Noch bei meinem letzten Besuch bei Professor Josef Gelmi Ende Juli sagte er zu mir: „Die schönste Zeit meines Lebens habe ich in Rom verbracht.“ Professor Gelmi hat Rom geliebt. Er kannte die Stadt und ihre Geschichte wie kaum ein anderer. Seine zahlreichen Publikationen widmeten sich vor allem der Geschichte des Papsttums und der Geschichte unserer Diözese.
Was mich an Professor Gelmi immer besonders beeindruckt hat: Er war Historiker mit Leib und Seele. Wie oft hat er zu mir gesagt: „Ich bin der Diözese vor allem deshalb dankbar, weil sie es mir ermöglicht hat, mein Hobby zum Beruf zu machen. Und mein Beruf war immer auch mein Hobby.“ Das können sicher auch die vielen Studierenden bestätigen, die er in seinen 34 Jahren an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Brixen unterrichtet hat. Er lehrte Kirchengeschichte, doch für ihn war das nie bloß trockene Wissenschaft. Ich traue mich zu sagen: Ihm ging es letztlich immer um die Liebe zur Kirche. Oft sagte er zu mir: „Gott ist größer als die Kirche. Durch die Geschichte habe ich gelernt, dass Gott auf krummen Zeilen gerade schreiben kann.“ Gleichzeitig habe ihn die Geschichte gelehrt, dass der Menschheit ohne die Botschaft Jesu und ohne den Beitrag der Kirche vieles fehlen würde. Er verschwieg dabei nie die Fehler der Kirche, die zur Kirchengeschichte ebenso gehören. Dennoch war er überzeugt: „Die Kirche ist viel besser als ihr Ruf.“
Josef Gelmi war einer jener Priester, die weit über die Grenzen unserer Diözese hinaus bekannt waren – vor allem durch ihre zahlreichen Publikationen im deutschen und italienischen Sprachraum. Einige seiner Werke wurden in weitere Sprachen übersetzt. Es war vor allem die Papstgeschichte, die ihn faszinierte, ja geradezu fesselte, ebenso wie die konkrete Geschichte unserer Diözese Brixen und Bozen-Brixen.
Ich denke mit großer Wertschätzung und Dankbarkeit an ihn und bin froh, dass ich ihn noch vor wenigen Tagen besuchen konnte. Bei dieser letzten Begegnung sagte er zu mir: „Jetzt kommt es wirklich auf das Entscheidende an – auf Gott und auf die Hoffnung auf den Himmel.“ Ich wünsche ihm von Herzen, dass sich diese Hoffnung nun erfüllt.
Eine Dimension hat Professor Gelmi in den letzten Jahren immer mehr schätzen gelernt: die Friedenstätigkeit der Kirche, besonders jene der Päpste im 20. und 21. Jahrhundert. Er hatte ein feines Gespür für den Beitrag der Kirche zum Frieden in unserem Land und war überzeugt, dass sie hier einen glaubwürdigen und wichtigen Dienst geleistet hat. Mit Josef Gelmi verlieren wir nicht nur einen bedeutenden Historiker, sondern auch einen liebenswürdigen, friedfertigen Menschen. Spannungen und Polarisierungen waren ihm fremd, und er wollte mit ihnen nichts zu tun haben.
