Liebe Festgemeinschaft, liebe Mitbrüder und liebe Seminaristen, liebe Ministrantinnen und Ministranten, geehrte Vertreter und Vertreterinnen des öffentlichen Lebens, liebe Mitglieder der Vereine und Verbände, cara comunità in festa, stimate autorità, voi tutti che siete collegati con noi attraverso Radio Sacra Famiglia e Radio Grüne Welle, fredesc y sorus!
Das Osterevangelium, das uns jetzt verkündet worden ist, erzählt uns davon, dass die Jünger Jesu nach der Katastrophe des Karfreitags wieder in ihre Heimat Galiläa zurückgekehrt sind. Was sollen sie jetzt tun? Als gelernte und erfahrene Fischer nehmen sie wieder ihren Beruf auf – erfolglos. Sie erkennen Jesus zunächst nicht. Erst sein Wort, die Netze auf der rechten Seite des Bootes auszuwerfen, bringt sie auf die richtige Spur. „Es ist der Herr!“ – ruft der Jünger aus, den Jesus besonders liebte. Christlichen Glauben gibt es nur in der Begegnung mit dem Auferstandenen und auf sein Wort hin. Kirche ohne Christus hat keinen Sinn und keine Berechtigung!
„Es ist der Herr!“ Dieses Osterbekenntnis verbindet uns mit dem Anfang der Kirche, mit dem Glauben der Apostel. Dass dieser Osterglaube auch unser Land erreicht hat, dafür stehen stellvertretend Kassian und Vigilius, unsere Diözesanpatrone. Auch wenn ihr Festtag jetzt in der ganzen Diözese im August – in diesem Jahr am Sonntag, 9. August - gefeiert wird, feiern wir hier in Brixen weiterhin am heutigen 3. Ostersonntag diesen Festgottesdienst und die große Prozession mit ihren Reliquien, aber auch mit den Reliquienbüsten unserer Bischöfe Ingenuin, Albuin und Hartmann und genauso mit den Reliquien der heiligen Agnes, Christina und Odilia.
Als Christinnen und Christen werden wir in unserer Gesellschaft zunehmend zu Angefragten und Hinterfragten. Wir müssen wissen, wer wir sind und wofür wir stehen – auch in der Begegnung mit Menschen anderer Religionen, Kulturen und Weltanschauungen, die unter uns leben und die auch das Recht haben ihre Religion und Überzeugung öffentlich zu zeigen und zu praktizieren. Polemik und das Schüren von Ängsten sind keine christliche Haltung! Den populistischen und aggressiven Stimmen, die immer mehr zu hören sind, sollten wir keine Aufmerksamkeit schenken. Sorge bereiten mir nicht die Präsenz der Menschen anderer Religionen und Kulturen, sondern die schwindende Beziehung zum Glauben und zur Kirche und die Gleichgültigkeit in den eigenen Reihen. Dass viele unserer Kirchen zu groß geworden sind, weil so viele sich schon längst daran gewöhnt haben, den Gottesdienst an Sonn- und Feiertagen nicht mehr mitzufeiern, dass nicht wenige Pfarrgemeinden um ihren Weiterbestand bangen, dass Priester- und Ordensberufungen so selten geworden sind, sagt viel aus über uns und über unsere Zukunft. Der größte Mangel, den wir in unserer Diözese haben, ist der Gläubigenmangel! Für mich geht es da nicht nur um eine Kirchenkrise, die festgemacht wird an bestimmten Themen. Es geht tiefer, es geht an die Substanz: Es geht um die Frage nach Gott und was Gott bedeutet für uns und für die Gestaltung unserer Gesellschaft.
Christlicher Glaube zeigt sich nicht bei einigen Ausnahmegelegenheiten – wie der schöne Anlass, der uns heute zusammengeführt hat. Ein bloßes Traditions- oder Gelegenheitschristentum, das dann und wann aus der Schublade herausgeholt wird, wird nicht überleben und nicht überzeugen. Es genügt nicht, ein Kind zu taufen und es dann nicht in den Glauben der Kirche hineinzuführen. Es muss nachdenklich machen, wenn Erstkommunionfeiern zwar schön und aufwendig gestaltet werden, aber wenn sie nicht mehr der Beginn eines regelmäßigen Kommunionempfangs sind. Es überzeugt nicht, die sogenannten „christlichen Wurzeln und Werte“ in Diskussionen und Sonntagsreden zu bemühen, wenn sie nicht alltagstauglich sind.
Besonders unterstreichen will ich auch die soziale Dimension, ohne die sich der Glaube nicht christlich nennen darf: die Bereitschaft zum Frieden und zur Gewaltlosigkeit, der Einsatz für den Schutz des menschlichen Lebens, die Nachbarschaftshilfe, das Ehrenamt, die Bereitschaft, soziale, karitative Projekte mitzutragen und zu unterstützen, das persönliche und strukturelle Teilen mit jenen, die auf Hilfe angewiesen sind, der ehrfürchtige und respektvolle Umgang mit der Schöpfung. Gerade wir in Südtirol leben in einem begnadeten Flecken von Gottes Schöpfung, der uns das Staunen wirklich nicht schwer macht!
Wir erleben es immer deutlicher, dass eine Gesellschaft, die im Gastgewerbe, in der Mobilität, in der Freizeitindustrie, im Handel und in vielen anderen Wirtschafts- und Lebensbereichen auf ständig mehr Wachstum setzt, an eine deutliche Grenze stößt. Da ist etwas aus dem Lot geraten. Wer wagt es noch zu sagen: Es ist genug! Grenzenloses Wachstum und begrenzte Ressourcen gehen eben nicht zusammen. Wir brauchen Entschleunigung, ein aufmerksames Innehalten und auch bewussten Verzicht.
Wir leben in einem reichen Land. Gleichzeitig erleben wir auch in Südtirol: Materieller Wohlstand und Konsumsteigerung allein haben die Menschen nicht glücklicher und nicht zufriedener gemacht. Ich sage es, weil es uns alle betrifft und auf keinen Fall mit einem erhobenen Zeigefinger: Psychische Krankheiten, Depressionen, die Erfahrung von Einsamkeit und Sinnlosigkeit nehmen zu – nicht zuletzt unter jungen Menschen. Anlass zu Sorge bietet die Einstellung, wo vor allem in Anspruchskategorien gedacht wird. Dankbarkeit und Maß sind für viele keine Leitwerte mehr. Ein Denken und Handeln, die vor allem auf ständigem Wachstum, Leistung, Profit, Konsum und steigenden Forderungen beruhen, tun uns persönlich und als Gesellschaft nicht gut und sind die Wurzel globaler Fehlentwicklungen wie soziale Ungleichheit, ökologische Blindheit, Nationalismen.
Con la processione di San Cassiano ricordiamo e onoriamo oggi tutti i beati e i santi della nostra diocesi, tra di loro anche il martire Josef Mayr - Nusser, un cristiano convinto fino in fondo. Era fiero della sua identità di cattolico. Per lui la fede cristiana non era una realtà formale, di facciata, di eccezione, ma la fonte del suo essere discepolo di Gesù.
In un discorso egli afferma: “Vogliamo essere lievito e cercare di trasformare questo nostro mondo dal di dentro in spirito cristiano, con l’esempio e la parola”. È un’impresa che richiede coraggio – negli anni bui delle dittature e della guerra del secolo scorso e anche oggi. Le sue parole rimangono attualissime: „La testimonianza è il nostro compito e la nostra arma… Portiamo in noi la luce della verità, Cristo. Ma non portiamola timidamente per noi soli”.
E ai suoi giovani dell’azione cattolica diceva: “Quale forza emana da un giovane che semplicemente vive da cristiano. Dobbiamo essere testimoni! … Lo diventiamo alla sacra sorgente dell’altare. È lì che sentiamo la Parola di Cristo, è lì che ci nutriamo del Corpo di Cristo”.
La straordinaria personalità di questo cristiano laico arricchisce davvero la comunità dei nostri santi e beati diocesani: con il suo coraggio di essere testimone di Cristo e del suo vangelo, con la formazione della propria coscienza, con il suo impegno caritativo, con il suo NO deciso a Hitler che ci ricorda che solo Dio è il Signore della storia e della vita e solo a lui spetta la nostra adorazione e la nostra preghiera.
Portare le reliquie dei santi Cassiano e Vigilio e degli altri santi e beati della nostra diocesi in processione ci ricorda il nostro compito missionario oggi: adesso tocca a noi! Oggi la trasmissione della fede è affidata alla nostra responsabilità. Oggi c’è bisogno di noi. Oggi anche tramite noi si decide se la storia della fede cristiana proseguirà e continuerà ad essere scritta. Non sono gli altri a mettere in pericolo la nostra fede. Dipende da noi! Dipende da noi se vogliamo ancora essere e rimanere cristiani!
Übermorgen, am 21. April, jährt sich zum ersten Mal der Todestag von Papst Franziskus. Viele Bilder, Anliegen und Aussagen seines Pontifikats sind in vielen von uns noch lebendig. Die Worte aus seinem Apostolischen Schreiben „Evangelii gaudium“ mögen uns begleiten und Mut machen für die Prozession, auf die es ankommt, für den Pilgerweg unseres Lebens: „Die Freude des Evangeliums erfüllt das Herz und das gesamte Leben derer, die Jesus begegnen… Mit Jesus Christus kommt immer – und immer wieder – die Freude“.
