Wir sind Betroffene, uns wurde von Menschen sexualisierte Gewalt angetan.
Das ist ein schwerer Stein, ein Stein voll Schuld: Betroffene werden nicht gehört, Kinder und Jugendliche nicht geschützt.
Die Schuld gründet in einem idealisierten Selbstbild, religiös-kirchlichen Machtstrukturen, familiärer Harmonie-Kultur. Wir sind Betroffene und gehören zur Gemeinde. Deshalb gehört auch die Auseinandersetzung mit Fragen nach dem Verhältnis von Religion, Macht und Gewalt und nach dem Umgang mit Verantwortung mitten in die Kirche.
Wir fragen: Wie geht ihr theologisch, geistlich mit dem Thema sexualisierte Gewalt um? Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das gilt für alle.
Wir sind Betroffene – wir sind Überlebende.
Worte an Menschen, die Gewalt antun und an jene, die die Augen verschließen:
Merkt ihr? Eure Worte kommen an Grenzen.
Wenn ihr schuldig werdet an eurem Nächsten, werdet ihr auch schuldig an Gott.
Viele haben ihre Stimme nicht erhoben, wo Unschuldigen Gewalt angetan wurde und wird, wo Menschen Machtstrukturen ausgeliefert sind.
Vor Gott bleibt keine Gewalt verborgen, er hört die Schreie, selbst Schreie hinter verborgenen Türen. Selbst stumme Schreie, die dem Mund nicht entweichen.
Wir Betroffenen finden oft keine Worte mehr, oder uns wir die Stimme durch Drohungen und Einschüchterung genommen.
In dieser Kirche fragen wir uns: Gott wo warst du, als mir Gewalt angetan wurde? Wo bist du jetzt? Wo ich mich alleine fühle? Wo wirst du sein? Wenn ich mich entscheide aufzustehen? Wohnst du in dieser Kirche?
Hoffnung
Wir hoffen auf Umkehr. Umkehr von Verantwortlichen. Dass das Unrecht, das uns Betroffenen angetan wurde, zügig anerkannt wird.
Das sein Bewusstseinswandel im Umgang mit uns Betroffenen konsequent vorangerieben wird. Unsere Perspektiven sollen im Mittelpunkt stehen.
Wir hoffen auf Hinsehen, Hinhören und Hadeln.
Auch, dass keine Menschen geschützt werden, die das Gegenüber durch Gewalt an Körper, Seele und Geist verletzten.
Hoffnung lebt aus dem Glauben, dass Gott mit unserer Welt, mit mir etwas zu tun hat. Dass sich Gott mit den Menschen leidenschaftliche verbunden zeigt.
Hoffnung hat offene Augen: Vieles kommt nicht gut und Heilung von Zerbrochenem braucht mehr als Zeit.
Hoffnung erzählt von überraschenden Wendungen, von geheimnisvollen Widerfahrnissen, vom Leben aus dem Elend (heraus).
Hoffende sind die, die mit einem Lächeln strahlendes Licht empfangen.
