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Katholisches Sonntagsbaltt

Kirchliche Begräbnisfeiern: "Einsatz von Laien ist ein Mehrwert"

Derzeit sind in der Diözese 46 Laien beauftragt, kirchliche Begräbnisfeiern zu leiten. Da in den nächsten Jahren der Bedarf steigen wird, wird im Herbst eine neue Ausbildung angeboten. Liturgiereferent Tobias Simonini erklärt, warum kirchliche Begräbnisfeiern nach wie vor gewünscht werden, während gleichzeitig der Trend zu individuelleren Gestaltungen zunimmt.

Seit wann gibt es die Ausbildung für Laien ?

Tobias Simonini: Die erste Ausbildung im Jahr 2018 wurde vor allem von Ständigen Diakonen und noch von sehr wenigen Frauen absolviert.  Beim zweiten Kurs 2023 waren bereits zwei Drittel der Teilnehmenden weiblich. Derzeit sind 46 Personen beauftragt, in unserer Diözese kirchliche Begräbnisfeiern zu leiten. Die Beauftragungen werden in den meisten Fällen auf Ebene der Seelsorgeeinheit ausgestellt.

 

Wie ist das Bewusstsein für diese neue Form der Begräbnisfeierlichkeiten?

Wenn Laien vor Ort im Einsatz sind, sind die Rückmeldungen durchwegs sehr positiv.  Es werden die Bereitschaft, das Gespräch und die Gestaltung der Feier geschätzt und als Mehrwert für die pastorale Vielfalt vor Ort empfunden. Es gibt einige Seelsorgeeinheiten oder Pfarreien, in denen die beauftragten Laien noch nicht zum Einsatz kommen. In diesen sind zumeist genügend Seelsorgende vor Ort, sodass die Begräbnisdienste noch ausreichend abgedeckt werden können.

 

Es gibt aber nach wie vor Priester, die sich gegen einen Einsatz von Laien sträuben.

Trauer und der Verlust eines lieben Menschen sind immer seelsorgliche Situationen, in denen ein Priester als Seelsorger bei den Menschen sein kann. Deshalb ist es ein Stück weit verständlich, dass sich Priester diese pastorale Chance nicht nehmen lassen wollen.  Aus Rückmeldungen einiger Pfarreien geht hervor, dass der Mehrwert seelsorgerlicher Gespräche von den Hinterbliebenen geschätzt wird.

 

Wie groß ist nach wie vor der Wunsch nach einer christlichen Begräbnisfeier?

Wir nehmen auch in Zeiten abnehmender kirchlicher Sozialisierung wahr, dass Hinterbliebene eine kirchliche Begräbnisfeier wünschen. Um diese Anzahl an Begräbnisfeiern aufrechterhalten zu können, müssen wir Laien dazu beauftragen, die Feierform, wie sie im Begräbnis-Manuale vorgesehen ist, zu leiten.  

 

Was macht das Charakteristische und Spezifische eines christlichen Begräbnisses aus?

Die kirchliche Begräbnisfeier lebt von der Hoffnung auf Auferstehung, lebt davon, dass mit dem Tod nicht alles zu Ende ist, nimmt Trauer ernst, benennt Verlust und Zweifel, ist letztlich doch davon überzeugt, dass wir nach dem Tod nahe bei Gott sein können und sein dürfen. Diese christliche Hoffnung ist Motivation und Überzeugung, die in der kirchlichen Begräbnisfeier zum Ausdruck kommt und nicht nur vertröstet, sondern Trost spendet. 

 

Ist die Begräbnisfeier prinzipiell im Wandel?

Jede Religion hat ihre Jenseitsvorstellung bzw. ihr Ritual, mit dem Verstorbene verabschiedet werden. Neu ist, dass es neben diesen historisch gewachsenen bzw. aus dem Glauben heraus entstandenen Ritualen auch sogenannte freie Begräbnisfeiern gibt, die im deutschsprachigen Raum derzeit stark zunehmen. Diese Feierformen können sehr wohl auf den Gemeindefriedhöfen stattfinden, kirchliche Einrichtungen dürfen dafür aber nicht Verwendung finden. Das betrifft auch Gedenkveranstaltungen, die nicht mit dem Totengebet oder dem kirchlichen Verabschiedungsgebet zusammenhängen. Ob in Zukunft freie Verabschiedungsfeiern in sogenannten Trauerhallen von Bestattungsunternehmen oder im örtlichen Vereinshaus abgehalten werden, ist eine andere Frage. 

 

Gibt es auch bei uns zunehmend mehr freie Begräbnisfeiern?

Auch in Südtirol gibt es Bestattungsunternehmen, die eine Alternative zu den traditionellen kirchlichen Begräbnisfeiern anbieten. Überwiegend gibt es aber nach wie vor das klassische kirchliche Begräbnis, das aber nicht mehr eine Monopolstellung hat. 

 

In der Seelsorgeeinheit Wipptal sah man sich im vergangenen Herbst gezwungen, allgemeine Hinweise für Seelenrosenkränze, den Aufbahrungsmodus und die Feiern der Beerdigungsgottesdienste herauszugeben. Warum wurde das notwendig?

Wir nehmen in unserer Zeit einen Trend hin zur Individualisierung wahr.  Das Individuelle, das eine Grundsehnsucht des Menschen und kennzeichnend für unsere Zeit ist, wird auch für Verabschiedungsfeiern gewünscht. Die kirchliche Begräbnisfeier und auch das Totengebet geben aber einen gewissen Rahmen und Ablauf vor. Die spannende Herausforderung für Leitende ist, inwieweit persönliche Elemente eingebaut werden können. Dazu steht das Liturgiereferat beratend zur Seite. In jeder kirchlichen Begräbnisfeier geht es um die Hoffnung auf Auferstehung. Das bedeutet auch, dass Verstorbene  im Ablauf der Feier hinter diese christliche Hoffnung zurücktreten. Es braucht Richtlinien, weil in der Trauer natürlich der Wunsch sehr groß ist, den Verstorbenen hochleben zu lassen. Der Verstorbene ist im Sarg oder der Urne präsent, deshalb braucht es kein überdimensionales Foto. Das Vortragen des Lebenslaufs ist ein Element, das sich am Beginn oder nach der Auslegung einfügt, ist aber im eigentlichen Ablauf der Begräbnisfeier nicht vorgesehen.

 

Sollte in einer menschlichen Ausnahmesituation nicht auch auf persönliche Bedürfnisse eingegangen werden?

Es stellt sich die Frage, was Liturgie leisten kann und leisten möchte. Eine Begräbnisfeier ist ein Schritt auf dem Weg der Trauerbewältigung. Daher werden auch überladene Wünsche laut. Aber es gilt, die liturgischen Orte zu respektieren. So sollte der Blumenschmuck Altar und Ambo nicht verdecken, weil die christlichen Symbole mit ihrer starken Aussagekraft Verwendung finden: die Osterkerze, die an den Sarg gestellt wird, das Kreuz, die Zeichenhandlungen. Häufig gibt es auch den Wunsch nach sehr persönlichen Liedgestaltungen. Auch dabei muss bedacht werden, dass die Liturgie gewisse Gesänge als Fixpunkte vorsieht.  Es wäre auch wünschenswert, dass die Gemeinde an ausgewählten Momenten der Feier mitsingen kann. Ein Lied, das den Hinterbliebenen wichtig ist, kann vor der liturgischen Feier oder im Nachklang seinen Platz finden.  Wenn Eucharistie gefeiert wird, bringt sich die ganze Gemeinde gleichsam in den eucharistischen Gaben dar; alle sind deshalb eingeladen, zur Kommunion zu gehen.

 

Welche Voraussetzungen sind für den Kurs  erforderlich?

Voraussetzung ist, dass man die Ausbildung zur Leitung von Wort-Gottes-Feiern abgeschlossen hat und als Leiter bzw. Leiterin bereits im Einsatz ist, weil wir auf der Erfahrung in der Leitung aufbauen wollen. Der lange Ausbildungsabschnitt mag verwundern. Tatsächlich sind es 15 Treffen, die im Oktober starten und bis zum Mai 2027 gehen. Dann findet ein langer Praxisabschnitt statt, weil die Teilnehmenden idealerweise drei Begräbnisfeiern leiten sollen. Im Frühjahr 2028 folgt die Reflexionsphase mit weiteren Kursinhalten.

 

Was wird inhaltlich vermittelt?

Es geht nicht nur um das Vertrautwerden mit der kirchlichen Begräbnisfeier, wir haben in der Gestaltung der unterschiedlichen Ausbildungsabschnitte darauf geachtet, die Erfahrungen der bisherigen Kursteilnehmer zu berücksichtigen. Wir werden uns auch fundiert mit der christlichen Botschaft in der Heiligen Schrift, aber auch mit der musikalischen Gestaltung auseinandersetzen. Es wird zudem dogmatisch-philosophische Einheiten geben. Auch eine psychologische Kompetenz soll den Teilnehmenden vermittelt werden. 

 

Dieses Interview von Martina Rainer stammt aus dem Katholischen Sonntagsblatt, Ausgabe 30/2026, vom 26. Juli 2026

 

 

Der Kurs „Kirchliche  Begräbnisfeier 2026/2028“ will Personen befähigen, das kirchliche Begräbnis mit einer Wort-Gottes-Feier selbständig vorzubereiten und zu leiten. Dieser Kurs stellt eine Voraussetzung für die bischöfliche Beauftragung dar. Die Ausbildung findet an der Phil.-Theol. Hochschule in Brixen statt. Die Anwesenheit ist verpflichtend. Die Anmeldung muss innerhalb 30. September erfolgen. 

Die Kursleitung haben Prof. P.  Ewald Volgger OT und der diözesane Liturgiereferent Tobias Simonini inne. Detaillierte Informationen unter www.pthsta.it 

 

Bewerbung und Anmeldung: 

Phil.-Theologische Hochschule Brixen; theologischekurse(at)pthsta.it

Seminarplatz 4, Brixen,  Tel. 0472 271121