Aktuell sind in der Haftanstalt an der Bozner Dantestraße 107 Personen untergebracht, vorgesehen ist das Gefängnis für deutlich weniger Insassen. Auf diese anhaltende Überbelegung weist Bischof Muser seit Jahren bei seinen Besuchen hin und erinnert daran, dass menschenwürdige Haftbedingungen eine gemeinsame gesellschaftliche Verantwortung bleiben.
Vergebung statt Verurteilung
Ausgehend vom Evangelium über den Verrat des Judas betonte der Bischof, dass Jesus selbst dem Verräter mit Offenheit und Liebe begegnet. „Gott will nicht unsere Verurteilung, sondern unsere Rettung“, erklärte Muser. Auch im Gefängnis gelte: Kein Mensch verliere seine Würde, und niemand sei von der Hoffnung ausgeschlossen.
Schuld und Lebensgeschichte
Gerade im Kontext von Haft und Schuld hob der Bischof hervor, dass viele Menschen nicht nur Täter, sondern auch von ihrer Lebensgeschichte geprägt seien: „Menschen haben Schuld auf sich geladen, sind aber oft auch als Opfer zu Tätern geworden.“ Umso wichtiger sei es, Räume zu schaffen, in denen Versöhnung und ein neuer Anfang möglich werden.
Ostern als Perspektive
Mit Blick auf das bevorstehende Osterfest unterstrich Muser die zentrale christliche Botschaft: „Versöhnung und neues Leben: das ist die Botschaft von Ostern.“ Diese Hoffnung gelte allen Menschen, auch jenen hinter Gefängnismauern.
Der Bischof dankte abschließend den Mitarbeitenden, der Gefängnisseelsorge und den zahlreichen Freiwilligen für ihren Einsatz. Sie trügen wesentlich dazu bei, dass Menschlichkeit, Begleitung und Perspektiven im Gefängnisalltag möglich bleiben.
Gefängnisdirektor Giovangiuseppe Monti bezeichnete den Besuch des Bischofs als „Moment der Hoffnung und der Stärkung auf dem oft schwierigen Weg, den die Gefangenen in dieser Struktur gehen“. An der Feier nahm auch der neue Quästor Giuseppe Ferrari teil.


