Dieser Beitrag ist im Katholischen Sonntagsblatt vom 7.9.2026 erschienen
Frage: Mit welchen Gefühlen blicken Sie dem neuen Schuljahr entgegen?
Christian Alber: Ich blicke dem neuen Schuljahr mit Zuversicht entgegen. Natürlich gibt es organisatorische Herausforderungen, vor allem dort, wo Stellen noch kurzfristig zu besetzen sind. Entscheidend ist aber: Die Schulen arbeiten sehr engagiert daran, dass die Schülerinnen und Schüler gut begleitet starten können.
In den vergangenen Wochen war in den Medien von vielen unbesetzten Lehrstellen die Rede. Wie sieht es diesbezüglich an den verschiedenen Schulstufen im Fach Religion aus?
Auch im Fach Katholische Religion spüren wir den allgemeinen Lehrkräftemangel. An den Mittel- und Oberschulen ist die Situation derzeit stabil. Besonders herausfordernd ist die Besetzung an den Grundschulen.
Effektiv waren nach der Stellenwahl im August vor allem an den Grundschulen viele Stellen für das Fach Religion unbesetzt. Welche Gründe gibt es dafür?
Die Gründe sind vielfältig: Es gibt insgesamt weniger qualifizierte Religionspädagoginnen und -pädagogen, manche Stellen sind aufgrund geringer Stundenanzahl oder mehrerer Schulorte weniger attraktiv, und viele Interessierte wägen heute stärker Fragen der Vereinbarkeit und beruflichen Perspektive ab.
Wie werden vakante Stellen in diesen Tagen vergeben?
Nach der zentralen Stellenwahl – Anfang Juli für die unbefristeten und Anfang August für die befristeten Aufträge – wurden die noch offenen Stellen direkt über die Schuldirektionen vergeben. Die Schuldirektorinnen und Schuldirektoren konnten dabei auf ein Verzeichnis des Amtes für Schule und Katechese zurückgreifen, in dem interessierte und geeignete Personen erfasst sind. Auf diese Weise ist es gelungen, bis auf wenige Ausnahmen alle Religion-Stellen für das kommende Schuljahr zu besetzen. Wer Interesse hat, auch während des Schuljahres zeitlich befristete Aufträge zu übernehmen – etwa wenn Kolleginnen oder Kollegen ausfallen –, kann sich jederzeit an das Amt für Schule und Katechese wenden. Bei Bedarf werden die Kontaktdaten an die jeweiligen Schulen weitergeleitet.
Wie viele Religionslehrpersonen sind in den verschiedenen Schulstufen insgesamt im Einsatz? Wie viele Stellen mussten mit Lehrpersonen besetzt werden, die keine theologische oder auch pädagogische Ausbildung mitbringen?
Die endgültigen Zahlen für das neue Schuljahr liegen noch nicht vor, erfahrungsgemäß ändern sie sich aber nur geringfügig. Im Schuljahr 2025/26 waren an den deutschsprachigen Schulen insgesamt 382 Religionslehrpersonen im Einsatz: 215 an Grundschulen, 90 an Mittelschulen, 52 an Oberschulen und 25 an berufsbildenden Schulen. 274 verfügten über einen gültigen Studientitel, 19 befanden sich im Studium, 110 – also 27,3 Prozent – hatten keine theologische Ausbildung. Neu eingestiegen sind 42 Lehrpersonen, während 64 den Religionsunterricht verlassen haben, etwa wegen Ruhestand, Wartestand oder beruflicher Neuorientierung. Für das neue Schuljahr rechne ich mit ähnlichen Zahlen.
Im Herbst startet in Brixen ein neuer berufsbegleitender Lehrgang für Religionslehrpersonen. Wie ist das Interesse an dieser neuen Ausbildung?
Das Interesse ist erfreulich, insgesamt 25 Personen beginnen in diesen Tagen mit der Ausbildung. Der Lehrgang ist ein wichtiges Angebot, weil er berufsbegleitend organisiert ist und gezielt zur Lehrbefähigung für den Religionsunterricht an den deutschsprachigen und ladinischsprachigen Grundschulen führt.
Wurden Ihre Erwartungen hinsichtlich der Einschreibungen erfüllt?
Unsere Erwartungen wurden insgesamt erfüllt, teilweise sogar übertroffen. Mit 25 Teilnehmenden ist das Interesse erfreulich groß. Aufgrund der hohen Nachfrage führen wir den Lehrgang aus Ressourcengründen in zwei zeitversetzten Phasen durch. Das ist organisatorisch nicht ideal, war aber der beste Weg, um allen geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern die Teilnahme zu ermöglichen. Der Lehrgang ist damit ein wichtiger Schritt zur langfristigen Sicherung des Religionsunterrichts.
Haben Sie Rückmeldungen von der Philosophisch-Theologischen Hochschule bezüglich der Einschreibungen für das Studium der Religionspädagogik? Sind neue Lehrkräfte für das Fach in Sicht?
Die Bereitschaft, ein religionspädagogisches Vollstudium aufzunehmen, ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Umso wichtiger ist es, aktiv und zeitgemäß für diesen Beruf zu werben. Deshalb haben im Juni dieses Jahres erstmals acht Einrichtungen und theologische Hochschulen in Südtirol, Tirol, Vorarlberg und Salzburg eine gemeinsame Social-Media-Kampagne gestartet. Im Mittelpunkt steht der Instagram-Kanal „rethink religion“. Ziel ist es, sichtbar zu machen, wie vielfältig, sinnstiftend und zukunftsrelevant der Beruf der Religionslehrperson ist. Die ersten Rückmeldungen zeigen, dass Interesse vorhanden ist. Entscheidend wird sein, ob sich dieses Interesse auch in konkreten Einschreibungen niederschlägt. Die Nachwuchsfrage bleibt jedenfalls eine zentrale Herausforderung für die Zukunftsfähigkeit des Religionsunterrichts.
Martina Rainer
