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Josef Mayr-Nusser:

"Wir sollen Zeugen sein…"

 

Gedenktage vom
30. September bis 3. Oktober 2021

 

Von Donnerstag, 30. September 2021, bis Sonntag, 3. Oktober 2021, laden diözesane Organisationen und Ämter zu Veranstaltungen rund um den Gedenktag des Seligen Josef Mayr-Nusser. Unter anderem werden am 2. Oktober 2021 um 19 Uhr im Bozner Dom Texte von Josef Mayr-Nusser, Franz Jägerstätter, Edith Stein, Alfred Delp SJ, Dietrich Bonhoeffer und Etty Hillesum vorgetragen. Mayr-Nusser wird dabei mit folgenden Worten zitiert:

 

Zeugnis geben ist heute unsere einzige, schlagkräftige Waffe. Seltsam genug. Nicht Schwert, nicht Gewalt, nicht Geld, nicht einmal der Einfluss geistigen Könnens, geistiger Macht, nichts von alledem ist uns als unerlässlich geboten, um die Herrschaft Christi auf Erden aufzurichten. Etwas ganz Bescheidenes und doch viel Wichtigeres hat uns der Herr geboten: Zeugen zu sein… Verstehen wir die Bedeutung des Wortes Christi nun? Wir sollen Zeugen sein! Das Ergriffen sein vom Glauben ist also die Grundvoraussetzung für jede Zeugschaft. Das Zeugnis ohne Worte, das der lebendige Christ täglich lebt, zu Hause, bei der Arbeit, auf dem Felde, in der Werkstatt, vor den Menschen. Welche Kraft geht von einem jungen Menschen aus, der einfachhin christlich lebt. … Wir sollen Zeugen sein!

    Am 4. Oktober 1944 hat Josef Mayr-Nusser den SS-Eid auf Adolf Hitler verweigert. Er wurde darauf inhaftiert und verstarb auf dem Transport ins KZ. Sein mutiges „Nein“ zu Hitler war die innere Folge seines sozialen und christlichen Einsatzes, seiner Gewissensbildung und seiner Glaubenshaltung.

    Auch heute brauchen wir Zivilcourage, Einsatz für andere, Mut und Hingabe. Sogar heute ganz besonders, angesichts der großen Fragen, die uns beschäftigen: Klimawandel, Migration, Ausbeutung – und zuletzt auch noch die Pandemie.

    Mut, Einsatz, Zivilcourage und Hingabe brauchen wir auch im Kleinen: Zuhause, unter Freunden, mit uns selbst. Der christliche Glaube kann hier Motivation sein. Das Vorbild von Josef Mayr-Nusser ermutigt aber auch zur Erneuerung der Kirche selbst von ihrer Mitte her.

    Veranstaltungen und Gedenkfeiern

    Buchvorstellung „Die katholische Jugend in Südtirol“

    Wann?  Donnerstag, 30. September 2021, 19:30 Uhr
    Wo?  Bozen, Pastoralzentrum
    Sonst noch etwas?  In deutscher Sprache

    Der Josef-Mayr-Nusser-Themenweg

    Wann? Samstag, 2. Oktober 2021, 14 bis 17.30 Uhr
    Wo?  An Erinnerungsorten in ganz Bozen (siehe Karte)

    Auf den Spuren von Josef Mayr-Nusser: Der Themenweg kann in beliebiger Reihenfolge zu Fuß oder mit dem Rad erkundet werden. An den Stationen werden euch Helferinnen und Helfer erzählen, welche Bedeutung dieser Ort für das Leben des Bozner Seligen hatte. Wenn ihr alle Stationen besucht habt, dürft ihr außerdem eine kleine Erinnerung mit nach Hause nehmen.


    Erinnerungsorte (siehe Karte):

    1 Nusserhof: Kreuzung Mayr-Nusser- Straße und Ödenburger Straße

    2 Kirche St. Johann im Dorf: St. Johann Gasse

    3 Herz Jesu Kirche: Rauschertorgasse

    4 Kolpinghaus: Kolpingstraße/Dominikanerplatz

    5 Sitz Vinzenzverein: Kapuzinergasse

    6 Geschäft Amonn: Rathausplatz

    7 Kirchliches Kinder- und Jugendzentrum “Josef Mayr-Nusser”: Silvius-Magnagoplatz

    8 Bahnhof: Bahnhofsallee

    9 Dom und Ruine St. Nikolaus: Domplatz

     

    Bei Schlechtwetter findet der Rundgang am Domplatz statt.

    Gedenkmesse
    Bozner Dom, 2. Oktober 2021, 18 Uhr

    "Wir sollen Zeugen sein…" - Texte und Musik im Bozner Dom

    Wann?  Samstag, 2. Oktober 2021, 19 Uhr
    Wo?  Bozner Dom
    Wer? Katholisches Forum

     

    Texte von Josef Mayr-Nusser, Franz Jägerstätter, Edith Stein (Sr. Teresia Benedicta a Crucis), Alfred Delp SJ, Dietrich Bonhoeffer und Etty Hillesum.

    Gelesen von Alessandra Kerschbaumer und Rudi Gamper.

    Musik von Pēteris Vasks, Arvo Pärt, Stephen Hough und Anton Heiller.

    Interpreten: Maria Tutzer (Violoncello), Hans Tutzer (Sax), Leonhard Tutzer (Orgel)

    Theatervorstellung  "Nein! Josef und andere mutige Menschen, die nein zu Hitler und Mussolini sagten"

    Wann?  Sonntag, 3. Oktober 2021, 18 Uhr
    Wo?  Stadttheater Gries
    Sonst noch etwas?  In italienischer Sprache

    Anlässlich des Jahrestages des liturgischen Festes des seligen Josef Mayr-Nusser (3. Oktober) wird das Theaterstück des Schauspielers Matteo Mirandola "Josef und andere mutige Männer, die nein zu Hitler und Mussolini sagten" aufgeführt.

    Das Stück zeichnet die Geschichte des Zweiten Weltkriegs anhand der Worte, Briefe und Verse derer nach, die nein zu Hitler und Mussolini sagten. Vor allem spielt es das Leben von Josef Mayr-Nusser nach, der bis heute ein Beispiel für Menschlichkeit und Christlichkeit ist.

    In der Theateraufführung werden Monologe, Briefe, Gebärden, Lieder und Musik - live und aufgezeichnet - miteinander verwoben, um dem historischen, menschlichen Stück Leben einzuhauchen. 

    Konzipiert und gespielt von Matteo Mirandola.
    Mit Live-Musik von Alessandra Lunghi am Cello und Alessandro Zonzin an der Violine.

    Wann?  Sonntag, 3. Oktober 2021, 20.30 Uhr
    Wo?  Cristallo-Theater, Dalamatienstraße 30, Bozen
    Sonst noch etwas?  In italienischer Sprache (deutsche Originalfassung wurde am 24. September 2021 im Filmclub gezeigt)

    "Bozen-Bolzano/Erlangen - La cerchia di Peppi Nusser"
    (Bozen/Erlangen - Der Kreis des Peppi Nusser)
    Eine Doku von Marco Sonna e Martin Streitberger, 45 Minuten

    Zum Gedenktag des Seligen Josef Mayr-Nusser wird ein neuer Dokumentarfilm präsentiert, der die Städtepartnerschaft zwischen Bozen und Erlangen beleuchtet, die seit der Seligsprechung Mayr-Nussers von einem regen Austausch geprägt ist.

    In der Doku werden Erinnerungen von Zeitzeugen mit Erfahrungen der heutigen Generation verwoben. Die experimentelle Musik von Mayr-Nussers Sohn Albert, eines Pioniers der experimentellen elektronischen Musik, begleitet den Film. Die Dokumentation zeigt die Figur Josef Mayr-Nusser, dessen christlicher Glaube es ihm nicht erlaubte, den damaligen Zeitgeist der mitzutragen. Im Film kommt zum Ausdruck, wie Mayr-Nusser von der umstrittenen Persönlichkeit zum Ausdruck einer Weltanschauung geworden ist.

    Freier Eintritt

    Reservierung erforderlich unter www.teatrocristallo.it oder an der Kasse des Cristallo-Theaters.

    Josef Mayr-Nusser: mutig - christlich - solidarisch

    Josef Mayr wurde am 27. Dezember 1910 auf dem Nusserhof am Bozner Boden geboren. Seine Vorbilder waren Thomas von Aquin, der englische Lordkanzler Thomas Morus und der Tiroler Freiheitsheld Peter Mayr, der sein Leben nicht durch eine Lüge erkaufen wollte. Josef beeindruckte stets durch seinen tiefen Glauben.

    Im September 1943 wurde Südtirol von den deutschen Truppen besetzt und Josef Mayr im September 1944 völkerrechtswidrig, da er als „Dableiber“ italienischer Staatsbürger war, zur SS einberufen. Mit 80 anderen Südtirolern kam er nach Konitz in Ostpreußen, wo man alle der Waffen-SS zuteilte. Josef machte dort die Ausbildung mit, doch einen Tag vor der Eidesleistung erklärte er, dass er den Eid aus Gewissensgründen nicht leisten könne.

    Sein damaliger Kamerad Hans Karl Neuhauser aus Bruneck erzählte nach dem Krieg, dass er zu Josef Mayr gesagt hatte, dass er nicht glaube, dass Gott die Eidesverweigerung von ihnen verlange und er mit seiner Verweigerung doch nichts bewege außer seine Familie um den Vater zu bringen. Josefs Antwort darauf: „Wenn nie jemand den Mut aufbringt, ihnen zu sagen, dass er mit ihren nationalsozialistischen Anschauungen nicht einverstanden ist, dann wird es nicht anders.“

    Josef wurde in Danzig wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt und sollte in Dachau erschossen werden. Auf dem Weg dorthin musste der Zug in Erlangen wegen der zerstörten Bahngeleise acht Tage lang halten. Dort ist Josef Mayr am 24. Februar 1945 im Viehwaggon seinen Strapazen erlegen.

    Sein Leichnam wurde zunächst in Erlangen begraben, 1958 nach Südtirol überführt und im Frühjahr 1963 an der Außenmauer der Kirche von Lichtenstern am Ritten beigesetzt. Seine endgültige Ruhestätte hat Josef Mayr im Dom von Bozen gefunden, wo er am 18. März 2017 selig gesprochen wurde.

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