Südtirol bietet eine große Vielfalt an besonderen Kraftplätzen, von denen viele auf eine äußerst lange Geschichte zurückblicken können. Ihre Spuren gehen bis in die Steinzeit zurück. Bereits damals haben Menschen es verstanden, sich für ihre Behausungen besondere Kraftplätze auszusuchen. Funde von Feuersteinwerkzeugen und Pfeilspitzen bestätigen, dass es sich um Wohnstätten oder sogar um Kultplätze handelt. In christlicher Zeit wurden an vielen dieser alten Kraftorte dann Kirchen erbaut.
In den kommenden Wochen wird Georg Oberrauch, geistlicher Assistent der Katholischen Männerbewegung, für die Leserinnen und Leser des „Katholischen Sonntagsblattes“ sieben einzigartige Plätze vorstellen. Wer diese Orte besucht oder sich mit dem Thema auseinandersetzt, das sich in diesem besonderen Platz zeigt, kann Zugang finden zu einer besonderen Kraftquelle. Zugleich bietet bereits die Wanderung zu diesen Zielen eine spirituelle Erfahrung.
Auf dem Gleifhügel und in seiner Umgebung dürfen Sie mehrere Kraftquellen entdecken. Drei besondere davon, die für ein vielfältiges Tagesprogramm sorgen, möchte ich hervorheben:
Der Gleifhügel – ein prähistorischer Kraftort
Von St. Michael/Eppan kommen wir über einen gemütlichen Spazierweg, der mit seinen Kreuzwegstationen auch als beliebter Besinnungsweg bekannt ist, hinauf bis zum Gleifhügel, auf dem eine Kirche steht. Der eigentliche Kraftplatz befindet sich aber hinter der Kirche: auffällige Felsformationen aus Porphyr, wo wir mehrere Spuren entdecken, die auf eine uralte Nutzung hinweisen.
Einige Vertiefungen im Fels erinnern an Mulden oder künstlich angelegte Sitze („Teufelssessel“). Wahrscheinlich sind sie durch Gletscher entstanden, aber dieser Platz war vermutlich auch ein prähistorischer Kultplatz. Wenn Sie sich dort niederlassen, spüren Sie die besondere Ausstrahlung dieses Ortes. Der wunderbare Panoramablick auf die Bergwelt und das Überetsch lädt ein zum Verweilen und vielleicht auch zum Meditieren.
Der Edith-Stein-Weg als Kraftquelle und Horizonterweiterung
Der Priester Pepi Stampfl hat in seiner Zeit als Pfarrer von St. Michael den Edith-Stein-Weg als Themen- und Besinnungsweg initiiert und gestaltet. Er führt von Eppan über die Gleifkirche zum Gasthof Steinegger, wo sich auf dem Hin- oder Rückweg allemal eine Einkehr lohnt, weiter bis zur Villa (oder Schloss) Matschatsch an der Mendelstraße. Der mit vielseitigen Skulpturen, Tafeln und Botschaften versehene Weg ist eine Einladung, sich mit dem Vermächtnis dieser deutschen Philosophin und Märtyrerin auseinanderzusetzen. Entlang des Weges finden sich mehrere Besinnungspunkte, die hervorragende Möglichkeiten bieten, die vielseitigen Erkenntnisse dieser Pionierin der Frauenrechte und interreligiösen Brückenbauerin als Kraftquelle fürs eigene Leben zu entdecken.
Die Eislöcher – ein einzigartiges Naturphänomen
Dieser besondere Kraftort ist ein Biotop und als solches geprägt von einer vielfältigen Flora mit über 600 verschiedenen Pflanzenarten. Namengebend ist die kalte Luft, die mit einer Temperatur von null bis neun Grad Celsius aus Felsöffnungen strömt. Besonders eindrücklich ist dieser Effekt an heißen Sommertagen: Er macht die Eislöcher zu einem erfrischenden Erlebnis und beliebten Ausflugsziel, an dem man die geheimen Kräfte der Natur hautnah erfahren kann.

