Zum Hauptinhalt springen

Anliegen

Die Firmbewerberinnen und Firmbewerber entdecken die Herausforderung, Schuld „an-zu-nehmen“, und lernen verschiedene Wege der Vergebung und Versöhnung kennen.

Schwerpunkte

  • Erfahrungen von Schuld und Vergebung
  • Werte
  • Gewissen und Gewissensbildung
  • Umgang mit Schuld
  • Formen der Vergebung und Versöhnung

Menschen machen die Erfahrung, schuldig zu werden: schuldig an ihren Mitmenschen, schuldig an sich selbst und schuldig an Gott. Schuld zerstört Beziehung – zu Gott, zu den Mitmenschen und zu sich selbst. Wenn Schuld als Sünde bezeichnet wird, dann ist genau dieser Aspekt gemeint: die Störung einer Beziehung. So spricht die Bibel von Sünde, wenn die Beziehung zu Gott leidet oder wenn die Beziehungen der Menschen untereinander leiden. Das Band, das eine Gemeinschaft verbindet, ist zerrissen. Dabei schließt der Begriff Sünde die religiöse Dimension und Verantwortung mit ein. 

Schuld und Schulderfahrung zeigen auf, an welchen Werten sich jemand orientiert. Es sind die Werte, die wir von unseren Eltern und unserer Umwelt übernommen haben, zunächst unreflektiert und mit zunehmendem Alter reflektiert. Dabei wurden manche Werte auch in Frage gestellt. Die christlichen Werte orientieren sich an der Botschaft Jesu Christi, dabei steht der Wert der Gottesliebe, der Nächstenliebe und Selbstliebe im Vordergrund (vgl. Mt 22,37-39).

Wenn wir vom Gewissen sprechen, dann sprechen wir oft vom „schlechten Gewissen“: Etwas in uns sagt uns, dass das was wir getan haben, nicht richtig war. Das Gewissen befähigt den Menschen, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Es drängt den Menschen zu bestimmten Handlungen bzw. bestimmte Handlungen zu unterlassen. Das Gewissen ist in jedem Menschen angelegt und bildet sich mit der Entwicklung des Menschen aus. Daher ist es wichtig, die Kinder in der Gewissensbildung zu begleiten, ihnen Werte zu vermitteln und Grenzen aufzuzeigen, und diese auch zu begründen. Aber vor allem kommt es darauf an, selbst danach zu leben. 

Das Zweite Vatikanische Konzil bezeichnet das Gewissen zudem als die verborgenste Mitte und Heiligtum im Menschen; es spricht über das Gewissen als die innerste Stimme Gottes im Menschen. Dementsprechend ist das Gewissen mehr als nur die Übernahme von Werten und Regeln, sondern das innere Wissen (vgl. Ge-Wissen) des Menschen, das zwischen Gut und Böse bzw. Recht und Unrecht unterscheidet.
Wie tief Schuld erfahren wird, hängt vom Gewissen und von der Gewissensbildung ab: Welche Werte wurden mir vermittelt? Habe ich gelernt, auf meine innerste Stimme zu hören?

Der Umgang mit Schuld fällt Menschen in der heutigen Gesellschaft schwer. Schuld wird nicht angenommen bzw. jemand anders wird zum „Sündenbock“ gemacht, Schuld wird geleugnet oder Schuld wird verharmlost. Dabei ist es bedrückend zu sehen, welche Folgen Schuld haben kann: bei sich selbst, bei seinen Mitmenschen (u. a. auch nächste Generation) und an Gottes Schöpfung.

Im lateinischen Wort „reconciliatio“, das auf Deutsch „Wiederversöhnung“ heißt, wird die Grundbotschaft des Sakramentes der Versöhnung zusammengefasst. Wieder-versöhnung deshalb, weil die erste Feier der Versöhnung die Taufe ist. Seit den Anfängen der Kirche gibt es die Erfahrung, dass die Christinnen und Christen hinter dem zurückbleiben, was ihnen durch die Taufe als Gabe und Auf-Gabe geschenkt wurde (z. B. sie fallen in alte Gewohnheiten zurück, obwohl sie sich für ein neues Leben mit Christus entschieden haben; sie vernachlässigen ihren Nächsten, obwohl dies ein christlicher Grundauftrag wäre...). Es gibt aber auch die Erfahrung, dass Christinnen und Christen bewusst gegen Gottes Botschaft und gegen seinen Auftrag handeln. 

Da nun die Beziehungen der Menschen untereinander, aber auch die Beziehung zu Gott auf unterschiedlichster Weise gestört sein kann, braucht es unterschiedliche Formen der Versöhnung (vgl. dazu auch „Jesus begegnen in der heiligen Kommunion. Mein Begleit- und Erinnerungsbuch zur Eucharistie und Versöhnung“, Bozen 2013):
-    durch Gespräch und durch Wiedergutmachung, 
-    durch das Hören und/oder Lesen des Wortes Gottes, 
-    durch das Gebet, 
-    in der Feier der Eucharistie,
-    im Bußgottesdienst,
-    in der Fastenzeit,
-    durch das Beichtgespräch („Feier der Versöhnung für Einzelne“).

Versöhnung braucht Zeichen – im alltäglichen Miteinander und in der Feier der Versöhnung. Ein bekanntes Zeichen ist das Auflegen der Hand. Es gibt aber auch Worte der Vergebung und Versöhnung. 
 

Welche Werte geben mir im Leben Orientierung?
Welche Erfahrungen von Schuld und Vergebung habe ich gemacht?
Wie gehe ich mit Schuld um? Mit meiner Schuld? Mit der Schuld von anderen?
Welche Formen der Versöhnung kenne ich?

Ideen für Treffen

  • Grundsätzliches

Das Gleichnis von den zwei Brüdern und dem barmherzigen Vater in Lk 15,11-24 zählt zu den bekanntesten Erzählungen der Bibel. Dabei handelt es sich um eine vielschichtige Dreiecksgeschichte. Der erste Teil des Gleichnisses erzählt vom Geschehen zwischen dem Vater und dem zweiten Sohn. Relativ kurz wird beschrieben, wie der jüngere Sohn an den Rand der Gesellschaft kommt. Umso ausführlicher erzählt das Gleichnis von seinem inneren und äußeren Umkehrprozess. Ebenso genau werden die Sichtweise und das Verhalten des Vaters und des Bruders dargestellt. Der Text regt dazu an, über die zwei Seiten der Schuld nachzudenken. Die eine Seite ist die des „Schuldigen“. Wie kann der Schuldige wieder nach Hause kommen? Die andere Seite ist die Reaktion der Menschen, die dem „Schuldigen“ begegnen.

Erbe: Laut jüdischem Gesetz hatten zweitgeborene Söhne das Anrecht auf ein Drittel des Vermögens und die Erstgeborenen auf zwei Drittel. 
Schweine hüten: Für einen Juden ist diese Tätigkeit besonders entwürdigend, da Schweine im jüdischen Gesetz unreine Tiere sind. 
Ring: Die Ehre den Ring zu tragen, hatten nur vollwertige Mitglieder der Familie.

Bei einer Bildbetrachtung wird das Bild zunächst nur wahrgenommen, ohne es zu interpretieren: Es wird beschrieben, was auf dem Bild alles erkennbar ist, welche Farben vor allem verwendet wurden... Es kann auch mitgeteilt werden, welcher Bildausschnitt einen persönlich besonders anspricht bzw. auffällt. In einem nächsten Schritt wird überlegt, welche Bedeutung die einzelnen Teile auf dem Bild haben könnten. Was wollte die Künstlerin/der Künstler wohl damit zum Ausdruck bringen? Ebenso kann ein Titel für das Bild überlegt werden. 
Nach diesen Schritten wird aufgezeigt, welchen Titel die Künstlerin/der Künstler dem Bild gegeben hat und was sie/er damit zum Ausdruck bringen wollte.
Eine Bildbetrachtung kann noch vertieft werden, indem der persönliche Zugang zu diesem Bild thematisiert wird und die Botschaft eventuell aktualisiert wird (Welche Bedeutung hat die Botschaft dieses Bildes heute?)

 

  • Vorbereitung

-    Bild von Sieger Köder „Der verlorene Sohn“
-    eventuell Geräte oder andere Hilfen für die Bildbetrachtung
-    Bibeln
-    eventuell drei Stühle für das Rollenspiel
-    Blätter mit den Begriffen „Schuld – Umkehr – Versöhnung“ für jeden Teilnehmenden
-    Visualisierung der Begriffe „Schuld – Umkehr – Versöhnung“ (Projektion, Flipchart oder Karten zum Auflegen/Pinnen)
-    Lied „So ist Versöhnung“ (bzw. "Wie ein Fest nach langer Trauer")

 

  • Beschreibung

Einstieg
•  Bildbetrachtung: Das Bild von Sieger Köder wird angeschaut. Stellen Sie schrittweise folgende Fragen:
Was entdeckt ihr auf dem Bild? (nur beschreiben!)
Welche Farben verwendet der Künstler?
Was fällt bei diesem Bild besonders auf? Und weshalb?
Erst nach diesen Schritten geht es um die Deutung des Bildes: 
Welchen Titel würdet ihr diesem Bild geben?
Kennt ihr eine Geschichte, die zu diesem Bild passen würde?

Erklären Sie anschließend, dass der Künstler Sieger Köder dieses Bild „Der verlorene Sohn“ genannt hat. Es greift das „Gleichnis vom barmherzigen Vater“ auf. Wer ist aber auf dem Bild der „verlorene Sohn“?

Vertiefung
•  Bibeltext lesen: Der Text wird gemeinsam gelesen und Verständnisfragen geklärt. 
•  In eine Rolle schlüpfen: 
Möglichkeit 1: Jedes Gruppenmitglied entscheidet sich, mit welcher Rolle es sich auseinandersetzen möchte: entweder mit dem Vater oder mit dem ersten Sohn oder mit dem zweiten Sohn. Wichtig ist, dass jede Rolle übernommen wird. Nun erhalten alle die Aufgabe, sich anhand des Textes in diese Person hineinzuversetzen: Warum handelt sie so? Was könnte sie denken?... Gleichzeitig sollen sich alle zwei Fragen ausdenken, die sie den anderen beiden Rollen stellen möchte. Im Anschluss werden die Fragen als Gespräch in der Gruppe gemeinsam beantwortet.
Variante in der Großgruppe: Die Gruppe wird in drei Kleingruppen geteilt. Jede Kleingruppe bekommt eine Rolle zugeordnet (1x Vater, 1x erster Sohn, 1x zweiter Sohn). Jede Kleingruppe erhält die Aufgabe, sich in diese Rolle hineinzuversetzen (siehe Beschreibung oben).

Möglichkeit 2: Die Gruppe sammelt, welche Rollen in diesem Bibeltext vorkommen. Dann übernimmt jede bzw. jeder eine Rolle. Wenn jemand keine Rolle übernehmen möchte, dann hat sie/er die Aufgabe, das Rollenspiel genau zu beobachten.
Auf ein Zeichen (Glockenschlag o. ä.) wird das Gleichnis gespielt. 
Nach dem Rollenspiel wird reflektiert:
   Wie habe ich meine Rolle erlebt?
-    Was ist mir besonders aufgefallen?
-    Welche Fragen sind in mir aufgetaucht?

Bei einem Rollenspiel wird der Beginn und das Ende des Spiels durch ein Zeichen (Glockenschlag o. ä.) markiert. Nach dem Rollenspiel werden alle aufgefordert, ihre Rolle abzulegen und wieder sie selbst zu sein (d. h. die Petra ist nun wieder die Petra, der Daniel ist nun wieder der Daniel usw.). Es besteht auch die Möglichkeit, Tücher und andere Accessoires zur Verfügung zu stellen, welche die Jugendlichen bei ihrem Rollenspiel anziehen und nach dem Rollenspiel wieder ablegen.
Die anschließende Reflexion greift die Erfahrungen der Spielenden auf und wertet sie aus.

•  Persönliche Auseinandersetzung: Jeder hat ein Blatt Papier vor sich liegen, auf dem die Begriffe „Schuld – Umkehr – Versöhnung“ liegen. Was fällt mir zu diesen Begriffen spontan ein? Was fällt mir ein, wenn ich an die Bibelerzählung denke und über unser Gespräch darüber nachdenke?
•  Gemeinsame Auseinandersetzung: Die drei Begriffe „Schuld – Umkehr – Versöhnung“ werden nun in der Gruppe visualisiert (in die Mitte gelegt, an eine Wand geklebt oder projiziert, auf FIipchart notiert…). Die Jugendlichen können nun ihre Gedanken zu diesen Begriffen einbringen. Die Leitung gibt dazu auch ein paar Impulse (siehe Informationen zum Thema). 
•  Persönliche gemeinsame Auseinandersetzung: In Kleingruppen oder in Paargesprächen werden die Überlegungen zum Bibeltext und zum Thema nun auf das eigene Leben bezogen: Wie gehe ich mit Schuld um? Kann ich vergeben? Wie kann ich mich versöhnen?
Bei einem guten vertrauensvollen Gruppenklima können anschließend in der Großgruppe zentrale Gedanken des Gesprächs rückgemeldet werden.

Abschluss
Das Lied „So ist Versöhnung“ (anderer Titel dieses Liedes „Wie ein Fest nach langer Trauer“) wird gemeinsam gesungen. Nach der ersten Strophe sind alle eingeladen ein Wort zu sagen, das ihnen zu diesem Treffen bzw. zu dem Thema dieses Treffens einfällt/hängen geblieben ist. Danach werden die weiteren Strophen des Liedes gesungen.
 

  • Grundsätzliches

In Filmen wird immer wieder der Umgang mit Schuld thematisiert. In diesem Zusammenhang spielt auch die Frage nach dem Gewissen eine Rolle. Es gibt Filme, die diese dabei bewusst offen lassen und aufzeigen, wie verfangen manche Lebenssituationen sein können, und es gibt Filme, die diese Frage aus ihrem Blickwinkel und gesellschaftlichen Hintergrund beantworten. Der religiöse Kontext kann hier auch eine Rolle spielen. 
Exemplarisch wird ein Film gezeigt und anschließend besprochen. Dabei spielt für uns Glaubende auch die religiöse Dimension eine Rolle, selbst wenn sie im Film nicht direkt angesprochen wird. 

Mit Filmen kann unterschiedlich gearbeitet werden: Der Film kann als Einheit angeschaut werden und anschließend wird er besprochen. Eine andere Möglichkeit ist folgende: Der Film wird an bedeutenden Stellen unterbrochen und es wird kurz besprochen, was bisher aufgefallen ist bzw. was bisher entscheidende Momente im Film waren. Die Anwesenden können auch aufgefordert werden, sich zu überlegen, wie der Film weitergehen könnte bzw. welche Entscheidung nun eine betreffende Person wohl fällen wird. 
Vor Beginn des Films sind wichtige Hinweise zum Film zu geben (Genre des Films, Drehort…).

 

  • Vorbereitung

-    gemeinsames Essen organisieren (Ort, Essen und Getränke, Geschirr usw., Aufräumarbeiten)
-    Film und technische Ausrüstung und geeigneten Raum/Ort
-    Figuren aus Papier mit Namen der Rollen
-    Fragen für die inhaltliche Diskussion
-    Gestaltung des inhaltlichen religiösen Beitrages
-    Informationen zur Versöhnungsfeier
-    kleine Kerzen für alle Teilnehmenden
-    eine große Kerze für die Mitte

 

  • Beschreibung

Einstieg
•  Gemeinsames Essen: Der Abend kann frühzeitig mit einem gemeinsamen Essen beginnen.
•  „Filmabend“: Ein Film wird gezeigt, welcher den Umgang mit Schuld thematisiert, z. B. „Eine moralische Entscheidung“ (von Vahid Jalilvand). Bevor der Film gezeigt wird, werden einige wichtige Hinweise zum Film gegeben (z. B. bei „Eine moralische Entscheidung“: Dieser Film ist kein Unterhaltungsfilm, sondern thematisiert eine moralische Frage. Er spielt im Iran, wo andere gesellschaftliche Verhältnisse sind und ein anderer religiöser Hintergrund ist).
Hinweis: Dieser Film kann in der Bibliothek und Medienstelle im Pastoralzentrum ausgeliehen werden. 

Vertiefung
•  Spontaner Austausch: Es folgt ein spontaner Austausch über den Film. 
•  Inhaltliche Diskussion (am Beispiel des Films „Eine moralische Entscheidung“): Es werden Figuren aus Papier in die Mitte gelegt. Auf jeder Figur steht der Namen einer Rolle im Film, z. B. Kaveh Nariman – der Arzt, Moosa – der Vater, Sayeh - Ärztin, Laila – die Mutter. Die Namen der Rollen (eventuell mit Foto) können auch an eine Wand projiziert werden.
Dann werden der Reihe nach folgende Fragen dazugelegt und besprochen: Wie geht diese Person mit der Schuld um? Welche Rolle spielt dabei ihr gesellschaftliches Umfeld? Welche Rolle spielt dabei ihr Gewissen? Wer vergibt wem? Welche Fragen bleiben?
•  Inhaltlicher religiöser Beitrag: Wie greift die Bibel und unser Glaube die Frage nach Schuld auf? So wie in diesem Film sind auch in unserem Leben die Fragen nach der Schuld und der Umgang mit der Schuld sehr verstrickt. Die Texte der Bibel greifen diese Erfahrungen auf und deuten sie im religiösen Kontext; die moraltheologischen Reflexionen ebenso (siehe die Informationen zum Thema). 

Abschluss
Die Firmbewerberinnen und Firmbewerber werden zum Buß- und Versöhnungsgottesdienst (oder zum Buß- und Versöhnungsweg) eingeladen. Die notwendigen Informationen dazu werden gegeben. 

Dann folgt ein besinnlicher Abschluss: Alle Teilnehmenden erhalten eine kleine Kerze. Der Raum ist zunächst dunkel bzw. verdunkelt, nur eine größere Kerze brennt in der Mitte. Gemeinsam wir das Vaterunser gebetet bis „…erlöse uns von den Bösen.“ Jeder und jede zündet dann seine bzw. ihre Kerze an der großen Kerze an. Sobald alle ihr Licht in der Hand halten (oder vor sich niedergestellt haben – entsprechende Anleitung wird vor dem gemeinsamen Beten gegeben), werden die weiteren Sätze des Gebetes gesprochen: „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit…“

  • Grundsätzliches

Gerade in der Auseinandersetzung mit der eigenen Schuld kann es gut tun, einen Weg zu gehen. In der Vorbereitung ist es wichtig, dass ein Weg ausgesucht wird, der sich für diese Aufgabe eignet. So sollte die Gruppe ungestört sein.
Am Ende des Weges könnte die Gelegenheit zu einem Beichtgespräch angeboten werden. Anschließend werden alle eingeladen, den Buß- und Versöhnungsgottesdienst in der Pfarrgemeinde mitzufeiern. Daher bietet sich die Advent- oder Fastenzeit als Zeitraum für dieses Treffen in besonderer Weise an (in der Fastenzeit/österlichen Bußzeit können die Firmbewerberinnen und Firmbewerber zudem zur Feier der Osternacht - als die Nacht der Versöhnung - eingeladen werden).
Auf jeden Fall sollte am Ende des Weges eine kleine Andacht gehalten werden. Dabei können die Steine zu einem Kreuz gelegt werden. Eine Kerze als Zeichen der Hoffnung und Erlösung wird dazugestellt: Der Auferstandene ist unsere Hoffnung und Erlösung.
Wird die Gelegenheit zum Beichtgespräch genutzt, dann findet die Andacht danach statt.

  • Vorbereitung

-    zwei größere Steine, die beschriftet werden können, für alle Teilnehmenden; ein Stein wird ihnen am Beginn mitgegeben, die restlichen Steine werden als Steinhaufen bei der Station 5 hergerichtet
-    einen schwarzen Stift für jeden Teilnehmenden
-    Kreuz für die Andacht
-    eine kleine Kerze für jeden Teilnehmenden – beim Kreuz hergerichtet
-    wenn möglich das Licht der Osterkerze
-    Bibel, Lieder, Segensgebet

 

  • Stationen Buß- und Versöhnungsweg

als Pdf-Datei zum Downloadn ganz unten unter Materialteil


Einführung: Auf dem Weg der Reue und Versöhnung

Dieser Weg lädt alle ein, über Schuld, Reue und Versöhnung nachzudenken. Es sind sechs Stationen vorbereitet. Bei jeder Station hören wir einen kurzen Bibeltext. Der jeweilige Text regt an, über unser Leben nachzudenken.

Alle erhalten einen Stein und einen Stift.
Die Anregungen, die gegeben werden, laden ein, auf dem Stein etwas festzuhalten.
Bei den Stationen nehmen wir uns ausreichend Zeit.
Der gesamte Weg wird in Stille gegangen, damit wir besser über das Leben nachdenken können.

Am Ende dieses Weges feiern wir gemeinsam eine kleine Andacht.
Falls ein Beichtgespräch angeboten wird, wird folgender Hinweis gegeben: Wer möchte, kann am Ende dieses Weges zur Beichte gehen. Unser Pfarrer/Der Priester N. steht für ein Beichtgespräch zur Verfügung.

Und so machen wir uns im Zeichen des Kreuzes auf den Weg:
Im Namen des Vaters… (alle machen das Kreuzzeichen)

 

1. Station: Ich geh mit dir

Rut antwortete: Dränge mich nicht, dich zu verlassen und umzukehren!. Wohin du gehst, dahin gehe auch ich, und wo du bleibst, da bleibe auch ich. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott.
(Rut 1,16)

Noomi macht sich auf den Weg zurück nach Betlehem. Ihre Schwiegertochter Rut will sie begleiten. Noomi bittet Rut in Moab zu bleiben, denn dort hat sie eine sichere Zukunft. Der Weg nach Betlehem wird hingegen schwer sein und die Zukunft dort ist unsicher. Doch Rut geht mit Noomi.

Der Bibeltext wird nochmals vorgelesen.

  • Überlege:

Für wen bin ich da? Wer kann sich auf mich verlassen, auch wenn es schwierig wird?
Male für jede Person, die dir einfällt ein Herz auf deinen Stein.

Wer ist für mich da? Wer ist für mich in guten und schlechten Zeiten da?
Male für jede Person, die dir einfällt, eine Sonne auf deinen Stein.


2. Station: Lüge, damit es mir gut geht

Als er sich Ägypten näherte, sagte er zu seiner Frau Sarai: Ich weiß, du bist eine Frau von großer Schönheit. Wenn dich die Ägypter sehen, werden sie sagen: Das ist seine Frau! Und sie werden mich töten, dich aber am Leben lassen. Sag doch, du seist meine Schwester, damit es mir deinetwegen gut geht und ich um deinetwillen am Leben bleibe.
(Gen 12,11-13)

Eine Hungersnot ist über das Land Kanaan gezogen. Abram (Abraham) zieht deshalb mit seiner Frau Sarai (Sara) nach Ägypten. Er will, dass seine Frau dort lügt, damit es ihm dort gut gehen wird.

Der Bibeltext wird nochmals vorgelesen.

  • Überlege:

Habe ich jemanden angestiftet, zu lügen oder etwas Unrechtes zu tun, damit ich gut dastehe?
Male für jede Person, die dir einfällt, einen Punkt auf deinen Stein.


3. Station: Betrügen und verletzen

Er ging zu seinem Vater hinein und sagte: Mein Vater!
Er antwortete: Hier bin ich! Wer bist du, mein Sohn?
Jakob entgegnete seinem Vater: Ich bin Esau, dein Erstgeborener. Ich habe getan, wie du mir gesagt hast. Setz dich auf, iss von meinem Wildbret, damit deine Lebenskraft mich segne!
(Gen 27,18-19)

Jakob schwindelt seinen Vater an und erschleicht sich dadurch den Segen, der für Esau bestimmt war. Jakob betrügt und verletzt seinen Vater Isaak und seinen Bruder Esau.

Der Bibeltext wird nochmals vorgelesen.

  • Überlege:

Wem habe ich Schuld zugefügt?
Wen habe ich durch meine Worte und/oder durch mein Verhalten verletzt?

Male für jede Tat und Person, die dir einfällt, einen Punkt auf deinen Stein.


4. Station: Reue

Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte: Siehe, Herr, die Hälfte meines Vermögens gebe ich den Armen, und wenn ich von jemanden zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück.
(Lk 19,8)

Jesus ist zu Gast beim Zöllner Zachäus. Zachäus hat viele Leute betrogen. Nun reut es ihn.

Der Bibeltext wird nochmals vorgelesen.

  • Überlege:

Was tut mir leid?
Kann ich es wieder gut machen? Was kann ich tun als Zeichen meiner Reue?

Mach für jede Tat, die dir leid tut und bei welcher du durch eine andere Tat zeigen kannst, dass du es bereust oder welche du durch eine andere Tat wieder gut machen kannst, aus einem Punkt auf deinem Stein eine Blume.

  • Nimm nun deinen Stein und stecke ihn in deine Hosen- oder Jackentasche. Spüre diese Last in deiner Tasche und trage sie die nächsten Stationen mit. Am Ende dieses Weges wirst du diese Last abgeben können.


5. Station: Betrogen und verletzt

Am Morgen aber, siehe, da war es Lea. Jakob sagte zu Laban: Was hast du mir angetan? Habe ich dir denn nicht um Rahel gedient? Warum hast du mich betrogen?
(Gen 29,25)

Jakob hat sich in Rahel verliebt. Er dient ihrem Vater Laban sieben Jahre, damit er Rahel heiraten kann. Weil Jakob Rahel liebt, kommen ihm die sieben Jahre wie wenige Tage vor. Dann bittet er Laban nochmals, damit er Rahel heiraten darf. Aber Laban gibt Jakob nicht wie versprochen Rahel, sondern ihre ältere Schwester Lea.
Jakob wurde betrogen und dadurch verletzt.

Der Bibeltext wird nochmals vorgelesen.

  • Nimm einen weiteren Stein vom Steinhaufen.
  • Überlege:

Wer hat mich angeschwindelt, angelogen, ausgenutzt?
Wer hat mich verletzt?

Male für jede Person, die dir einfällt, einen Punkt auf diesen Stein.


6. Station: Vergeben

Das missfiel Jona ganz und gar und er wurde zornig. Er betete zum HERRN und sagte:
Ach HERR, habe ich das nicht schon gesagt, als ich noch daheim war? Eben darum wollte ich ja nach Tarschisch fliehen; denn ich wusste, dass du ein gnädiger und barmherziger Gott bist, langmütig und reich an Huld und dass deine Drohungen dich reuen.
(Jona 4,1-2)

Jona wird von Gott beauftragt, nach Ninive zu fahren. Die Leute von Ninive sind schlechte Menschen. Jona soll ihnen mitteilen, dass ihre Stadt in 40 Tagen zerstört wird. Da fangen die Leute von Ninive an, an Gott zu glauben. Sie fasten und alle bereuen ihre bösen Taten. Die Leute von Ninive kehren um.
Gott sieht, dass sie umkehren und er bereut das Unheil, das er ihnen angedroht hatte. Er will ihre Stadt nicht mehr zerstören. Er vergibt ihnen.
Jona ärgert sich darüber, dass Gott vergibt.

Der Bibeltext wird nochmals vorgelesen.

  • Überlege:

Kann ich vergeben?
Wem habe ich vergeben?

Mache für jede Person, die dir einfällt, aus einem Punkt auf dem Stein eine Sonne.

  • Nimm nun beide Steine in deine Hände. Gehe mit ihnen zur nächsten Station.


Abschluss (Andacht): Vergib mir, wie auch ich vergebe

in einer Kirche oder Kapelle

Lied: „Hilf, Herr meines Lebens“ oder „Macht Platz, räumt auf“


Lesung aus dem Matthäusevangelium:
So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel,
geheiligt werde dein Name,
dein Reich komme,
dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde.
Gib uns heute das Brot, das wir brauchen!
Und erlass uns unsere Schulden,
wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben!
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern rette uns vor dem Bösen!
Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben.
Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.
(Mt 6,9-14)


Zeichenhandlung:
Und erlass uns unsere Schulden,

  • Alle sind eingeladen, ihren ersten Stein zum Kreuz zu legen.
     

wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben.

  • Alle sind eingeladen, ihren zweiten Stein zum Kreuz zu legen.
     

Die kleinen Kerzen beim Kreuz werden (wenn möglich) mit dem Licht der Osterkerze angezündet.
 

Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben.

  • Alle erhalten eine kleine Kerze.
     

Gemeinsam wird das Vaterunser gebetet.
 

Lied: „Wie ein Fest nach langer Trauer“ oder „Da berühren sich Himmel und Erde“
 

Segensgebet

 

  • Materialteil

Stationen des Buß- und Versöhnungsweges als pdf-Datei

 

  • Grundsätzliches

Die sehr knappe Heilungserzählung in Lk 13,10-12 ist eine Besonderheit des Lukasevangeliums. In keinem anderen Evangelium wird davon erzählt. Das Ungewöhnliche an der Erzählung ist zum einen, dass Jesus am Sabbat, dem jüdischen Ruhetag, heilt. In den Augen der Synagogenvorsteher ist das eine Arbeit und deshalb verboten. Zum anderen handelt es sich bei der Geheilten um eine Frau. Am Sabbat waren Frauen, wenn überhaupt, nur schweigend im Hintergrund der Synagoge zu finden. Indem Jesus sie in ihre Mitte ruft und sie sogar noch „aufrichtet“, gibt er ihr eine unerwartete Würde.

Krankheit/Heilung: Die Menschen im Alten Orient besaßen ein relativ großes medizinisches Wissen. Trotzdem unterschied sich die Beurteilung einer Krankheit deutlich von unserer heutigen. Krankheiten wurden als Strafen Gottes gesehen. Es war klar, dass die Gesundheit eines Menschen immer in Gottes Hand lag. Da in den Heilungserzählungen Jesus Krankheiten bändigen kann, wird sichtbar gemacht, in welchem besonderen Verhältnis er zu Gott steht.
 

  • Beschreibung

Einstieg
Körperübung: Die Gruppe bewegt sich frei im Raum. Geben Sie nacheinander verschiedene Hinweise wie sich alle bewegen sollen (z. B. langsam, schnell, stampfend, schleichend, stolz, müde, unsicher, bedrückt, ...). Auf ein Signal hin (kleine Glocke, Klangschale oder klatschen) erstarren alle.
Hinweis: Diese Übung kann leichter durchgeführt werden, wenn eine gewisse Vertrautheit in der Gruppe vorhanden ist bzw. sie mit solchen Übungen bereits vertraut sind. Ansonsten ist eine eigene Hinführung zu dieser Übung notwendig.
Geben Sie als letzten Hinweis, dass sich alle „verkrümmt“ bewegen sollen. Nach dem Signal erstarren wieder alle.
Gehen Sie zu einer gekrümmten Person hin und fordern sie auf, zu beschreiben, wie sie sich fühlt.
Gehen Sie dann zu den einzelnen Gruppenmitgliedern hin und lösen ihre Starre, indem Sie die Hände auf die Schultern des Gruppenmitglieds legen.
Reflexion der Körperübung: In der Gruppe reflektieren dann alle die Erfahrung:
-    Wie hat es sich angefühlt, „verkrümmt“ zu sein?
-    Wie viel konntet ihr von der Umgebung sehen?
-    Wie hat es sich angefühlt, berührt zu werden?
-    Wie war es sich wieder aufzurichten?

Vertiefung
Begegnung mit dem Bibeltext: Alle erhalten eine Textvorlage und sollen im Gehen den Text halblaut lesen. Alle lesen den Text für sich so oft, bis sie sich für ein besonders Wort oder einen besonderen Satz entschieden haben. Wer das Wort oder den Satz gefunden hat, bleibt stehen. Wenn alle stehen, werden reihum die besonderen Aussagen vorgelesen und es wird begründet, warum sie ausgesucht wurden. Anschließend können sich alle hinsetzen und der Text wird gemeinsam besprochen. Hilfreiche Denkanstöße können sein:
-    Was erfahren wir in diesem Text über Jesus?
-    Was könnte die Frau denken?
-    Vergleicht die Redewendungen „geknickt sein“, „ schwere Last tragen“ und „Rückgrat haben“.
-    Wann sind wir „in uns hinein gekrümmt“ und „wie erstarrt“?
-    Habt ihr in solchen Situationen schon unerwartet Hilfe bekommen oder anderen geholfen?
-    Was bewirkt Berührung?

Graphische Gestaltung des Bibeltextes: Anschließend kann der Text gemeinsam graphisch gestaltet werden, indem die besonderen Aussagen hervorgehoben werden. Dies kann an einem PC/Laptop, am Tablet, am Smartphone oder auch auf einem Plakatpapier mit besonderen Farben gestaltet werden. In einer größeren Gruppe können die Jugendlichen in kleineren Gruppen arbeiten und dann ihre Arbeit sich gegenseitig präsentieren. Vielleicht findet sich auch die Möglichkeit diese Arbeit anderen zu präsentieren (über Schaukasten oder Homepage der Pfarrei), wenn die Gruppe damit einverstanden ist.
Variante Tagebucheintrag: Überlegt gemeinsam, was die Frau am Abend in ihr Tagebuch schreiben könnte.

Als liturgische Feier auf dem Weg...

…ist ein Buß- und Versöhnungsgottesdienst angebracht. Die Firmbewerberinnen und Firmbewerber können dabei zur Versöhnungsfeier der Pfarrgemeinde eingeladen werden, welche dann eigens auch jugendgerecht gestaltet wird, oder es wird ein Buß- und Versöhnungsgottesdienst im Anschluss bzw. in unmittelbarer Nähe zu dieser Einheit mit den Firmbewerberinnen und Firmbewerbern und ihren Vertrauenspersonen gefeiert.