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Botschaften & Stellungnahmen

Tag des Lebens 2026: Kinder zuerst!

Bischof Ivo Muser

Sonntag, 1. Februar 2026

„Prima i bambini!“ (Kinder zuerst!) – so lautet das Motto der Italienischen Bischofskonferenz (CEI) zum Tag des Lebens, der in diesem Jahr am 1. Februar begangen wird. Diese Botschaft ist weit mehr als nur ein Slogan, der eine bloße Rangfolge festlegt. Sie bringt eine grundlegende Haltung zum Ausdruck, die die unantastbare Würde und das vorrangige Recht eines jeden Kindes auf Leben, Schutz, Liebe und eine Zukunft in den Mittelpunkt stellt.

Ein ist Gebot, das aus dem Blick Jesu entsteht, von dem das Markusevangelium erzählt. Jesus heißt die Kinder willkommen und segnet sie. Als die Jünger sie zurückweisen, ist seine Empörung deutlich. Seine Antwort lässt keinen Raum für Zweifel: „Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht!“ Mehr noch: Er stellt sie in die Mitte und macht sie zum Vorbild – „Denn solchen gehört das Reich Gottes“ (Mk 10,14). Hier wird das Motto „Kinder zuerst“ zur geistlichen Weisung: Ihre Nähe zu Christus hat Vorrang vor der Logik der Erwachsenen. Das Reich Gottes empfängt, wer sich ihm mit jenem Urvertrauen und jener bedingungslosen Hingabe öffnet, die ein Kind auszeichnet.

„Kinder zuerst“ ist die Anerkennung, dass das Wohlergehen der Kinder, ihr Schutz und ihre unbeschwerte Entfaltung ein klarer Maßstab für die Gesundheit einer Gemeinschaft ist. Es geht dabei nicht allein um die Sicherung materieller Grundbedürfnisse – obwohl Ernährung, Fürsorge und Bildung vorrangige Pflichten bleiben –, sondern auch darum, ein affektives, kulturelles und soziales Umfeld zu schaffen, das jedem Kind unmissverständlich vermittelt: „Du bist willkommen. Du bist ein Geschenk. Deine Zukunft ist Verheißung für uns alle.“

Doch diese Entscheidung legt schonungslos die Widersprüche unserer Zeit offen. Wir leben in einer Kultur, die sich vielfach um die Erwachsenen, ihr Recht auf unmittelbare Selbstverwirklichung, um Erfolg und Konsum dreht. Kinder bezeugen eine andere Wahrheit: Dass unser Leben ein empfangenes Geschenk ist. In ihrem Blick erkennen wir unseren eigenen Ursprung: es ist der Augenblick, in dem auch wir nichts anderes als dieser fragende, vertrauende Blick waren. Kinder erinnern uns daran, dass wir nicht unsere eigenen Schöpfer sind und dass die Wurzel unserer Identität in einer bedingungslosen Annahme liegt, die uns geschenkt wurde, lange bevor wir etwas leisten konnten.

Jedes menschliche Leben, von der Empfängnis bis zum Tod, ist wertvoll, in seiner zerbrechlichen und zugleich kraftvollen Entfaltung, und nicht aufgrund dessen, was es hervorbringt, leistet oder darstellt. Der Schutz der Kindheit ist das erste, nicht verhandelbare Prinzip jeder menschlichen Gesellschaft. Denn in den Händen der Kinder – und in der Art, wie wir heute mit ihnen umgehen – entscheidet sich unsere gemeinsame Zukunft. Lernen wir von den Kindern das Staunen über das Wunder und die Würde des Lebens! 

Das menschliche Leben ist heilig: es hat immer mit Gott selbst zu tun.