Dieser Beitrag ist im Katholischen Sonntagsblatt vom 21.9.2026 erschienen
Welche Musik passt in den Kirchenraum? Diese spannende Frage behandelt eine Arbeitsgruppe bei der Pastoraltagung am 18. September in Brixen. Geleitet wird der Workshop vom Kirchenmusikreferenten Dominik Bernhard. Was sagt er zum Helene-Fischer-Hit bei der Trauung oder dem Musical „Cats“ im Altarraum?
Ein Freizeitchor, der die Sonntagsmesse mit Popsongs aufhübscht und nach dem Schlusssegen Applaus erntet; ein Paar, das sich bei der Trauung Helene Fischers „Nur mit dir“ wünscht; beim Begräbnis soll der Lieblingssong des Verstorbenen erklingen, „Tears in Heaven“ von Eric Clapton: Passt das alles und mehr in den heiligen Raum?
„Musik ist die Sprache Gottes. Wir können sie gerne in die Kirche holen, aber wir sollten genau hinschauen, ob sie auch wirklich in Richtung Gott führt oder ob sie irgendwelche anderen Dinge verherrlicht“, sagt Dominik Bernhard, seit 2018 Referent für Kirchenmusik der Diözese Bozen-Brixen. Die Antwort auf die Frage, welche Musik in die Kirche passe, ist daher vor allem in der Botschaft zu finden, die eine Komposition vermittelt.
Auf die Botschaft der Musik achten
Bei geistlichen Werken ist dieser Einklang mit christlichen Inhalten und Werten keine Frage. Aber bei Popsongs, die zum Beispiel bei Taufe, Trauung oder Beerdigung immer wieder auf der Wunschliste stehen? „Solche Wünsche sollten wir prinzipiell ernst nehmen“, betont der Kirchenmusiker. Ernst nehmen bedeutet konkret, Zeit finden für ein Gespräch: Warum ist den Eltern, einem Brautpaar oder den Angehörigen dieses Lied so wichtig? Welche Inhalte werden darin vermittelt? Sehr oft entstünden aus diesen Gesprächen und mit genauerem Blick auf die Texte wunderbare Anknüpfungspunkte für eine Predigt oder eine Ansprache bei der Feier. Eine gute Frage ist freilich, welchen Platz in der liturgischen Feier die Lieder oder Musikstücke besetzen dürfen: Also bei einem Sonntagsgottesdienst mit fünf oder sieben Gospelsongs für Schwung und Stimmung sorgen, ausgestreut auf die Teile der Messfeier?
Gloria und Sanctus sind Fixpunkte
Das geht nicht, der liturgische Rahmen müsse auf jeden Fall beachtet werden, unterstreicht Bernhard. Bei Wort-Gottes-Feiern gebe es „mehr Spielraum“ für die Gestaltung. Bei der Eucharistiefeier dagegen sind zumindest Gloria und Sanctus unverrückbar, der liturgische Text müsse auch musikalisch umgesetzt sein. „An den meisten anderen Stellen kann man aber viel Flexibilität hineinbringen“, mit etwas liturgischem Feingefühl lasse sich die musikalische Mitgestaltung der Eucharistiefeier sehr gut mit dem liturgischen Ablauf verbinden.
Ein viel diskutiertes Thema – und damit auch auf der Tagesordnung bei der Pastoraltagung – sind Konzerte in der Kirche. Es liegt auf der Hand, dass in den Pfarreien gerne um das Gotteshaus angefragt wird: Kirchen bieten Platz und im Normalfall eine feine Akustik, sie schaffen eine alltagsferne Atmosphäre und in vielen Fällen wird keine Saalmiete verlangt. Der ideale Konzertsaal also! „Wir erleben leider, dass der Kirchenraum oft recht unreflektiert bespielt wird“, beobachtet Bernhard. Die Faustregel „Klassik geht immer, bei anderem genauer hinschauen“ sei wenig zielführend. Auch hier komme es darauf an, Inhalt und Hintergrund der Werke auf dem Programmzettel zu beleuchten. So verherrliche zum Beispiel das gerne dargebotene Stück „The Gladiator“ einen Kriegsherren, was nur begrenzt in einen kirchlichen Kontext passe. Ganz „weltliche“ Kompositionen wie ein Musical müssten aber nicht kategorisch vor die Kirchentür verbannt werden. Bernhard spricht sich dafür aus, auch mit etwas „fremderen“ musikalischen Werken in Kontakt zu kommen. In solchen Fällen könnte zum Beispiel ein Priester oder jemand aus der Pfarrei beim Konzert eine Verbindung zum Gotteshaus herstellen.
Martin Lercher
Hinweise: Richtlinien zur Musik in der Liturgie und Konzerten in Kirchen gibt es auf www.kirchenmusik.it.
Dominik Bernhard war am Sonntag, 13. September, zu Gast im Podcast „Martins Sonn(der)tag“. Er ist kostenlos abrufbar auf Südtirol Online (stol.it).
ZUR PERSON
1982 im Allgäu (Bezirk Lindau) geboren; Studium an der Hochschule für Musik und Theater München (Katholische Kirchenmusik, Konzertfach Orgel); seit 2018 diözesaner Referent für Kirchenmusik beim Verband der Kirchenmusik; Leiter des Stiftspfarrchores Gries und des Jugendchores der Kantorei Leonhard Lechner; ausgezeichnet bei mehreren Orgelwettbewerben.
