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Pastoraltagung 2026: Liturgie ist nicht nur Gottesdienstgestaltung

Liturgie ist mehr als die Feier eines Gottesdienstes. Sie prägt Gemeinschaft, stärkt die Verantwortung der Getauften und wirkt über die Kirche hinaus in den Alltag. Mit vier Hauptreferaten hat sich die Pastoraltagung 2026 der Diözese Bozen-Brixen am Donnerstag und Freitag, 17. und 18. September, in der Cusanus-Akademie in Brixen diesen unterschiedlichen Dimensionen von Liturgie gewidmet. Im Mittelpunkt standen die feiernde Gemeinde, die gemeinschaftsbildende Kraft der Eucharistie, Wort-Gottes-Feiern und die Bedeutung des Segens im Leben der Menschen.

Den Auftakt der inhaltlichen Arbeit bildeten am Donnerstagnachmittag Sr. Elena Massimi FMA und P. Ewald Volgger OT. Beide richteten den Blick auf die feiernde Gemeinde und auf die Frage, was gemeinsames Feiern mit Kirche und Gemeinschaft macht.

Für Ewald Volgger ist die liturgische Gemeinde kein Publikum, das einer Feier lediglich beiwohnt. Alle Getauften tragen aufgrund ihrer Taufe Verantwortung für das liturgische Leben. Wenn Menschen gemeinsam beten, singen und auf Gottes Wort hören, werde Kirche sichtbar und Christus in ihrer Mitte erfahrbar. Dazu brauche es nicht nur Priester und andere liturgische Dienste, sondern die Beteiligung der ganzen Gemeinde.

Volgger verband dies mit der Frage, was nach dem Gottesdienst geschieht. Liturgie sei Quelle und Höhepunkt christlichen Lebens, müsse aber wieder ins Leben zurückführen. Das Hören auf Gottes Wort, das gemeinsame Gebet und die Erfahrung von Gemeinschaft hätten Konsequenzen für Solidarität, Gerechtigkeit, Frieden und die Sorge um Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Gerade angesichts der Veränderungen in den Pfarreien gelte es deshalb, die Berufung aller Getauften zu stärken und Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen.

Aus vielen Einzelnen wird Gemeinschaft

Elena Massimi zeigte, dass Liturgie Gemeinschaft nicht nur abbildet, sondern Gemeinschaft formt. Am Ablauf der Eucharistiefeier machte sie deutlich, wie Menschen durch gemeinsames Singen, Hören, Beten und Handeln zu einer Gemeinde werden.

Liturgie spreche dabei den ganzen Menschen an: Körper, Sinne, Gefühle und Verstand. Gerade diese gemeinsame Erfahrung könne dazu führen, über den eigenen Horizont hinauszusehen. Eucharistie und Solidarität seien deshalb eng miteinander verbunden. Wo soziale Unterschiede festgeschrieben würden und das gemeinsame Feiern nicht zum Teilen und zur Verantwortung füreinander führe, werde ein wesentlicher Anspruch der Eucharistie verfehlt.

Massimi verwies zugleich auf die Verbindung von Liturgie und Synodalität: Unterschiedliche Aufgaben und Dienste würden nicht aufgehoben, sondern aufeinander bezogen. Autorität werde als Dienst verstanden, unterschiedliche Gaben dienten dem Aufbau der Gemeinschaft. Aus der Begegnung mit Christus erwachse schließlich der Auftrag, selbst zum Geschenk für andere zu werden.

Wort-Gottes-Feiern: mehr als eine Notlösung

Am Freitagvormittag richtete Stefano Borghi den Blick auf Wort-Gottes-Feiern. In einigen norditalienischen Diözesen gehören sonntägliche Wort-Gottes-Feiern ohne Priester bereits seit Jahrzehnten zur kirchlichen Praxis. Besonders relevant sei das Thema in ländlichen und dünn besiedelten Gebieten.

Borghi warnte davor, solche Feiern lediglich als Ersatz für eine Eucharistiefeier zu betrachten, wenn kein Priester zur Verfügung steht. Entscheidend sei vielmehr die gemeinsame Feier der Gemeinde. Wort-Gottes-Feiern könnten dazu beitragen, Gottes Wort intensiver wahrzunehmen und die Verantwortung aller Getauften für die Liturgie zu stärken.

Das geschehe allerdings nicht automatisch. Wenn lediglich die bisherige Fixierung auf den Priester auf eine neue leitende Person übertragen werde, ändere sich an der Grundhaltung wenig. Ebenso garantiere die Konzentration von Eucharistiefeiern an wenigen zentralen Orten allein noch keine bessere liturgische Qualität. Borghi plädierte deshalb für eine Verbindung unterschiedlicher Formen: kleinere Feiern in den einzelnen Gemeinden und gemeinsame Eucharistiefeiern mehrerer Gemeinden könnten einander ergänzen.

Einfachere und gut vorbereitete Wort-Gottes-Feiern könnten zudem Menschen einen Zugang zur Liturgie eröffnen, die mit der Eucharistie bisher wenig vertraut sind.

Segen in einer Sprache, die das Leben erreicht

Mit P. Johannes Feierabend OSB stand anschließend ein weiterer konkreter Bereich des liturgischen Lebens im Mittelpunkt. Er stellte die Arbeiten an einem neuen Benediktionale, dem liturgischen Buch für Segensfeiern im deutschen Sprachraum, vor.

Das derzeit verwendete Benediktionale stammt aus dem Jahr 1978 und war ursprünglich lediglich als Studienausgabe und damit als Übergangslösung gedacht. Sprache, Aufbau und Auswahl der Segensanlässe entsprechen inzwischen nicht mehr in allen Bereichen der heutigen Lebenswirklichkeit. Gleichzeitig sei das Bedürfnis nach Segen weiterhin groß - besonders an Übergängen im Leben, in Krisen, vor wichtigen Entscheidungen oder bei gemeinschaftlichen Ereignissen.

Die Neufassung soll deshalb Bewährtes mit neuen pastoralen Anforderungen verbinden. Die Texte sollen verständlich, konkret und bildhaft sein und unterschiedliche Lebenssituationen berücksichtigen. Vorgesehen sind unter anderem Segnungen für Jugendliche vor besonderen Lebensabschnitten, für Kranke, Reisende oder Menschen vor beruflichen Veränderungen. Neue Vorlagen werden praktisch erprobt und anschließend weiterentwickelt. Nach der derzeitigen Planung soll das neue Benediktionale 2029 erscheinen.

Zehn Workshops vertiefen die Themen

Die Impulse der Hauptreferate werden bei der Pastoraltagung in zehn Workshops weitergeführt und auf konkrete Fragen der pastoralen Praxis bezogen. Das Spektrum reicht von Wort-Gottes-Feiern, Segnungen und Fürbitten über Kirchenmusik und die Verkündigung der Evangelien bis zur Gestaltung liturgischer Räume.

Dabei geht es unter anderem darum, wie große historische Kirchenräume auch für kleinere Gemeinden zu lebendigen Feierorten werden können, welche Musik zu unterschiedlichen Gottesdiensten passt oder wie Liturgie Kinder und Erwachsene gleichermaßen ansprechen kann. Weitere Workshops beschäftigen sich mit Ritualen in Krisensituationen und mit der Frage, wie Krankheit, Tod und andere Einschnitte im Leben liturgisch begleitet werden können.

Zum Programm der Pastoraltagung gehören außerdem die diözesanen Ehrungen, ein Evensong in der Seminarkirche sowie die Grundsatzrede von Bischof Ivo Muser. Die Tagung endet am Freitagnachmittag mit einem gemeinsamen Abendgebet.