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Sonntag der Weltmission

Der Weltmissionssonntag wird am 24. Oktober 2021 gefeiert. Auch heuer sind die Gelder, die in dieser größten Solidaritätsaktion der Katholiken an diesem Tag in allen Ländern der Welt gesammelt werden, für die vielfältigen Aufgaben der Mission in den ärmsten Diözesen der Welt bestimmt.

Der Papst stellt den heurigen Weltmissions-Sonntag unter das Motto „Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben“ (Apg 4,20). Wie oft geht es uns tatsächlich so? Wir erleben etwas Schönes, machen einen Ausflug, hören eine schreckliche Nachricht – wie groß ist dann unser Wunsch, dies jemandem mitzuteilen oder es mit jemandem zu kommentieren? Wenn wir dann auch noch eine unerwartete oder besondere Begegnung machen, dann füllt sich unser Herz mit Gefühlen, die wir mitteilen wollen. Wir alle kennen also dieses Bedürfnis der Kommunikation. Aber wie ist es mit dem Glauben?

Das Informationsmaterial zum Weltmissionssonntag und zu den anderen Sonntagen im Oktober 2021 ist hier auf der Homepage und im Sekretariat von Missio, Domplatz 2, Bozen, Tel. 0471 306213, missio(at)bz-bx.net, erhältlich.

Brief an die Seelsorger und Mitarbeiter in der Pfarrgemeinden

Bozen, den 22. September 2021

Lieber Herr Pfarrer, liebe Seelsorger, liebe MitarbeiterInnen im PGR!

Der Papst stellt den heurigen Weltmissions-Sonntag unter das Motto „Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben“ (Apg 4,20). Wie oft geht es uns tatsächlich so? Wir erleben etwas Schönes, machen einen Ausflug, hören eine schreckliche Nachricht – wie groß ist dann unser Wunsch, dies jemandem mitzuteilen oder es mit jemandem zu kommentieren? Wenn wir dann auch noch eine unerwartete oder besondere Begegnung machen, dann füllt sich unser Herz mit Gefühlen, die wir mitteilen wollen. Wir alle kennen also dieses Bedürfnis der Kommunikation. Aber wie ist es mit dem Glauben?

Die Jünger Jesu hatten bestimmte Erwartungen in ihn gesetzt und sind in vielem enttäuscht oder des Besseren belehrt worden. Als sie dann aber die bis dahin unmöglich gehaltene Auferstehung, das leere Grab und Jesu Besuche nach dem Tod am Kreuz erfahren durften, war etwas in ihnen angebrochen, das einem Wasserfall ähnlich sieht und keine Angst mehr kannte. Der Papst lädt uns heuer ein, über diese Ereignisse nicht nur zu Ostern nachzudenken, sondern auch jetzt im Oktober und das weltweit.

Vielleicht sollten wir auch über die Armut in der Welt reden, die Ungerechtigkeit, aber auch über die Freude am Glauben der vielen Menschen in der Welt.

Sr. Aquillina aus Kenya kann nicht schweigen: „Die Lage ist schlechter als vor zwei Jahren, als ich diese Menschen kennen gelernt habe und als Covid noch nicht begonnen hatte. Es ist traurig, Kinder sterben an Hunger, weil sie kein Essen haben. Ihre Eltern haben die kleinen Arbeiten aufgrund von Covid-19 verloren oder sie sind daran gestorben.“

Fr. Xavier aus Indien kann nicht schweigen: „Ich danke der Diözese Bozen-Brixen für die Hilfe, um unsere Kirche aufzubauen. Wir hatten eine alte, 1938 erbaute kleine Kirche, die zusammenzufallen drohte. Damals kamen 150 Menschen in unsere Kirche. Heute haben wir eine große Kirche und jeden Sonntag kommen 650 Gläubige: Männer, Frauen und Kinder. Ich danke euch für alles. Meine Pfarrei wird für immer dankbar sein.“

Wer diese Dankbarkeit auf Reisen in die Mission erlebt hat, kann auch nicht schweigen, denn die Energie (die die Gnade Gottes vermittelt), die Freude und Begeisterung einer singenden, tanzenden und feiernden Gemeinschaft vergisst man nie wieder. Diese Pfarrgemeinschaften künden von begeisterten Priestern, Katecheten, Ordensschwestern und Eltern, die ihren Glauben an Jesus weitergegeben haben und die nicht müde werden, Jesu Botschaft zu verkünden und zu bezeugen.

Liebe Priester, am heurigen Weltmissions-Sonntag finden in unseren Pfarreien die Pfarrgemeinderatswahlen statt. Auch sie sind ein Teil unseres Pfarrlebens und wir sind Teil der Weltkirche. Jede lokale Kirche hat ihre Schwierigkeiten. Nehmen wir einfach all die Mühen, Probleme und Herausforderungen in unsere Gebete mit hinein – dann sind wir eine große Glaubensgemeinschaft, die von Gott die Kraft erhalten hat, weiterhin über seine Menschwerdung, seinen Tod und die Hoffnung der Auferstehung nicht zu schweigen.

In diesem Sinne danke ich Ihnen für Ihr Gebet und die Mitarbeit

Ihre
Dr. Irene Obexer Fortin
Amtsleiterin missio Bozen-Brixen

Monat der Weltkirche 2021: "Schweigen? Unmöglich!"

Impulsgedanken von P. Ulrich Maria Rauch OFM

Der Hartherzigkeit, die Jesus hinter der Erlaubnis eine Scheidungsurkunde auszustellen ausmacht, setzt er den ursprünglichen Plan Gottes entgegen: „Der Mann wird Vater und Mutter verlassen und die zwei werden ein Fleisch sein … Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“

Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbild. Und ER ist dem Wesen nach Liebe. Dreifaltig, dreieinig. Daher sehnen wir alle uns zutiefst nach Liebe: lieben und geliebt werden in Verschiedenheit und Einheit. Besonders im Sakrament der Ehe wird das erfahrbar und sichtbar, als Zusage und Auftrag.

Ich bin so vielen Ehepaaren dankbar, durch deren gegenseitige Liebe und Treue – auch durch Krisen hindurch – ich etwas von der unwiderruflichen Liebeszusage Gottes zu jedem Menschen – auch zu mir – erahnen darf.

Wer sich geliebt weiß – von Gott und von Menschen - kann unmöglich schweigen von dieser Liebe. Sie braucht keine großen Worte sondern die gelebte Treue der kleinen Zeichen im Alltag.

Das ewige Leben gewinnen durch das eigene Tun? Jesus verweist den jungen Mann, der das ewige Leben sucht, auf die Armen und ruft ihn, ihm zu folgen.

Der liebende Blick und die Umarmung Jesu wollen dazu befähigen: Alles lassen und in die Schule Jesu gehen. – In diesem Evangelienabschnitt war die Bindung an das große Vermögen für den reichen Jüngling stärker als die Einladung Jesu. (Hat sich das später vielleicht noch verändert?)

Aber ich denke an so viele andere, die in der Lebensgemeinschaft mit Jesus den Schatz ihres Lebens und über den Tod hinaus gefunden haben. Der hl. Franziskus betet zu Gott: „Du bist all unser Reichtum zur Genüge!“ Teresa von Avila erfährt: „Gott nur genügt!“ – Allein ER kann unsere aller tiefste Sehnsucht stillen, ewiges Leben schenken.

Lassen wir uns anschauen und umarmen vom Sohn Gottes, der allein uns von Egoismus und oft blindem Aktivismus befreien kann zum gelassen-engagierten Einsatz für das Reich Gottes. – Für IHN ist alles möglich! Wer das erfahren hat, kann unmöglich davon schweigen.

Jakobus und Johannes wollen im Himmel rechts und links von Jesus sitzen. Die anderen Jünger wohl auch – sonst müssten sie sich nicht darüber ärgern.

Streben wir Menschen nicht alle irgendwie nach „oben“, nach Ansehen? Möchten wir nicht lieber herrschen als dienen? Dieser Wunsch kann sogar ein frommes Mäntelchen tragen.

Jesus kennt unser Streben nach Macht und Größe und lenkt es durch Wort und Beispiel in die richtige Richtung: Der Menschensohn ist gekommen, um sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.

Menschen, die sich mit all ihren Fähigkeiten demütig in Dienst  nehmen lassen, werden fruchtbar für andere und durchscheinend für Jesus, der zum Diener aller geworden ist.

Wie schaut es mit unserer Demut und Dienstbereitschaft aus? – Wenn wir unser Leben hingeben füreinander, finden wir Glück und werden zum Segen.

Wer das einmal entdeckt hat, kann unmöglich davon schweigen, sondern wird zum sprechenden Zeichen.

Der blinde Bartimäus hat wohl nur vom Hörensagen von Jesus gehört. Trotzdem setzt er lautstark gegen Widerstände von außen sein ganzes Vertrauen auf Jesus. Blind wirft er seinen Mantel weg, springt auf und läuft auf Jesus zu, der seinem Ruf um Erbarmen geantwortet hat.

Diese Dynamik spricht mich an: die vertrauensvolle Sehnsucht nach Heilung des Bartimäus, die alles hinten lässt und dem Herrn entgegenstolpert. Da bin auch ich herausgefordert, meine ganze Hoffnung auf den Herrn zu setzen.

„Was willst du, dass ich dir tue?“ – Diese Frage Jesu trifft ins Herz. Denn die Botschaft „Du bist mir wichtig!“ gilt allen.

Schließlich handelt Jesus als der Retter, der Heiland: Bartimäus kann sehen. Ja, er sieht sogar tiefer als so viele andere, denn er folgt Jesus auf seinem Weg. Er hat Orientierung gefunden.

Unmöglich kann er schweigen von dem, was er erlebt hat. Durch seine Nachfolge ist er zum Vorbild für uns alle geworden. Auch wir sollen – sogar gegen Widerstände –  unsere ganze Hoffnung auf Jesus setzen und ihm folgen auf seinem Weg.

Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht, oder wir verzetteln uns in Nebensächlichkeiten. Da gilt es, die richtigen Prioritäten zu setzen.

Der Schriftgelehrte, der zu Jesus kommt, kennt sich aus in den Heiligen Schriften. Doch er braucht Orientierung: „Welches Gebot ist das erste von allen?“

Die knappe, klare Antwort Jesu: Das Glaubensbekenntnis an den einen Gott Israels verbunden mit dem Auftrag, ihn ganz und total zu lieben, sowie den Nächsten wie sich selbst.

Im Sinn des ersten Johannesbriefes besteht die Gottesliebe darin, dass ER uns geliebt hat. Und wenn ER uns so sehr geliebt hat, dann müssen auch wir einander lieben.

So lautet für mich der Auftrag, zunächst mich ganz für die übergroße Liebe Gottes zu öffnen, von ihm lieben zu lassen, um dann – von ihm befähigt –  ihn wieder zu lieben. Und diese Liebe will/soll sichtbar werden durch die rechte Nächsten- und Selbstliebe.

Wer das Glück dieses Liebesgeschehens gefunden hat kann unmöglich davon schweigen.