Aus: Katholisches Sonntagsblatt, Kirchenzeitung der Diözese Bozen-Brixen, 18. Oktober, Nummer 42/2026
Sitzungen, Diskussionen, Dienste: Wenn Sie eine persönliche Bilanz der Jahre im Pfarrgemeinderat ziehen: Hat es sich gelohnt?
Es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Die Arbeit mit anderen und für andere ist bereichernd. Im Pfarrgemeinderat kann man viel mitorganisieren, mitgestalten, mitmachen, ganz einfach für andere Leute da sein.
Was sind schöne, bereichernde Erlebnisse während Ihrer Zeit im Pfarrgemeinderat?
In Erinnerung geblieben sind mir sehr viele schöne Begegnungen. Also mit Leuten, die man auf der Straße trifft, wo man angesprochen wird auf die Arbeit im Pfarrgemeinderat, wo es manchmal auch Diskussionen gibt, wieso, warum und ob es sich lohnt, aber auch ob es Gott gibt. Es war nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen, aber es bleiben viele schöne Erinnerungen.
Aber es gibt sicher auch weniger Erfreuliches...
Sicher hat es manchmal Diskussionen gegeben, wie das gemacht wird. Aber Diskussionen braucht es. Sie helfen viel weiter, man kann lernen und darf sich weiterentwickeln.
Wie hat sich das Leben in der Pfarrei verändert, seit Sie vor vier Jahrzehnten Mitglied des Pfarrgemeinderats wurden?
Einmal sicher, dass sich die Zahl der Kirchenbesucher sehr reduziert hat. Das Interesse am Glauben ist nicht mehr so groß. Viele fühlen sich schon zur Kirche zugehörig, aber sie nehmen nicht mehr regelmäßig am kirchlichen Leben teil. Die Kirche ist jetzt auch „älter“ geworden, junge Familien fehlen, Jugendarbeit und Kinderarbeit sind schwierig. Positiv ist die Vorbereitung auf die Sakramente, die von Gruppen übernommen wurde. Wir haben ein Team für Erstkommunion und ein Firmteam für die Jugendlichen ab 16. Sie gestalten die Vorbereitung sehr interessant. Das ist aus meiner Sicht ein Erfolgsrelebnis, auch weil nicht erwartet wurde, dass so viele Jugendliche kommen und begeistert mitmachen.
Wenn wir die Zeit um einige Jahre zurückdrehen könnten: Würden Sie noch einmal kandidieren?
Ja! Es ist nicht immer so, dass man immer mit großer Begeisterung dabei ist. Es gibt auch Zeiten, wo es schwerfällt, wo es schwerfällig ist, wo man einfach wirklich keine Lust hat. Das muss ich schon zugeben, das habe ich öfter erlebt. Aber dann trifft man wieder jemanden, kommt in ein Gespräch und wird gefragt, wie man was macht und wie es ausschaut. Dann kommt wieder die Begeisterung.
Was würden Sie jemandem sagen, der überlegt, ob er oder sie sich zur Wahl stellen soll?
Wir haben erst vor ein paar Tagen jemanden für den Pfarrgemeinderat dazugewinnen können, damit habe ich eine Freude. Wir haben vor allem darauf hingewiesen, dass niemand für alles verantwortlich ist. Weniger ist mehr. Wir müssen keinen Aktivismus an den Tag legen, sondern sollten die Sachen, die wir machen, mit Begeisterung und gut machen. Wir müssen auch nicht schauen, dass wir möglichst viel machen. Wir müssen nicht dafür arbeiten, dass die Kirche wieder gefüllt ist. Es genügt, wenn wir das, was wir im Herzen spüren, versuchen weiterzugeben.
