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Predigten

Ostersonntag 2026

Bischof Ivo Muser

Bozner Dom, 5. April 2026

Wir feiern Ostern, das zentrale, das älteste und höchste Fest des christlichen Glaubens. Kein anderes Fest hat wegen seiner herausgehobenen Stellung im Kirchenjahr eine solche Bedeutung wie Ostern.

„Ostern feiern heißt: Mitten im Krieg an den Frieden glauben, mitten im Tod das Leben feiern“. Diesen Satz schrieb mir wenige Tage vor der Karwoche ein Franziskanerpater, der seit zwei Jahren in der Grabeskirche von Jerusalem seinen Dienst tut. Wir haben vor mehr als dreißig Jahren in Rom miteinander studiert. Der Kontakt ist nie abgebrochen. Seit er im Heiligen Land eingesetzt ist, war dort immer Krieg: der Krieg und die Zerstörung in Gaza zuerst und jetzt wieder der Krieg gegen den Iran. In seinem Schreiben stehen auch diese dramatischen Sätze: „Die Menschen hier sind müde, sehr müde. Sie haben keine Kraft mehr. Vor allem die Christen sitzen zwischen allen Stühlen und sie sehen kaum noch eine Perspektive, um im Heiligen Land bleiben zu können. Es ist auch für mich als Franziskaner, in den Spuren des heiligen Franziskus, nicht leicht, hier in der Grabeskirche von Jerusalem, an diesem heiligsten Ort, den wir Christen verehren, an den Frieden zu glauben und das Leben zu feiern.“ Mich bewegen diese Worte meines Studienkollegen sehr.

Heute wüten viele Kriege auf der Erde, darunter auch seit mehr als vier Jahren der Angriffskrieg auf europäischem Boden in der Ukraine und seit Ende Februar der amerikanisch-israelische Angriffskrieg gegen den Iran.  Die weltpolitische Lage ist brandgefährlich. Verträge, Diplomatie, Völkerrecht, die Fähigkeit zum Maß und zum Kompromiss werden als Schwäche hingestellt und verdächtigt. Es ist fatal, wenn man meint, alles mit Gewalt lösen zu können.

Ich begegne vielen besorgten Menschen. Auch gläubige Menschen stellen sich viele Fragen: Was hat es mit dem Frieden, den Jesus Christus angeblich gebracht haben soll in einer Welt auf sich, die vor dem Abgrund steht? Ist die österliche Friedensbotschaft in unserer Welt der permanenten Konflikte noch glaubwürdig?  Ist Jesus mit seiner Botschaft der Gewaltlosigkeit, der Liebe und Rücksichtnahme auf dem Parkett der knallharten Machtpolitik gescheitert? Was ist stärker: Liebe oder Hass? Tod oder Leben?  Womit erreicht man mehr: Wenn man die Hand zur Faust ballt, um zuzuschlagen oder wenn man anderen die Hand reicht? 

In diese bohrenden Fragen hinein wiederhole ich noch einmal den Osterwunsch meines franziskanischen Studienkollegen aus Jerusalem: „Ostern feiern heißt: Mitten im Krieg an den Frieden glauben, mitten im Tod das Leben feiern.“ Österliche Menschen haben einen langen Atem. Ostern gibt es nicht ohne das Kreuz und am Kreuz vorbei! Wir brauchen österliche Hoffnung: sensible, aufmerksame, nicht gewalttätige, barmherzige Menschen, die Leid nicht ignorieren und sich an Jesus orientieren.

Jesus hatte kein Schwert. Er hat nie Soldaten befehligt, nie aus Machtgier und Ruhmsucht Kriege vom Zaun gebrochen. Er verspürte keine innere Leere in sich, die er durch Imponiergehabe und Säbelrasseln, durch die Ausweitung von Einflusszonen und die Vergrößerung des Staatsterritoriums aufzufüllen suchte. Er war nicht von Selbstzweifeln geplagt und musste sich und anderen nicht ständig etwas beweisen. Warum? Weil er verwurzelt war in Gott, den er seinen Vater nannte, auch noch in der Stunde seines grausamen Todes am Kreuz. Deswegen ist er stärker als die Kriegstreiber mit all ihren Flugzeugträgern und Soldaten. Es gibt nämlich keine stärkere Macht auf Erden als die selbstlose Liebe, die niemanden zwingt, und gerade so, die Herzen der Menschen bewegt und für sich gewinnt. Das Herz eines Menschen kann man niemals mit Gewalt und nur von innen öffnen. 

Gewiss: Mit Ostern wurden Krieg und Gewalt, Leiden und Tod nicht einfach abgeschafft. Eines aber sagt uns der Auferstandene in aller Deutlichkeit: Krieg und Gewalt, Leiden und Tod haben keine Zukunft! Was aus Liebe geschieht, was Gemeinschaft aufbaut und das Miteinander stärkt, das hat Zukunft und verändert die Welt zum Guten. Ich wünsche uns diese Osterüberzeugung!

Fratelli e sorelle, oggi, giorno di Pasqua, lasciamoci toccare dal primo saluto del Signore Risorto: “La pace sia con voi.” Una cosa è certa: la pace non deve essere solo sperata, esortata e richiesta. La pace deve essere voluta e messa in atto. La pace va cercata, praticata e imparata. Nessuno di noi trova con tanta facilità motivi di scusa quando si tratta della pace all’interno del proprio matrimonio e della propria famiglia, nelle proprie relazioni, nel proprio vicinato, sul posto di lavoro, tra i propri parenti, tra i gruppi etnici della nostra terra. Là possiamo essere tutti persone che costruiscono la pace o che la avvelenano. Giorno dopo giorno, anno dopo anno. Il primo disarmo inizia sempre nei nostri pensieri e nelle nostre parole. 

Alle radici della guerra—nella storia e nel presente—spesso vi è un nazionalismo che arriva addirittura a sostituire la religione; l’odio, il disprezzo e l’arroganza nei confronti di altri popoli; l’arroganza di credere di detenere un potere assoluto sulla vita e sulla morte, ma anche l’avidità di ricchezza e di nuovo spazio vitale. La pace è minacciata da diffuse deficienze di giustizia e violazioni dei diritti umani. Particolarmente pericolose sono anche la glorificazione e la giustificazione della violenza. Deve passare una chiara e udibile negazione da parte della nostra società quando determinate categorie di persone vengono di per sé sospettate o quando si invita a “ripulire” l’Europa, l’Italia o l’Alto Adige da certi gruppi di persone. È disumano e anticristiano parlare di “remigrazione”. La parola biblica che Pietro, il primo degli apostoli, accusa al tempo del processo di Gesù resta sempre attuale: “La tua lingua ti tradisce” (cfr. Mt 26,73).

Spero che in questa Pasqua 2026 in ciascuno di noi risuoni l’eco della prima parola pronunciata da Papa Leone XIV lo scorso 8 maggio, giorno della sua elezione, esattamente 80 anni dopo la fine della Seconda guerra mondiale, quando, dalla Loggia di San Pietro, si rivolse alla Chiesa e al mondo con queste parole: “La pace sia con tutti voi! Cari fratelli e sorelle, questo è il primo saluto di Cristo risorto, il Buon Pastore, che ha dato la vita per il suo gregge. Anche io desidero che questo saluto di pace entri nei vostri cuori, raggiunga le vostre famiglie, tocchi tutte le persone, ovunque siano, tutti i popoli, tutta la terra. La pace sia con voi! Questa è la pace di Cristo risorto, una pace disarmata e disarmante, umile e perseverante. Essa viene da Dio, da Dio che ci ama tutti incondizionatamente.” 

An diesem Ostertag gebe ich uns allen noch ein Wort von Papst Leo XIV. mit. Er hat es gesagt bei der Generalaudienz am vergangenen 15. Oktober: „Aus der Auferstehung Christi entspringt die Hoffnung, die uns trotz der Mühsal des Lebens einen Vorgeschmack auf eine tiefe und freudige Ruhe gibt: auf jenen Frieden, den am Ende nur er uns schenken kann und der kein Ende hat.“ Ein gesegnetes, lichtreiches Osterfest. Bauen wir mit Christus, dem Sieger über den Tod, Brücken des Friedens. Nur der Frieden hat Zukunft!

Buona Pasqua di Risurrezione: La pace è sempre dono, ma dev’essere anche voluta e preparata. È un obiettivo da costruire e rafforzare giorno per giorno. Dev’essere l’eredità che gli anziani e gli adulti consegnano ai bambini e ai giovani, affinché la trasformino in un bene comune duraturo.