Katholisches Sonntagsblatt, Nummer 35/2026, 30. August 2026,
Als 1938 die ersten Comboni-Missionare peruanischen Boden betraten, kamen sie aus Südtirol. Viele folgten ihnen und stellten ihr Leben in den Dienst der Ärmsten. Heute sieht das anders aus: Es gibt nur noch einen Südtiroler Comboni-Missionar in Peru, P. Lino Eccher aus Neumarkt (85). „Ich würde es wieder tun. Man bekommt so viel von den Menschen zurück“, sagt er.
Es war eine andere Welt, in die P. Lino Eccher 1941 hineingeboren wurde: „Meine Kindheit in Südtirol stand im Zeichen des damals herrschenden Regimes, des Faschismus“, erzählt er. Seine Mutter stammte aus Innsbruck, sein Vater aus der Valsugana. Um sich den politischen Gegebenheiten anzupassen, wurde er in einen italienischen Kindergarten eingeschrieben. Italienisch wurde zu seiner Muttersprache.
Noch bevor er die fünfte Klasse Grundschule abgeschlossen hatte, trat er in das Seminar von Trient ein, wo er später die Matura ablegte. Seine Zukunft lag damals noch offen vor ihm. Im Seminar hatte er bereits viel über die Mission erfahren. „Ist das meine Bestimmung?“, fragte er sich.
Er suchte bei mehreren Verantwortlichen des Seminars Rat. Diese bestärkten ihn darin, den Weg in die Mission einzuschlagen. So wandte er sich an die Comboni-Missionare in Verona. Dort befand sich das Mutterhaus, dort fing einst alles mit einer Idee von Daniele Comboni an. „Afrika oder der Tod“ hatte sein Motto gelautet. Warum er letzten Endes ein Comboni-Missionar wurde, „ist ein Geheimnis, das nur Gott kennt“, sagt P. Lino heute.
Er studierte Theologie und wurde zum Priester geweiht. Dann konnte er zu seiner ersten Mission aufbrechen. Sein Wunschziel war Peru, auch weil dort bereits mehrere Südtiroler Missionare tätig waren. Zudem kannte er einen Bozner, der dort studiert hatte. „Er ist mir ein gutes Vorbild“, dachte sich P. Lino. Und dann waren da noch die Berge, die Anden, die ihn an seine Heimat erinnerten.
Von den 42 zum Priester geweihten Comboni-Missionaren seines Jahrgangs war P. Lino der Einzige, der nach Peru gehen wollte. So verwehrte man ihm seinen Wunsch nicht.
Nachdem er im Juni 1968 in Brixen zum Priester geweiht worden war, reiste er bereits im September desselben Jahres nach Peru und sollte dort sein ganzes Leben bleiben.
Den Großteil seines Wirkens widmete P. Lino der pastoralen Tätigkeit. Seine erste Mission führte ihn in die Anden auf 3.200 Metern Höhe. Nach fünf Jahren konnte er erstmals Urlaub in seiner Heimat Südtirol machen. Anschließend kam er auf eine Missionsstation auf 4.400 Metern Höhe. Die vergangenen 24 Jahre verbrachte er in Baños in den Anden.
In all den Jahren dachte er nie daran, Peru zu verlassen. „Das Klima ist fantastisch, es bleibt angenehm frisch. Und wenn man die Menschen erst einmal kennengelernt hat, dann ist man überzeugt, dass es sich lohnt, für sie da zu sein. Die Bewohner brauchen jemanden, der sich ihrer annimmt,“ meint P. Lino.
Vor fünf Jahren war P. Lino das letzte Mal in seiner alten Heimat Südtirol. „Die Veränderungen waren bei jedem Besuch deutlich sichtbar: Fortschritt, Fortschritt, Fortschritt. Es ist beeindruckend, wie sich Südtirol entwickelt hat.“ Gerade dieser Wohlstand sei wohl auch ein Grund dafür, dass es heute kaum noch Missionsnachwuchs gebe. „Wer im Wohlstand lebt, denkt oft weniger an jene, denen es schlechter geht. Südtirol ist eine privilegierte Region. Wer dort alles hat, was er braucht, fragt sich vielleicht: Warum sollte ich mich für Menschen aufopfern, die unter schwierigen materiellen und spirituellen Bedingungen leben?“
Ab und zu erwäge jemand diesen Weg, so P. Lino, „aber bei uns Comboni-Missionaren kann man die Interessierten an einer Hand abzählen.“ Für ihn aber war es die richtige Lebensentscheidung. Bereut hat er sie nicht. „Warum auch? Man bekommt so viel von den Menschen zurück“, resümiert P. Lino.
Text: Teresa Klotzner
