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REFERAT FÜR WELTANSCHUUNGSFRAGEN

Martin Pezzei
Amtsleiter
Domplatz 2
39100 Bozen

Tel. 0471 306 357
E-Mail dialog.dialogo@bz-bx.net

Es geht um „OBI“

(Orientierung – Beratung – Information)

Im Referat für Weltanschauungsfragen geht es um Orientierung in der Vielfalt religiöser Bewegungen und weltanschaulicher Strömungen; es geht um persönliche Beratung für Menschen, die belastende Erfahrungen mit problematischen Gemeinschaften machen und um Information auf institutioneller und persönlicher Ebene, im Bereich der Aus- und Weiterbildung.

Es geht um den Menschen

Im Zentrum der Arbeit steht der Mensch mit seinen Sehnsüchten, Erwartungen und Hoffnungen. Es geht nicht um Verurteilung und Bekämpfung fremdartiger religiöser Phänomene, sondern um sachliche Information und um Beratung. Das christliche Welt-, Menschen- und Gottesbild bildet dabei die Basis für die Auseinandersetzung mit neuen religiösen Bewegungen und Entwicklungen. 

Dort, wo ein erhöhtes Konfliktpotential erkennbar wird, ist es erforderlich, auf konkret zu benennende Risiken aufmerksam zu machen und vor Gefahren zu warnen, die mit einzelnen weltanschaulichen Angeboten verbunden sein können. 

Es geht darum, im bunten Feld religiöser Erscheinungen einen Weg der Offenheit, Toleranz und des Dialogs zu gehen, aber auch Abgrenzungen aus christlicher Sicht aufzuzeigen und so informierend und beratend zu wirken. Begegnen, beobachten, beschreiben, verstehen, deuten und aus der Perspektive des christlichen Glaubens Stellung beziehen – das ist die Kernaufgabe vom Referat für Weltanschauungsfragen.

Es geht um die „Zeichen der Zeit“

Aufgrund der Fülle und Vielfalt religiöser Angebote kann man von einer „Zeit der Sinnflut“ reden; andererseits von einer „Zeit des religiösen Indifferentismus“, da viele dem Glauben gleichgültig gegenüberstehen. Beide – die „Sinnflut“ als auch die religiöse Gleichgültigkeit – stellen große pastorale Herausforderungen dar; im Folgenden soll auf die den religiösen Indifferentismus eigens eingegangen werden.

 

Was fehlt, wenn Gott fehlt?

„Jesus ist konkurrenzlos, seine Botschaft ist tragend, heilend, erfüllend, und das Kirchenjahr bietet einen Weg, um in dieser Beziehung zu Jesus zu wachsen.“ Der Großteil jener Personen, die diesen Text lesen, wird all dem zustimmen. Aber was, wenn Jesus gar nicht (mehr) interessiert und im Leben vieler Menschen keine Rolle (mehr) spielt? Wenn Kinder und Jugendliche zwar ab und zu von Jesus hören, ihn aber nicht erfahren? Wenn immer mehr Menschen religiös heimatlos und als religiöse Analphabeten aufwachsen?

Jene Personen, die religiösen Fragen gleichgültig gegenüberstehen, sind die am schnellsten wachsende Gruppe in Südtirol. Viele sind mit Gott einfach fertig. Dabei liegt bei den wenigsten eine atheistische Überzeugung zugrunde; sie stehen dem Glauben vielmehr gleichgültig gegenüber. „Es geht auch ohne“; sie verneinen die Existenz Gottes nicht, aber für ihr Tun und Lassen ist es irrelevant, ob Gott existiert.

 

Entkirchlichung

Der Bedeutungsverlust der institutionell verfassten Kirche ist spürbar und wird künftig noch viel deutlicher ausfallen. Der fortschreitende Relevanzverlust der Religion in vielen Bereichen des menschlichen Lebens und in der Gesellschaft geht auf die europaweit festzustellende Tendenz zurück, wonach Transzendenz irrelevant wird – und egal was wir als Kirche tun, diese Säkularisierung ist stärker, ist ein Trend, den wir nicht stoppen werden.

Immer mehr Menschen verabschieden sich still und leise von der Kirche; genauso still wird es in den Pfarreien - nicht nur wegen der fehlenden Priester, sondern auch wegen der fehlenden Gläubigen. Eine steigende Zahl von Schafen laufen der sinkenden Zahl von Hirten davon, weil sie kein Teil einer Herde sein wollen und keine Hirten brauchen, die sagen, was (nicht) zu tun ist.

 

Entchristlichung

Führt diese Entkirchlichung auch zur Entchristlichung, d.h. zum Rückgang des christlichen Glaubens und seiner Einflussnahme auf das persönliche und das öffentliche Leben? Gegenwärtig ist dies noch nicht festzustellen, denn es gibt ein wachsendes „Christentum außerhalb der Kirche“. Immer mehr Menschen haben sich von der Institution Kirche verabschiedet, leben aber (noch) christliche Werte im Alltag. Dass die Entkirchlichung langfristig gesehen aber auch zur Entchristlichung führen wird, ist naheliegend und anzunehmen.

 

Pastoral der Zukunft

Es geht nicht um „Kirchenapokalyptik“, vielmehr erfährt die Kirche einen Wandel. Es gibt bereits viele gute Impulse und Ideen, die darauf reagieren, aber keine führt zurück in die „gute alte Zeit“, sondern muss dem Schreiten in die Zukunft(sfähigkeit) dienen.

Ist die Pfarrei von morgen ein Gourmetrestaurant, wo das Angebot nur mehr auf einige wenige abgestimmt ist, die um die Qualität wissen und diese wertschätzen? Oder ist die Pfarrei wie ein „Vinzibus“, dessen Adressatenkreis die Bedürftigen sind? Oder doch eine Mensa, die ein Angebot hat, das möglichst allen schmeckt und allen gerecht wird?

Die Kirche ist „Zeichen“, d.h. sie weist weg von sich selbst hin zu Gott und sie ist „Werkzeug“, d.h. sie verweist nicht nur auf Gott, sondern in ihr und durch sie verwirklicht sich das, wofür die Kirche Zeichen ist: Die Gemeinschaft von Gott und Menschen sowie der Menschen untereinander.

Die gegenwärtigen Formen kirchlicher Seelsorge erreichen die nächsten Generationen oft nicht mehr. Die Pastoral der Zukunft wird deshalb erfahrungsorientierter und sozialer sein müssen.

Es wird in der Pastoral zwei Schwerpunkte brauchen: 

  1. Die Seelsorge für jene, die „zum Kern“ gehören und
  2. die Pastoral für jene,
  • die sich von der Kirche entfernt haben, weil ihnen die Kirche nichts gibt oder nur ab und zu mit der Kirche in Kontakt treten (Weihnachten, Allerheiligen, Beerdigung);
  • die sich von der Kirche entfernt haben, weil sie auf der Suche nach Spiritualität sind und außerhalb der Kirche nach Antworten auf ihre Glaubens- und Lebensfragen suchen;
  • die die Kirche noch nicht kennen. 

Die Herausforderung der Pastoral wird darin bestehen, in beide Bereichen richtig zu investieren – und nicht, wie es derzeit der Fall ist, sich fast ausschließlich auf den ersten Schwerpunkt zu fokussieren.

INITIATIVEN

Bei Interesse an einer dieser Initiativen nehmen Sie Kontakt auf mit Martin Pezzei (0471/306357)

Vorträge

Dieser Vortrag gibt einen Überblick über die „religiöse Landkarte“ Südtirols. Gleichzeitig wird der Frage nachgegangen, wonach so viele Menschen suchen und wie diese Suche einzuordnen ist. 

Wenn über Esoterik gesprochen wird, fällt auf, dass man schnell von der Heilmethode „X“ oder der Bewegung „Y“ zu reden beginnt, der einzelne Mensch – mit all seinen Sehnsüchten, Erwartungen, Hoffnungen – aber oftmals zu wenig Beachtung findet. Menschen, die sich für Esoterik interessieren, sind häufig auf der Suche nach Sinn, nach Antworten; sind Menschen mit einem Bedürfnis nach Transzendenz, nach Spiritualität, nach religiöser Erfahrung, nach Selbstverwirklichung und Selbstfindung, nach Heilung.

Die Überfülle an esoterischen Angeboten zeigt, dass die Esoterik nicht nur flächendeckend vertreten, sondern allgegenwärtig ist. Gibt es in der Esoterik aber auch Risiken und Nebenwirkungen? Der Vortrag geht auch dieser Frage nach.

Es gibt sie, die Faszination an okkulten Phänomenen, die Neugierde hinter den Vorhang des Sicht- und Messbaren zu blicken. Dieser Vortrag informiert über verschiedene okkulte Phänomene und die unterschiedlichen Erscheinungsformen des Satanismus.

Reinkarnation vs Auferstehungsglaube

Yoga und Zen - Wege auch für für ChristInnen?

Jenseitsvorstellungen in verschiedenen religiösen Sondergemeinschaften

„Einsicht für Weitsicht“

Unter dem Motto „Einsicht für Weitsicht“ organisiert das Referat für Weltanschauungsfragen nahezu jährlich für Interessierte den Besuch verschiedener religiöser Gemeinschaften an ihrem Versammlungsort in Bozen, um dort Informationen „aus erster Hand“ von Vertretern der jeweiligen Gemeinschaft zu erhalten.

Im Rahmen dieser rund dreistündigen Aktion werden drei Gemeinschaften besucht – bisher war man zu Gast bei den Freimaurern, bei den Rosenkreuzern, bei der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, bei den Zeugen Jehovas und bei die Siebenten Tags Adventisten.

„Engelwanderung“

"Auf den Spuren der Engel“ lautete der Titel einer Wanderung, die am 22. Mai 2024 von Brixen nach Neustift führte. Verschiedene Stationen auf diesem Weg und schließlich die Engel-Andacht in der Stiftsbasilika von Neustift sollten der Reflexion über die Bedeutung der Engel im eigenen Leben dienen.

In der Katholischen Kirche scheint es still um die Engel geworden zu sein, während sie eine Renaissance in der modernen Esoterik erfahren. Engel, die in der modernen Esoterik zumeist nicht als Boten Gottes verstanden werden, sondern vielmehr an dessen Stelle treten, treffen den Zeitgeist: Alle haben ihren je eigenen Engel, der mit ausschließlich positiven Eigenschaften ausgestattet ist und beschützend, fürsorgend und unterstützend zur Seite steht; dann gibt es Engel, die Botschaften senden; Engel-Karten, die der Lebensorientierung dienen; Spray, der mit Engelenergie aufgeladen ist und vieles mehr. Lebensorientierung, Antworten auf Glaubens- und Lebensfragen, Heilswissen, Heilung und Harmonie - all das versprechen Engel in der modernen Esoterik.

Aus diesem Grunde will diese Initiative zum Nachdenken anregen, eine aktuelle Entwicklung aufgreifen und im Lichte des Glaubens beleuchten - ohne zu verurteilen oder abzuwerten, sondern zur kritischen Reflexion ermutigen.

„Auch wenn die Theologie heute nicht viel über Engel zu sagen weiß, möchte ich sie nicht von meinem Leben ausschließen“, so eine Teilnehmerin am Ende dieser „Engelwanderung“.

GESCHICHTE

Der Josefs-Missionar Toni Amort war der erste Referent für Weltanschauungsfragen in der Diözese Bozen-Brixen. 1984 wurde er vom Seelsorgeamtsleiter Peter Zelger mit dieser Aufgabe betraut. „Man wollte einen Missionar für diese Aufgabe, da diesen der Dialog mit Andersgläubigen vertraut ist“, so P. Amort. „Diözesaner Sektenvertilger“ nannte man ihn damals scherzhaft, wobei diese Bezeichnung das damalige Verständnis für diesen pastoralen Bereich zum Ausdruck bringt. „Es galt einen Weg zu finden, um als Kirche mit dem Problem der Sekten richtig umzugehen und den Angehörigen Betroffener konkrete Hilfe zu bieten “, so P. Amort, der sich daran erinnert, dass er sehr viele Anfragen hatte „weil es viel Unsicherheit gab und zum anderen wohl auch deshalb, weil dieser Aufgabenbereich neu war“. Vor allem die zahlreichen Vorträge über das Katholische Bildungswerk sind Amort in positiver Erinnerung geblieben. In seiner Tätigkeit ging es neben den Zeugen Jehovas vor allem um Gruppen wie Scientology, aber auch um den Einfluss östlicher Religionen mit all dem, was als „New Age“ bezeichnet wurde. „Eine große Herausforderung waren die evangelikalen Gemeinschaften, die in Südtirol regen Zulauf hatten. „Ich habe sie einmal in ihrer Radiostation in Meran besucht“, erinnert sich Amort, dem es bereits vor 40 Jahren darum ging, „den Dialog zu fördern und die Feindschaft, die durchaus gegeben war, abzubauen.“

Im Jahre 1986 hat Josef Stampfl das Referat für Weltanschauungsfragen übernommen. Damals konnte er die Pioniere der Weltanschauungsarbeit kennenlernen – allen voran Friederike Valentin (+2023), die langjährige Leiterin des Wiener Diözesanreferats für Weltanschauungsfragen – und mit ihnen an der Erstellung vom „Lexikon der Sekten, Sondergruppen und Weltanschauungen“ mitwirken.

Beschäftigt hatte sich Stampfl vor allem mit Sondergemeinschaften, die einen christlichen Hintergrund haben wie die Zeugen Jehovas, die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, die Neuapostolische Kirche, dann aber auch mit Organisationen wie Scientology und mit innerkirchlichen Gruppierungen. 

Rückblickend auf diese Zeit resümiert Stampfl: „Persönlich habe ich durch diese Arbeit einen großen Weitblick erhalten und konnte zahlreiche Menschen kennenlernen, die eine tiefe Beziehung zu Gott gesucht und gepflegt haben – auch wenn ihre religiöse Orientierung außerhalb der Kirche lag.“

Von 2000 bis 2005 hatte Martin Pezzei die Leitung des Referates inne. In diesen fünf Jahren wurde ein stattliches Archiv aufgebaut und diese Zeit war vor allem durch Feldforschung gekennzeichnet – unzählige Gruppen und Gemeinschaften hat Pezzei besucht, mit Aktiven und Angehörigen Betroffener Gespräche geführt und sich damit ein reiches und umfassendes Wissen angeeignet, das nicht nur bei den Vorträgen, sondern vor allem bei den zahlreichen Beratungen wertvoll war. 

Im Jahre 2005 hat Mario Gretter die Leitung des Referat für Weltanschauungsfragen übernommen, wobei sein Schwerpunkt aufgrund seiner Ausbildung und seiner weiteren Beauftragungen primär in den Bereichen Ökumene und interreligiöser Dialog lag. „Beim Referat für Weltanschauungsfragen ging es mehr um Erhalt als um Ausbau“, so Gretter, der ergänzt, dass die Beratung von Angehörigen Betroffener wohl genützt wurde, bei den Vorträgen – vor allem nach dem 11. September – das öffentliche Interesse aber gänzlich im interreligiösen Dialog lag. 

Ab 2007 gab es mit Balthasar Schrott erneut Aufwind, da er nicht nur in den Medien ein gefragter Interviewpartner für den weltanschaulichen Bereich war, sondern wieder viel in die Aus- und Weiterbildung investiert und durch seine rege Vortragstätigkeit besondere Akzente in der Erwachsenenbildung gesetzt hat. Wenn die Beratungen in dieser Zeit massiv zunahmen, dann wohl deshalb, weil die Esoterik eine Blütezeit erlebt hatte und viele Menschen in esoterischen Angeboten Halt und Orientierung suchten.

Schrott beendete seinen Dienst im Referat für Weltanschauungsfragen im Jahr 2016 und das Referat blieb zwei Jahre lang unbesetzt. 

Mit der Errichtung vom Amt für Dialog ging im Jahre 2018 die Leitung des Referates an Martin Pezzei. Seitdem ist er vor allem in der Beratung Betroffener und deren Angehörigen sowie in der Vortragstätigkeit in Schulen unterwegs.

Die größte pastorale Herausforderung sieht Pezzei darin, dass auf der einen Seite die Zahl jener Menschen enorm steigt, die mit Gott fertig sind. Andererseits sind viele Menschen auf der Suche nach Sinn, haben ein Bedürfnis nach Transzendenz, nach Spiritualität, nach religiöser Erfahrung, nach Selbstverwirklichung und Selbstfindung, nach Orientierung und Heilung, wobei sie das in erster Linie außerhalb der Kirche suchen. Immer mehr Getaufte lösen sich aus kirchlichen Bindungen, Gebetsvorstellungen und -praktiken, auch um ihrem persönlichen Religionsverständnis nachzuspüren. Aufgrund dieser persönlich-subjektiven, erlebnis- und erfahrungsbezogenen Form von Religiosität finden immer mehr Menschen in der modernen Esoterik spirituelle Heimat und sehen dort ihr persönliches Entwicklungspotential. Die Fülle und Vielfalt an esoterischen Angeboten gleicht einem „religiösen Supermarkt“, wo für jeden Geschmack etwas dabei ist und wo spirituelle Erfahrungen und das subjektive Erleben des Augenblicks (Wellness-Religiosität) zentral sind.