unsere Hauskirchen sind, in denen Menschen persönlich und in Gemeinschaft beten, in denen Familien, Kinder, Jugendliche und Erwachsene den Glauben feiern und leben? Ist in diesen Wochen die Überzeugung gewachsen, dass der gemeinsam gefeierte Gottesdienst nicht zu trennen ist vom „Gottesdienst des Lebens“; dass sich der Glaube vor allem zeigen und bewähren muss im konkreten, alltäglichen, solidarischen, christlichen Leben? Haben uns diese Wochen ein neues Bewusstsein für die Bedeutung des „ersten Tages der Woche“, für den Sonntag gelernt? Werden wir als Gesellschaft und Kirche gestärkt aus der Coronakrise herausgehen, mit dem Mut zum Innehalten, zum Hinterfragen, zum Umdenken, zu einem Nicht-einfach-weitermachen wie bisher, mit einer entschiedenen Verantwortung für Mensch und Schöpfung?

In dieser Zeit der „verschlossenen Türen“ habe ich oft an eine Begegnung gedacht, die ich im Mai 2019 in Rom hatte. Ein Ehepaar aus der ehemaligen Sowjetunion erzählte mir, dass ihre Großfamilie in der Zeit des Kommunismus fast zwanzig Jahre lang ohne Priester und Eucharistiefeier als Christen überlebte. Sie trafen sich Sonntag für Sonntag im Geheimen, hinter verschlossenen Türen und Fenstern, lasen das Wort Gottes, beteten die Messtexte und legten eine alte Stola auf den Tisch, um sich so im Geiste mit jener Eucharistiefeier zu verbinden, die geographisch am nächsten zu ihnen gefeiert wurde. Die Stola stammte vom letzten Pfarrer, den sie in ihrem Dorf hatten und der in ein Straflager verbannt wurde. Ein Glaubenszeugnis, das mich sehr berührt hat!

Ab dem 18. Mai sind öffentliche Gottesdienste wieder möglich. Gott sei Dank! Aber die offenen Türen unserer Kirchen helfen und nützen nur, wenn es eine neue Sehnsucht gibt nach der Begegnung mit dem Auferstandenen in seiner Kirche, in seinem Wort und in seiner Eucharistie. Ich wünsche uns allen die österliche Glaubensüberzeugung, dass das Grab des Gekreuzigten leer ist und dass der Auferstandene immer in unsere Mitte tritt, um uns seinen Frieden und seinen Geist zu schenken – auch bei verschlossenen Türen.

 

Euer Bischof

+ Ivo Muser

 

 

Am Montag, 18. Mai lade ich herzlich ein, dass in den beiden Domen und in den Pfarr- und Ordenskirchen unserer Diözese ein Gottesdienst gefeiert wird (Eucharistiefeier, Wortgottesfeier, Maiandacht, eine Vesper, eine eucharistische Anbetung…). Zeit und Form sollen nach den örtlichen Möglichkeiten gewählt werden. Fünf Minuten lang sollen vor diesem Gottesdienst alle Glocken läuten als ein hörbares Zeichen der Freude darüber, dass wir wieder öffentliche Gottesdienste feiern können. Auch das Gebet für die Verstorbenen der zurückliegenden Monate soll bei diesem ersten, öffentlichen Gottesdienst zum Ausdruck kommen.

+ Ivo Muser

23. September 2020

Heiligenkalender

Eine Umfrage unter den Lesern der katholischen Zeitschrift Famiglia Christiana hat einmal ergeben, dass die meisten italienischen Gläubigen mehr zu Padre Pio beten, als zur Mutter Gottes oder Jesus…

Historisches Kalenderblatt:

23.9.1998 Der Hurrikan „Georges“ richtet in der Dominikanischen Republik und in Haiti schwere Verwüstungen an. Mindestens 37 Menschen kommen ums Leben.

23.9.1993 Das Parlament in Kapstadt beschliesst die…

Richtlinien für die Kirche

Es ist wichtig, dass die Gläubigen über die geltenden Vorsichtsmaßnahmen gut informiert werden. Dies muss durch einen Aushang in der Kirche passieren. 

Caritas-Notdienste

Die durch das Corona-Virus ausgelöste Krise setzt allen zu – ganz besonders jenen, die es schon vorher schwerer hatten als andere. Für sie ist die Caritas der Diözes Bozen-Brixen auch weiterhin da.

Vorlagen für Hausgottesdienste

Auch wenn wieder öffentliche Gottesdienste gefeiert werden, bleibt das Beten zuhause eine wichtige Grundlage für das gemeinschaftliche und kirchliche Leben.

Familie & Jugend

In der Zeit der Pandemie sind wir in unserem alltäglichen Leben fest auf unsere Familien zurückgebunden worden. Das Amt für Ehe und Familie möchte deshalb den Familien in unserer Diözese  Vorschläge an die Hand geben, um etwas innezuhalten, durchzuatmen und neue Kraft zu schöpfen.

Gebete

Hier finden Sie die Gebetsnovene für die Zeit der Corona-Pandemie, Worte der Ermutigung von Bischof Ivo Muser, eine gemeinsame Gebetsinitiative der Diözesen Innsbruck und Bozen-Brixen sowie weitere Gebete.

DIE NÄCHSTEN TERMINE
Botschaften & Stellungnahmen

9. März - 18. Mai 2020: ER war und ist mit uns auf dem Weg

Bischof Ivo Muser

„Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!“ (Joh 20, 19): An diese Ostererfahrung habe ich in den vergangenen gut zwei Monaten oft gedacht. Dieses starke biblische Bild hat mich durch diese Zeit begleitet und mir auch geholfen: Der Abendmahlssaal ist geschlossen, aber der Gekreuzigte ist nicht mehr in seinem Grab! Nicht einmal die verschlossenen Türen können ihn aufhalten. ER war und ist da – auch in den vielen Wunden, die die Coronakrise geschlagen hat und immer noch schlägt.

Sehr unterschiedliche Reaktionen haben mich in diesen Monaten erreicht. Auch Druck, egoistische und ideologische Positionen habe ich erlebt. Wie könnte es auch anders sein bei einer Herausforderung, die uns alle überfallen hat wie „ein Dieb in der Nacht“.

Aber vor allem habe ich viel Vernetzung, Solidarität, Verantwortung, Bereitschaft, Phantasie, Verständnis, Dankbarkeit, Geduld, Demut und Hoffnung in dieser neuen, ungewohnten und auch schmerzlichen Zeit erlebt. Viele Menschen haben mir geschrieben und mir erzählt, was sie bewegt, was sie belastet, wie sie versuchen, vom Glauben her diese Erfahrung zu deuten und zu bewältigen. Dafür danke ich aufrichtig! Sehr viele haben auch die Eucharistie und andere Gottesdienste über die Medien mitgefeiert. Eine wertvolle Möglichkeit, die viele genützt haben.

Krisen fördern das Beste im Menschen, sie zeigen aber auch die Schwachstellen. Not lehrt beten, aber auch fluchen. Krisen laden ein zur „Unterscheidung der Geister“. Schwierige Zeiten und Erfahrungen machen deutlich, wie krisenfest unser Glaube ist, wie wir umgehen mit offenen, ungelösten und auch leidvollen Fragen, auf die es keine schnellen und glatten Antworten gibt.

Ab dem 18. Mai wird der „geschlossene Abendmahlssaal“ wieder geöffnet für alle Gläubigen! Wird uns dabei die Erinnerung begleiten an das, was wir erlebt haben, was wir lernen mussten und was uns geholfen hat? Wird uns bewusst bleiben, wie wichtig unsere Hauskirchen sind, in denen Menschen persönlich und in Gemeinschaft beten, in denen Familien, Kinder, Jugendliche und Erwachsene den Glauben feiern und leben? Ist in diesen Wochen die Überzeugung gewachsen, dass der gemeinsam gefeierte Gottesdienst nicht zu trennen ist vom „Gottesdienst des Lebens“; dass sich der Glaube vor allem zeigen und bewähren muss im konkreten, alltäglichen, solidarischen, christlichen Leben? Haben uns diese Wochen ein neues Bewusstsein für die Bedeutung des „ersten Tages der Woche“, für den Sonntag gelernt? Werden wir als Gesellschaft und Kirche gestärkt aus der Coronakrise herausgehen, mit dem Mut zum Innehalten, zum Hinterfragen, zum Umdenken, zu einem Nicht-einfach-weitermachen wie bisher, mit einer entschiedenen Verantwortung für Mensch und Schöpfung?

In dieser Zeit der „verschlossenen Türen“ habe ich oft an eine Begegnung gedacht, die ich im Mai 2019 in Rom hatte. Ein Ehepaar aus der ehemaligen Sowjetunion erzählte mir, dass ihre Großfamilie in der Zeit des Kommunismus fast zwanzig Jahre lang ohne Priester und Eucharistiefeier als Christen überlebte. Sie trafen sich Sonntag für Sonntag im Geheimen, hinter verschlossenen Türen und Fenstern, lasen das Wort Gottes, beteten die Messtexte und legten eine alte Stola auf den Tisch, um sich so im Geiste mit jener Eucharistiefeier zu verbinden, die geographisch am nächsten zu ihnen gefeiert wurde. Die Stola stammte vom letzten Pfarrer, den sie in ihrem Dorf hatten und der in ein Straflager verbannt wurde. Ein Glaubenszeugnis, das mich sehr berührt hat!

Ab dem 18. Mai sind öffentliche Gottesdienste wieder möglich. Gott sei Dank! Aber die offenen Türen unserer Kirchen helfen und nützen nur, wenn es eine neue Sehnsucht gibt nach der Begegnung mit dem Auferstandenen in seiner Kirche, in seinem Wort und in seiner Eucharistie. Ich wünsche uns allen die österliche Glaubensüberzeugung, dass das Grab des Gekreuzigten leer ist und dass der Auferstandene immer in unsere Mitte tritt, um uns seinen Frieden und seinen Geist zu schenken – auch bei verschlossenen Türen.

 

Euer Bischof

+ Ivo Muser

 

 

Am Montag, 18. Mai lade ich herzlich ein, dass in den beiden Domen und in den Pfarr- und Ordenskirchen unserer Diözese ein Gottesdienst gefeiert wird (Eucharistiefeier, Wortgottesfeier, Maiandacht, eine Vesper, eine eucharistische Anbetung…). Zeit und Form sollen nach den örtlichen Möglichkeiten gewählt werden. Fünf Minuten lang sollen vor diesem Gottesdienst alle Glocken läuten als ein hörbares Zeichen der Freude darüber, dass wir wieder öffentliche Gottesdienste feiern können. Auch das Gebet für die Verstorbenen der zurückliegenden Monate soll bei diesem ersten, öffentlichen Gottesdienst zum Ausdruck kommen.

+ Ivo Muser

SOCIAL WALL