Zum Hauptinhalt springen

Seelsorgeamtsleiter Reinhard Demetz: Ein großer Schatz, der uns anvertraut ist

Reinhard Demetz, Verantwortlicher für die PGR-Wahlen

Gedanken zu den Pfarrgemeinderatswahlen 2026

Als wir 2022 das 50-jährige Bestehen der Pfarrgemeinderäte in unserer Diözese feierten, sprach mich kurz nach der Jubiläumsveranstaltung der damalige Präsident des Gemeindenverbandes an. Besonders beeindruckt hatte ihn die Zahl von rund 3.000 Menschen, die sich in den Pfarrgemeinderäten unserer Diözese engagieren. Und diese Zahl wird noch viel größer, wenn wir all jene hinzuzählen, die sich darüber hinaus in unseren Pfarreien einbringen: in der Liturgie, in der Katechese, in der Caritas, in der Jugendarbeit, in den Chören, in der Verwaltung und in vielen anderen Diensten. Es sind viele Tausend Menschen.

Was für ein Reichtum! Wir sprechen oft über die Schwierigkeiten unserer Kirche: weniger Gottesdienstbesucher, fehlende Priester, schwindende Ressourcen. Diese Herausforderungen sind real. Aber darüber dürfen wir nicht übersehen, wie viel Leben, wie viel Engagement und wie viel gelebter Glaube in unseren Pfarrgemeinden vorhanden sind. Wir haben nicht nur ein halbvolles Glas vor uns. Wir haben einen großen Schatz, für den wir dankbar sein dürfen.

In meinen Jahren als Seelsorgeamtsleiter habe ich viele Pfarreien besucht und überall Menschen getroffen, die sich mit Freude, Überzeugung und großer Ausdauer für ihre Gemeinschaft einsetzen. Sie schenken ihre Zeit, übernehmen Verantwortung, begleiten andere und stiften Gemeinschaft. Dieses Engagement ist nicht nur ein Reichtum für unsere Kirche, sondern auch ein wertvoller Beitrag für die Gesellschaft in Südtirol. Unsere Pfarrgemeinden bilden ein dichtes Netz von Beziehungen, das Menschen verbindet, Generationen zusammenführt und Solidarität konkret werden lässt.

Als Christen sehen wir darin noch mehr. Kirche lebt nicht zuerst von dem, was wir leisten, sondern von dem, was Gott uns schenkt. Am Anfang steht seine bedingungslose Liebe. Das Leben ist Geschenk, und wir dürfen füreinander zum Geschenk werden. Gerade im ehrenamtlichen Engagement wird etwas davon sichtbar: Menschen schenken ihre Zeit und ihre Fähigkeiten, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Diese Unentgeltlichkeit ist ein Zeichen der Liebe Gottes. Sie macht erfahrbar, dass unser Leben mehr ist als Leistung und Nutzen und dass jeder Mensch wertvoll ist.

Dieser große Schatz ist allerdings kein Selbstläufer. Er braucht Menschen, die ihn pflegen und weiterentwickeln, die Bewährtes weitertragen und zugleich Raum für neue Ideen schaffen. Hier kommt den Pfarrgemeinderäten eine besondere Bedeutung zu. Sie greifen Anliegen auf, fördern Initiativen und verbinden die vielen Menschen und Gruppen, die sich in einer Pfarrei engagieren. Ein guter Pfarrgemeinderat muss nicht alles selbst machen. Er ist vielmehr ein Knotenpunkt, der Menschen zusammenführt und ihnen ermöglicht, ihre Begabungen einzubringen.

Am 25. Oktober werden die Pfarrgemeinderäte neu gewählt. Diese Wahl ist eine Gelegenheit, den Menschen, die Verantwortung übernehmen, Wertschätzung und Vertrauen entgegenzubringen. Doch mit der Wahl allein ist es nicht getan. Ein starker Pfarrgemeinderat braucht viele Menschen, die mitdenken, mithelfen, Ideen einbringen, konstruktive Rückmeldungen geben und auch einmal Danke sagen. Menschen, die gemeinsam den Traum einer solidarischen, liebevollen und in Gott verwurzelten Gemeinschaft tragen.

Geh hin und geh mit! Dieser Aufruf richtet sich an uns alle. Wir haben allen Grund, mit Zuversicht auf unsere Pfarrgemeinden zu schauen und dankbar zu sein für die vielen Menschen, die sie tragen. Gemeinsam können wir das Gute weiterführen, das gewachsen ist, Neues wagen und sichtbar machen, was im Zentrum unseres Glaubens steht: Gottes Liebe, die uns geschenkt ist und dort Gestalt annimmt, wo Menschen füreinander zum Geschenk werden.