Zum Hauptinhalt springen
Katholisches Sonntagsblatt

Neue Wege für lebendige Pfarreien

Am 25. Oktober werden in der Diözese die pfarrlichen Gremien neu gewählt. Jede Pfarrei soll – neben dem Pfarrgemeinderat – erstmals ein Pastoralteam bilden. Warum Freiwillige immer wichtiger werden, erklärt Kassian Lanz, Referent für Pfarreien und Gemeinschaften, im Interview.

Aus: Katholisches Sonntagsblatt, Kirchenzeitung der Diözese Bozen-Brixen, 4. Oktober, Nummer 40/2026

Seit Monaten laufen die Vorbereitungen für die PGR-Wahl. Wie nehmen Sie die bisherigen Rückmeldungen und die Stimmung in den Pfarreien wahr?

Kassian Lanz: Allgemein ist die Stimmung recht positiv. Natürlich gibt es unter den 281 Pfarreien unserer Diözese auch Sorgenkinder und auch einige Bedenken und Ängste, aber die Mehrheit der Pfarreien ist für die Wahl recht zuversichtlich.

In wie vielen Pfarreien wird voraussichtlich eine klassische Wahl stattfinden, und welche anderen Formen der Mitwirkung und Zusammenarbeit werden in den übrigen Pfarreien gewählt?

Wir haben noch keine genauen Daten, aber wenn ich mir die Rückmeldungen ansehe, welche wir bis jetzt erhalten haben, so werden gut 60 Prozent eine Teamwahl abhalten. Das heißt, dass das Team, also Pastoralteam und/oder Pfarrgemeinderat, schon vorher zusammengestellt und im Rahmen einer Pfarrversammlung oder eines Gottesdienstes von der Pfarrgemeinde in einer geheimen Wahl bestätigt wird. Eine Handvoll Pfarreien wird eine Urwahl, also eine offene Wahl ohne Kandidatenliste, durchführen, der Rest die klassische Kandidatenwahl.

Nach einem Dekret von Bischof Ivo Muser soll jede Pfarrei ein Pastoralteam bilden. Welche Überlegungen stehen hinter dieser Entscheidung?

Die aktuelle Situation ist so, dass fast alle Pfarrer mehrere Pfarreien haben. Somit kann der Pfarrer nicht in allen Pfarreien gleichzeitig präsent sein und alle Fäden bei ihm zusammenlaufen. Es braucht also Freiwillige, welche bereit sind, diese Aufgabe gemeinsam zu übernehmen und die verschiedenen Bereiche (Verkündigung, Koordination des Teams, Liturgie, Caritas und Verwaltung) zu koordinieren. Das heißt jetzt nicht, dass sie alles alleine machen müssen. Sie sind die Koordinatoren, bei denen vor Ort alle Fäden zusammenlaufen und somit auch für den jeweiligen Bereich die erste Ansprechperson für den Pfarrer und die Pfarrei.

Was passiert, wenn es eine Pfarrei nicht schafft, weder einen Pfarrgemeinderat noch ein Pastoralteam zu bilden? Welche nächsten Schritte sind in solchen Fällen vorgesehen?

Aus diesem Grund haben wir die Pfarreien frühzeitig dazu angeregt, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie es vor Ort in Bezug auf die Wahl aussieht und wie man vorgehen will. Sollte es in einer Pfarrei dennoch erst am Wahltag/nach der Wahl klar werden, dass sie es nicht schafft, eigene Gremien zu bilden, so werden wir vom Seelsorgeamt mit ihr in Kontakt treten. Dann wird man sich auch mit den Nachbarpfarreien zusammensetzen und schauen, mit welcher die betroffene Pfarrei gemeinsame Gremien bilden könnte. Pfarreifusionen werden von unserer Seite nach der Wahl nicht forciert werden, das ist ein weitreichender Schritt, der erst nach einer Probephase mit gemeinsamen Gremien erfolgen sollte. Wenn es eine Pfarrei aber für mehr als eine Amtszeit nicht schafft, weder eigene Gremien aufzustellen noch Mitglieder für gemeinsame Gremien mit einer Nachbarpfarrei zu finden, so wird es mittelfristig keine Alternative geben.

Interview: Martin Lercher