Bei der Vorstellung vor den Mitarbeitenden machte Bischof Ivo Muser heute deutlich, dass es nicht in erster Linie um ein neues Organigramm geht. Entscheidend sei vielmehr, dass die Strukturen der Kirche ihrem Auftrag dienen und den Menschen nahe sind. „Ich wünsche mir Mut, aber vor allem auch Vertrauen, denn ohne Vertrauen kommen wir nirgends hin“, sagte Muser.
Warum die Reform notwendig ist
Ausgangspunkt der Reform ist der tiefgreifende Wandel, den Kirche und Gesellschaft erleben. „Das Gesicht unserer Ortskirche ist dabei, sich radikal zu verändern“, sagte der Bischof. Darauf müsse auch das Bischöfliche Ordinariat reagieren. Die Diözese wolle stärker auf die Menschen zugehen, besser zuhören und Verantwortung teilen. Kirche müsse missionarisch und synodal sein, so Muser. Strukturen seien dabei kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, um den kirchlichen Auftrag besser erfüllen zu können.
Weniger nebeneinander, mehr miteinander
Generalvikar Eugen Runggaldier stellte anschließend die Grundzüge des neuen Modells vor. Die bisher häufig nach einzelnen Ämtern und Referaten organisierte Arbeit soll künftig stärker vernetzt werden. Verschiedene Teams sollen enger zusammenarbeiten und ihre Kompetenzen dort einbringen, wo sie gebraucht werden. Damit reagiert die Reform auch auf eine Erfahrung aus dem bisherigen Prozess: Die Ämter arbeiteten bislang vielfach sehr eigenständig nebeneinander. Künftig soll der Austausch zwischen den verschiedenen Aufgabenbereichen stärker werden.
Begleitteams für Pfarrgemeinden und Seelsorgeeinheiten
Eine wichtige Rolle sollen künftig Begleitteams übernehmen. Sie sollen Pfarrgemeinden und Seelsorgeeinheiten unterstützen und gemeinsam mit den Menschen vor Ort schauen, was bereits gut funktioniert, wo Herausforderungen liegen und welche Unterstützung gebraucht wird.
Der Grundgedanke ist, weniger zu belehren und stärker zu begleiten. Die Mitarbeitenden des Ordinariats sollen näher an den pastoralen Realitäten vor Ort arbeiten und Entwicklungsprozesse gemeinsam mit den Verantwortlichen in den Pfarrgemeinden gestalten.
Neue Aufgabenverteilung
Auch andere Aufgaben werden im neuen Modell neu geordnet. Ein Bildungs- und Berufungsteam soll sich um Aus- und Weiterbildung kümmern und Menschen dabei unterstützen, ihre Fähigkeiten und Charismen zu entdecken und einzubringen.
Ein eigener Bereich für Personalförderung soll Mitarbeitende, Priester und weitere kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stärker begleiten und in ihrer Entwicklung unterstützen. Der Bereich Wissen und Innovation soll Fachwissen bündeln, Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft beobachten und Grundlagen für die Arbeit der Diözese erarbeiten. Daneben bleiben zentrale Dienste wie Missio, Pilgerbüro, Bibliothek sowie Beratung und Entwicklung bestehen.
Zusammenarbeit statt einzelner Zuständigkeiten
Die Reform betrifft damit nicht nur die Struktur, sondern auch die Zusammenarbeit. Aufgaben, die bisher häufig innerhalb eines einzelnen Amtes oder Referates gebündelt waren, sollen künftig auf verschiedene Teams verteilt werden. Runggaldier erläuterte dies am Beispiel des Liturgiereferats: Der Kontakt zu den Pfarrgemeinden kann künftig über Begleitteams laufen, Weiterbildungen über das Bildungs- und Berufungsteam und fachliche Fragen über den Bereich Wissen und Innovation. Die Aufgaben bleiben also bestehen, werden aber anders organisiert und stärker miteinander verbunden.
Neues Kurienkollegium
Neu geschaffen wird auch ein Kurienkollegium. Ihm gehören neben Bischof und Generalvikar die Verantwortlichen der einzelnen Bereiche an. Das Gremium soll Schwerpunkte für die Arbeit des Bischöflichen Ordinariats festlegen und die Zusammenarbeit zwischen den Bereichen sichern. Dabei sollen Erfahrungen aus den verschiedenen Arbeitsfeldern und aus den pastoralen Realitäten vor Ort einfließen. Entscheidungen sollen so vorbereitet, umgesetzt und anschließend auch ausgewertet werden.
Das Modell wird erprobt
Das vorgestellte Modell ist noch nicht endgültig. Im kommenden Arbeitsjahr soll sich zeigen, welche neuen Arbeitsweisen funktionieren und wo Anpassungen notwendig sind. Viele Detailfragen bleiben deshalb zunächst offen. Dazu gehören das genaue Zusammenspiel der verschiedenen Bereiche, die Rolle bestehender Kommissionen und Mandate sowie die Zusammenarbeit mit weiteren diözesanen Einrichtungen. Diese Fragen sollen während der Erprobungsphase schrittweise geklärt werden.
Keine Veränderungen über Nacht
Für die Mitarbeitenden bedeutet die Erprobungsphase keinen abrupten Wechsel. Bestehende Aufgaben werden zunächst weitergeführt. Neue Teams und Funktionen sollen Schritt für Schritt aufgebaut werden.
Dabei sollen auch die Fähigkeiten und Interessen der Mitarbeitenden berücksichtigt werden. Im neuen Modell ist ausdrücklich vorgesehen, dass einzelne Personen in mehreren Teams oder Bereichen mitarbeiten können. Rückmeldungen aus der Praxis sollen helfen, das Modell weiterzuentwickeln.
Die nächsten Schritte
Als nächstes werden die Verantwortlichen für die neuen Bereiche benannt und die Erprobungsphase vorbereitet. Im Laufe des kommenden Arbeitsjahres sind mehrere gemeinsame Treffen aller Mitarbeitenden vorgesehen, bei denen Erfahrungen ausgewertet, offene Fragen geklärt und weitere Schritte vereinbart werden. Am Ende der Erprobungsphase soll auf Grundlage dieser Erfahrungen über die endgültige Form des Bischöflichen Ordinariats entschieden werden.
„Fahr hinaus!“
Bischof Muser ermutigte die Mitarbeitenden, Fragen zu stellen, Kritik einzubringen und sich aktiv am weiteren Weg zu beteiligen. Als Leitwort erinnerte er an das Motto der Diözesansynode: „Fahr hinaus!“ Der Reformprozess solle mit Mut, Freude und Hoffnung weitergehen.



