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VICTIMS FIRST – Konsequenzen für Prävention und Intervention

Tagung | Bozen, Pastoralzentrum | 17. November 2022 | 8.30 - 17 Uhr

Seit 2010 setzt sich die Diözese Bozen-Brixen mit Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt in der Kirche auseinander. Für Betroffene wurde eine Ombudsstelle eingerichtet und Initiativen im Bereich Prävention ergriffen. Jedes Jahr im November richtet der diözesane Dienst für den Schutz von Minderjährigen und schutzbedürftigen Erwachsenen eine Tagung zum Thema aus. Heuer findet diese am Donnerstag, 17. November im Pastoralzentrum in Bozen statt und trägt den Titel „VICTIMS FIRST – Konsequenzen für Prävention und Intervention“. Zur Tagung eingeladen sind alle kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie alle Interessierten.

Ausgehend vom Leid der Betroffenen von sexualisierter Gewalt muss eine Kultur der Aufmerksamkeit und Verantwortung zum Schutz von Minderjährigen und schutzbedürftigen Personen gefördert und für die erforderliche Präventionsarbeit sensibilisiert werden. Deshalb gilt es, Betroffene in den Mittelpunkt zu stellen und sich mit dieser Perspektive dem Thema der sexualisierten Gewalt zu stellen. 

Die Tagung verfolgt deshalb folgende Ziele: 

  • Information zur Bewusstseinsbildung
  • Förderung einer Kultur der Aufmerksamkeit und Verantwortung zum Schutz von Minderjährigen und schutzbedürftigen Personen
  • Sensibilisierung für die Bedeutung und Wichtigkeit von Prävention

Bischof Ivo Muser wird die Tagung eröffnen. Ihm sind die leidvollen und lebenszerstörenden Auswirkungen des Missbrauchs in all seinen Formen innerhalb der Kirche bekannt. Er ist sich seiner Verantwortung bewusst und setzt auf Präventionsarbeit, die für ihn Priorität hat.

Am Vormittag sind zwei Vorträge mit anschließender Diskussion vorgesehen. Frau Mag.a Dagmar Hörmandinger-Chusin von der Diözese Linz spricht über „Schutzkonzepte als gemeinsame Haltung“ und Dr. Peter Beer vom internationalen Safeguarding-Institut IADC (Institute of Anthropology / Interdisciplinary Studies on Human Dignity and Care) an der päpstlichen Universität Gregoriana über „Die doppelte Verantwortung der Kirche. Die Konsequenzen für die Aufarbeitung von Missbrauch.“ Beer wird einen Vorschlag zur Aufarbeitung in unserer Diözese vorstellen.

Am Nachmittag finden Workshops zu verschiedenen Themen statt: Folgen von Misshandlung für Kinder, Auswirkungen von Traumata für Erwachsene, Sexualität bei Menschen mit Behinderungen: zwischen Schutzbedarf und Selbstbestimmung, Vorgangsweise bei Meldungen an die Staatsanwaltschaft: rechtliche und psychologische Aspekte, Erfahrungen mit der Erarbeitung und Einführung von Schutzkonzepten, und Vorgangsweise der Polizei bei der Ermittlung und Befragung von Kindern bei Missbrauchsfällen. Die Tagung schließt mit Kurzberichten aus den Gruppen.

Tagungsprogramm

8.30 Uhr Ankommen und Registrierung
9.00 Uhr Begrüßung und Einführung – Gottfried Ugolini
9.10 Uhr Grußwort von Bischof Ivo Muser
9.30 Uhr 1. Referat: Schutzkonzepte als gemeinsam gelebte Haltung - Mag.a Dagmar Hörmandinger, Leiterin der Stabsstelle für Gewaltprävention, Kinder- und Jugendschutz, Diözese Linz

Es braucht Rahmenbedingungen in der Seelsorge, Beratung und Teamarbeit, um einen notwendigen, vertrauensvollen Kontakt herzustellen. Das Ziel ist, bei gleichzeitiger Wahrung von Grenzen und Respekt, Nähe und Beziehung zu gestalten.
10.45 Uhr PAUSE
11.15 Uhr 2. Referat: Die doppelte Verantwortung der Kirche. Konsequenzen für die Aufarbeitung von Missbrauch - Dr. Peter Beer, Professor am Safeguarding Institut (IADC) an der Päpstlichen Universität Gregoriana, Rom

Betroffene von Missbrauch im Verantwortungsbereich der Kirche mussten über lange Zeit erfahren, dass ihnen weder Glauben noch Gehör geschenkt wurde. Dies führte nach dem Trauma des Missbrauchs zu einer zweiten Traumatisierung. Auch diese gilt es aufzuarbeiten und für kirchliches Handeln Konsequenzen zu ziehen. Dabei steht die Frage im Raum wie die Kirche insgesamt für das Geschehene konkret Verantwortung übernehmen kann und muss.
12.30 Uhr MITTAGSPAUSE
13.30 Uhr Workshops – 1. Runde
  Workshop 1: Misshandelte Kinder: Auswirkungen auf ihre psychosoziale Situation
Dr. Donatella Arcangeli, Fachärztin für Kinder- und Jugendneuropsychiatrie, Meran

Erlittene oder miterlebte körperliche/psychische Misshandlungen wirken sich stark auf die emotionalen, relationalen, psychologischen, kognitiven und sozialen Erfahrungen eines Kindes aus. Die neurobiologischen Mechanismen eines Traumas werden erläutert und die Symptome, die ein misshandeltes Kind davontragen kann, werden beschrieben.
  Workshop 2: Die Auswirkungen von Traumata bei Erwachsenen
Dr. Antonietta Motta, Psychotherapeutin, Bozen

Psychopathologische Aspekte, emotionale Fehlregulierung und Verhaltensstörungen werden aufgezeigt und besprochen
  Workshop 3: Wissen macht stark!“ – Selbstbestimmt gelebte Sexualität bei Menschen mit Beeinträchtigungen
Silvia Clignon, Sozial- und Sexualpädagogin, Mitarbeiterin der Lebenshilfe, Bozen

Aufklärung, Wahlfreiheit, Erlebnismöglichkeiten, Reflexion - all das macht uns stark. Im Spannungsfeld zwischen Schutzbedarf und selbstbestimmt gelebter Sexualität.
  Workshop 4: Wann, wo und wie muss eine Meldung erfolgen
Dr. Donatella Sacchi, Staatsanwältin am Jugendgericht von Bozen, und Dr. Cristina De Paoli, Verantwortliche Bereich Prävention und Beratung Verein „la strada-der Weg“, Psychotherapeutin

Vorstellung der rechtlichen Normen und Verfahren sowie der Vorgangsweise der Staatsanwaltschaft beim Jugendgericht in Verbindung mit der Staatsanwaltschaft beim Landesgericht und Erfahrungsaustausch.
Psychologische Implikationen der minderjährigen Betroffenen und ihrer Familien bei einer Meldung und in der psychologischen Begleitung der Betroffenen.
  Workshop 5: Ermittlungs- und Schutzaspekte bei minderjährigen Betroffenen von Straftaten
Francesco Bosi, Stv. Kommissar der Staatspolizei, Mobiles Einsatzkommando, 2. Sektion, Bozen und Dr. Silvia Mulargia, Psychologin, Bozen

Bewährte Praxis bei der Untersuchung und Anhörung von Minderjährigen durch die Ermittler
  Workshop 6: Schutzkonzepte und Best practices
Mag.a Dagmar Hörmandinger, Leiterin der Stabsstelle für Gewaltprävention, Linz

1. Was gibt es bereits an hilfreichen Elementen eines Schutzkonzepts – in meinem Bereich? (Status quo)
2. Was wären wichtige nächste Schritte zur Umsetzung eines Schutzkonzeptes in meinem Bereich?
14.45 Uhr PAUSE
15.15 Uhr Workshops - 2. Runde
16.40 Uhr Feedback aus den Workshops: Wichtige Punkte, offene Frage, Anregungen
17 Uhr Abschluss der Tagung

Anmeldung zur Tagung

Die Anmeldung zur Tagung erfolgt online über das folgende Formular.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben bei der Anmeldung die Möglichkeit, sich für zwei der sechs Workshops anzumelden.

Weiter Informationen zur Tagung erteilt Gottfried Ugolini (Email: praevention.prevenzione(at)bz-bx.net).

Anmeldung Tagung "VICTIMS FIRST" (17.11.2022)

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