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Erinnerungszeichen im Bozner Dom: Kreuz für Betroffene von Gewalt

Im Bozner Dom ist am Donnerstag, 12. März, im Beisein von Bischof Ivo Muser ein schlichtes Holzkreuz als Erinnerungszeichen für Menschen aufgestellt worden, die sexualisierte Gewalt erfahren haben. Das Kreuz wurde von einem Betroffenen gefertigt.

Das Kreuz steht für Menschen, die Gewalt erfahren haben – in der Kirche ebenso wie in anderen Lebensbereichen. Es soll daran erinnern, dass hinter dem Thema Missbrauch konkrete Lebensgeschichten, Verletzungen und lange Wege der Verarbeitung stehen.

Während der Feier wurde das Kreuz durch den Dom getragen und anschließend am Mayr-Nusser-Seitenaltar aufgestellt. Dort bleibt es für mehrere Wochen sichtbar. Der Ort ist bewusst als Gedenk- und Erinnerungsort gestaltet. Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, eine Kerze zu entzünden oder Gedanken und Gebete in ein aufliegendes Buch einzutragen.

In seiner Ansprache sprach Bischof Ivo Muser auch über Versäumnisse der Kirche im Umgang mit Betroffenen. „Auch ich habe das Leid von Missbrauchsbetroffenen nicht immer richtig eingeschätzt und habe nicht immer das richtige Verhältnis zwischen der Sorge um die Betroffenen und der Sorge um die Täter gefunden“, sagte der Bischof. Betroffene hätten sich dadurch vernachlässigt und von der Kirche verraten gefühlt. „Das tut mir aufrichtig leid und dafür bitte ich um Vergebung.“

Das Kreuz wurde von einem Betroffenen von sexualisierter Gewalt im Verantwortungsbereich der Kirche angefertigt. Während der Feier wurden auch Texte von Betroffenen gelesen. Darin wird das Erlebte als schwere Last beschrieben: „Wir sind Betroffene, uns wurde von Menschen sexualisierte Gewalt angetan. Das ist ein schwerer Stein – ein Stein voll Schuld. Betroffene werden nicht gehört, Kinder und Jugendliche nicht geschützt.“ Gleichzeitig betonen die Betroffenen ihre Würde und ihre Stimme: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das gilt für alle. Wir sind Betroffene – wir sind Überlebende.“

Die Aufstellung dieses Erinnerungszeichens steht im Zusammenhang mit dem diözesanen Projekt „Mut zum Hinsehen“, das sich der Aufarbeitung von Missbrauch und der Stärkung von Prävention widmet. In der aktuellen Schlussphase des Projekts werden geistliche Zeichen und inhaltliche Impulse miteinander verbunden, um den begonnenen Weg dauerhaft zu verankern.

Die Verantwortlichen betonen, dass dieser Weg nicht mit einer Projektphase endet. Aufarbeitung und Prävention bleiben eine bleibende Aufgabe der Kirche.