Ein Beitrag aus dem Katholischen Sonntagsblatt, Nr. 32/2026, vom 9. August 2026
Sandra D’Onofrios Büro liegt zwar in der Bozner Sparkassenstraße, doch als Leiterin des Caritas-Dienstes Internationale Zusammenarbeit ist sie täglich mit der ganzen Welt verbunden: Regelmäßig tauscht sie sich mit Projektpartnern aus Afrika, Südamerika und Südosteuropa aus. Das läuft meistens über E-Mail oder WhatsApp, nur noch selten gibt es am anderen Ende der Leitung Schwierigkeiten mit der Internetverbindung. Die Caritas Südtirol engagiert sich in der Katastrophenhilfe und unterstützt Projekte zur Bekämpfung von Hunger, Armut und den Folgen des Klimawandels.
„Von den Vertretern der lokalen Partnerorganisationen werde ich laufend über den Fortschritt der Projekte informiert. Haben Sie unsere Spendengelder erhalten? Wie läuft die Umsetzung?“, gewährt D’Onofrio einen kleinen Einblick in ihren Arbeitsalltag. Auch die Spender werden durch Fotos und Artikel über die neuesten Entwicklungen informiert.
Ein Teil ihres Jobs besteht zudem darin, gemeinsam mit der YoungCaritas Bildungs- und Sensibilisierungsarbeit zu leisten und Projekte in Schulen und Pfarreien vorzustellen. Der andere Teil betrifft die Beantragung von Fördermitteln bei Land und Region für Projekte in der Entwicklungszusammenarbeit: Da übernimmt D’Onofrio die gesamte Abwicklung – von der Einreichung bis zur Endabrechnung.
Die Caritas Südtirol setzt derzeit 32 Projekte in elf afrikanischen Ländern um. Obwohl der Hunger laut Ernährungsbericht der Vereinten Nationen weltweit leicht zurückgeht, verschärft sich in Afrika die Situation. Sandra D’Onofrio bleibt trotzdem optimistisch. „Es geht auf jeden Fall etwas voran“, sagt sie. Im großen Rahmen könne man die Welt nicht verändern. „Wir erleben aber immer wieder, dass es die kleinen Einsätze sind, die über einen längeren Zeitraum einen Unterschied machen.“ Immer wieder begegnet Sandra D’Onofrio Menschen, die dank Spenden eine Ausbildung absolvieren konnten – etwas, das ihnen sonst nicht möglich gewesen wäre. Heute geben sie ihr Wissen selbst an junge Menschen weiter.
Auch einige Landwirtschaftsprojekte veranschaulichen langfristige Erfolge: Sie bestehen oft noch viele Jahre später weiter, Dorfgemeinschaften führen sie eigenständig fort, und Brunnen oder kleine Wasserversorgungssysteme funktionieren auch nach 20 Jahren noch zuverlässig. „Wir haben wirklich viele Beispiele dafür, dass unsere Aktionen und die eingesetzten Spendengelder einen ganz konkreten und langfristigen Nutzen haben“, sagt die Leiterin des Caritas-Dienstes Internationale Zusammenarbeit. Da bleibe kaum Platz für Frustration. Wenn es mal hapere, dann oft an bürokratischen Hürden. „Aber in den fünf Jahren, die ich nun bei der Caritas arbeite, hat bisher immer alles ein gutes Ende genommen.“
Vor ihrer Tätigkeit bei der Caritas Südtirol sammelte D’Onofrio verschiedene berufliche Erfahrungen und war u. a. im Marketingbereich tätig. Die freie Stelle bei der Hilfsorganisation führte sie wieder dorthin, wo ihre berufliche Laufbahn ihren Anfang genommen hatte.
Nach ihrem Bachelorstudium der Politikwissenschaft absolvierte sie ein Masterstudium in Anthropologie und Entwicklungszusammenarbeit an der Universität Mailand. Während ihres Studiums besuchte sie das erste Mal Afrika. „Ein Priester hatte Studienkollegen und mich nach Angola eingeladen, wo er einige kleinere soziale Projekte betreute“, erinnert sich D’Onofrio. Aus der ersten Kennenlernreise, die einen Monat dauerte, entwickelte sich eine langjährige Zusammenarbeit. Die Boznerin verbrachte insgesamt drei Jahre in Angola – einmal etwa ein Jahr am Stück und anschließend mehrere weitere Aufenthalte von sechs beziehungsweise fünf Monaten. „Es gelang uns, für den Umbau einer Grundschule in Ganda in Angola einen finanziellen Beitrag des Landes Südtirol zu erhalten“, schildert sie. Anschließend arbeitete sie eine Zeit lang für eine kleine italienische Hilfsorganisation, die den Aufbau eines Gesundheitszentrums unterstützte. „Ich selbst habe aber weder eine pädagogische noch eine medizinische Ausbildung. Meine Aufgaben lagen vielmehr in der Organisation der Projekte – von der Baukoordination über Verträge bis hin zur Finanzierung und administrativen Abwicklung“, erzählt sie.
Beruflich ist sie immer noch in fernen Ländern unterwegs. Mindestens einmal im Jahr besuchen Vertreter der Caritas Südtirol einen Projektpartner vor Ort. Das sind sehr prägende Erlebnisse. „Die Reise nach Kenia heuer hat mich sehr bewegt“, berichtet D’Onofrio. Bei einem Besuch in einem Jugendzentrum, das von Ordensschwestern in einem Slum von Nairobi geführt wird, führten sie ein Gespräch, das ihr besonders in Erinnerung geblieben ist. „Es ging dabei nicht um die Projekte, sondern um unsere persönlichen Erfahrungen als Frauen. Wir sprachen darüber, wie schwierig die Lebensbedingungen im Slum gerade für Frauen und Mütter sind. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, wie viel sich verändern kann, wenn man jungen Frauen die Möglichkeit gibt, sich eine eigene Perspektive aufzubauen.“
Sandra D’Onofrio ist überzeugt, dass man mit einer kleinen Geste bereits einen Unterschied machen kann. In diesen Tagen läuft die Spenden- und Sensibilisierungskampagne der Caritas „Hunger kennt keine Ferien“ (siehe eigene Berichte). Wie viele Hilfsorganisationen habe auch die Caritas europaweit einen Rückgang des Spendenaufkommens festgestellt. Dennoch sei der Solidaritätsgedanke in Südtirol weiterhin stark verankert. „Vielleicht waren es früher 50 Euro und heute 20 Euro – aber die Bereitschaft zu helfen ist weiterhin da. Das sehen wir auch an der Treue unserer Spenderinnen und Spender.“
Teresa Klotzner
