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Botschaften & Stellungnahmen

Allerheiligen - Allerseelen: Ein Wort der Hoffnung und des Trostes

Bischof Ivo Muser

Allerheiligen - Sonntag, 1. November 2026

An Allerheiligen und Allerseelen stehen weltweit wieder Millionen von Menschen an den Gräbern ihrer Verstorbenen: mit vielen Erinnerungen, in Dankbarkeit, mit Wertschätzung, mit Schuldgefühlen, mit dem Wunsch nach Versöhnung, mit offenen Fragen, in Trauer, nachdenklich, betend, hoffend. Wenigstens an diesen Tagen ist es vielen Menschen nicht möglich, den Tod zu verdrängen, den Gedanken an die Realität des Todes und des Sterbenmüssens.

In Südtirol gibt es jedes Jahr zwischen 40 und 50 Menschen, die sich selbst das Leben nehmen. Eine Tatsache, die besonders schmerzlich ist und über die gleichzeitig nur wenig, und viel zu wenig öffentlich und in Gemeinschaft, geredet wird.

Jede Selbsttötung ist tragisch und löst schmerzliche, bohrende Fragen aus, besonders im näheren Umfeld von Menschen, die sich das Leben genommen haben. Warum? Welche Signale wurden übersehen? Hätte die Tat verhindert werden können? Hat dieser Mensch zu wenig Zuwendung, Verständnis, Gesprächsbereitschaft bekommen? Beim Tod eines Menschen, der uns nahe stand - und besonders bei einem Suizid - fragen wir uns: Habe ich zu wenig geliebt? Solche Fragen können Angehörige lange begleiten. Sie bedeuten aber nicht, dass sie Schuld am Tod dieses Menschen tragen.

Auf diese Fragen gibt es keine schnellen und befriedigenden Antworten. Für den christlichen Glauben ist es wichtig, dass Gott allein Herr über Leben und Tod ist. Das Leben ist zuerst und vor allem ein Geschenk. Wir dürfen nicht über das Leben verfügen, über das fremde Leben nicht, und über das eigene nicht. Nicht am Lebensanfang und nicht am Lebensende. Gleichzeitig steht uns ein letztes Urteil über eine so schwerwiegende und folgenreiche Tat, wie es die Selbsttötung ist, nicht zu. Da sind höchste Zurückhaltung und Ehrfurcht geboten: im Denken, im Reden, in unserem Verhalten. Manchmal können wir nur mehr schweigen und aushalten. 

Trost kann uns der Glaube sein: Gott weiß um diesen Menschen. Er weiß, was wir nicht wissen, und oft auch nicht verstehen können. Im Gebet für den Menschen, der sich das Leben genommen hat, darf alles vorkommen: die Klage, das Weinen, der Schmerz, die Bitte um Vergebung und vor allem die Hoffnung, dass Gott auch das annimmt und erlöst, was wir an diesem Tod nicht verstehen können. Gläubige Menschen werden auch den Angehörigen mit Achtsamkeit und mit einfühlsamen Worten und Taten beistehen.

Auch Menschen, die selbst in tiefer Verzweiflung leben und keinen Ausweg mehr sehen, möchte ich sagen: Ihr seid nicht allein. Vertraut euch jemandem an und nehmt Hilfe an.

Der Tod wirft viele Fragen auf. Der christliche Glauben will uns helfen, diesen Fragen nicht auszuweichen. Das gibt unserem Leben Tiefgang, Orientierung und Halt.

Im Gebet und in österlicher Hoffnung bin ich allen verbunden – im Glauben an die Gemeinschaft der Heiligen, an die Auferstehung der Toten und an das ewige Leben.