Aus: Katholisches Sonntagsblatt, Kirchenzeitung der Diözese Bozen-Brixen, 11. Oktober, Nummer 41/2026
Für Sie als Dekan und Pfarrer von vielen Pfarreien: Welchen Mehrwert bringt der Pfarrgemeinderat, was würde ohne ihn verloren gehen?
Andreas Seehauser: Ein Pfarrgemeinderat ist für die Zukunft der Pfarreien sehr wichtig. Denn bei ihm laufen die Fäden des Pfarrlebens zusammen. Wenn ein Pfarrgemeinderat gut funktioniert, wenn er getragen ist von der Botschaft Jesu und es ihm gelingt, viele Menschen in die pastorale Tätigkeit vor Ort einzubinden, dann wird das christliche Leben vor Ort lebendig bleiben. Ohne ihn würde langsam vieles wegbrechen und aufhören.
Fast 40 Jahre nach der Einführung der Pfarrgemeinderäte haben sich die Rahmenbedingungen verändert. Welche Entwicklungen beobachten Sie, wo sehen Sie Chancen für eine zeitgemäße Weiterentwicklung?
Die Entwicklung geht ganz klar in Richtung Mitverantwortung, aber nicht allein, sondern in Gemeinschaft, als Team. Dafür ist auch das Pastoralteam mit den fünf Aufgabenbereichen bzw. Zuständigkeiten gedacht. Wir müssen vermehrt lernen, gemeinsam zu denken, abzuwägen, zu entscheiden und dann je nach Aufgabenbereich zu handeln. Das bringt die Chance mit sich, sich voll mit den eigenen Fähigkeiten einzubringen und dabei sich auch selbst weiterzuentwickeln, ohne jedoch Gefahr zu laufen, dass eine Person an alles denken und tun muss und dadurch durch die Verantwortung und die Arbeit überfordert wird, oder sich allein in den eigenen Gedankengängen und Vorlieben verliert.
Braucht es Ihrer Meinung nach neue oder ergänzende Formen, um die Mitwirkung und Mitverantwortung der Gläubigen stärker zu fördern?
Es braucht sicher gezielte Fortbildung. Denn ohne Grundwissen ist qualitativ gutes und verantwortungsvolles Mitwirken nicht möglich.
Sie leiten die Seelsorgeeinheit Wipptal: Welche Aufgaben und Formen der Mitwirkung lassen sich sinnvoll auf Ebene der einzelnen Pfarrei gestalten?
Der Pfarrgemeinderat, beziehungsweise das Pastoralteam, ist das Leitungsteam der Seelsorge vor Ort. In Absprache mit dem zuständigen Pfarrer und den Beschlüssen des Pfarreienrates hat er die Aufgabe, die organisatorische Planung und Durchführung des Pfarrlebens mit Hilfe von möglichst vielen weiteren Mitarbeitern zu leiten. Die Mitglieder des Pfarrgemeinderates sind für die Gläubigen und die kirchlichen und außerkirchlichen Vereine die Ansprechpersonen in den jeweiligen Bereichen. Eine Hilfe dabei ist ein zumindest teilweise geöffnetes Pfarrbüro und das Pfarrblatt. Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Verwaltung. Diesbezüglich führt der Pfarrvermögensrat in Absprache mit dem Pfarrer alle Tätigkeiten der Verwaltung durch.
Wo bietet eine Zusammenarbeit über Pfarrgrenzen hinweg besondere Chancen?
Überpfarrliche Zusammenarbeit geschieht einmal durch den Pfarreienrat anhand der gemeinsamen Entwicklung von pastoralen Initiativen. Dazu gehören die Ausarbeitung von Gottesdienstplänen, die Begleitung der Vorbereitung auf die Sakramente auf Ebene der Seelsorgeeinheit oder zum Beispiel das Angebot von Fortbildungen, Wallfahrten und Bibelgesprächen. Aber auch einzelne benachbarte Pfarreien können sich in bestimmten Bereichen zusammentun, um Synergien zu schaffen und kirchliche oder liturgische Angebote besser anbieten zu können.
Interview: Martin Lercher (ler)
