Erschienen im Katholischen Sonntagsblatt vom 14. Juni 2026
200, vielleicht sogar 300 Kerzen wird Bischof Ivo Muser am 18. Juni im Dom von Bozen entzünden – für jene Maturantinnen und Maturanten, die über die Aktion „Be Blessed!“ dieses Zeichen der Unterstützung und einen digitalen Segen erhalten. Bischof Muser erinnert sich an seine eigene Reifeprüfung und erklärt, was ein solcher Segen bewirkt.
Herr Bischof, was ist Ihnen von der eigenen Maturaprüfung in Erinnerung geblieben?
Sehr viel: Der Deutschaufsatz mit dem spannenden Thema der Macht in der deutschen Literatur; die zwei Fehler, die fast alle in unserer Klasse bei der schriftlichen Lateinarbeit gemacht haben; die beiden mündlichen Prüfungen in Philosophie und Italienisch. Ich weiß noch genau die Fragen, die mir gestellt wurden, und, und, und… So wichtig habe ich die Matura erlebt! Wenige Prüfungen – und ich habe viele gemacht – sind mir bis in kleinste Details hinein so in Erinnerung geblieben wie die Matura. Bis heute – und immerhin war meine Matura vor 45 Jahren am Humanistischen Gymnasium in Bruneck.
Die Reifeprüfung ist eine Wegkreuzung des Lebens: War für Sie damals schon klar, wie es weitergeht?
Ja. Theologie oder Medizin? Aber im Letzten hatte die Medizin bei mir keine echte Chance. Ich wollte immer Priester werden, auch wenn in der Zeit der Matura diese „Kindheitsentscheidung“ stark herausgefordert wurde. Ich bin mir bis heute sicher: Wenn nicht die Theologie „gesiegt“ hätte und wenn ich nicht Priester geworden wäre, dann wäre mein Leben nicht in die richtige Richtung gegangen.
Was könnten junge Menschen bei der Berufswahl besonders berücksichtigen?
Die Frage: Wie kann ich meine Fähigkeiten und meine Möglichkeiten, das, was mir liegt und was ich kann, so einsetzen, dass es nicht nur mir, sondern auch anderen nützt? Jeder Beruf kann zur Berufung werden. Aber man muss sich entscheiden. Sich alle Möglichkeiten offenzuhalten, klingt verlockend, ist aber nicht die beste Entscheidung.
Bei der Aktion „Be Blessed!“ werden im Dom von Bozen Kerzen angezündet, Maturantinnen und Maturanten, die sich angemeldet haben, erhalten einen digitalen Segensgruß. Ist dieser Segen eine zusätzliche himmlische Hilfe?
Selbstverständlich, sonst hätte eine solche Aktion keinen Inhalt und wäre ein Etikettenschwindel. Ich lasse mir von Gott her ein „gutes Wort“ zusagen. Ich bin nicht allein. Es kommt nicht nur auf mich an. Menschen beten für mich. Gott will nur, dass mein Leben gelingt – auch durch Brüche und Umwege hindurch. Die angezündete Kerze ist ein Zeichen des Schutzes und des Gebetes für unsere Maturantinnen und Maturanten.
Als Bischof erteilen Sie sehr oft den Segen: Was sind dabei Ihre Gedanken?
Das gehört zu meinen schönsten Aufgaben. Ich könnte von vielen bewegenden Segensmomenten erzählen. Persönlich erlebe ich mich beim Segnen im Dienst eines Größeren, der mich übersteigt. Beim Segnen erlebe ich oft, schlicht und unmittelbar, warum ich Priester und Bischof bin.
Martin Lercher
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