Was uns Menschen besonders großartig macht und gegenüber Tieren wesentlich auszeichnet ist die Tatsache, dass uns Verstand und Freiheit gegeben sind. Tiere sind von ihrem Instinkt geleitet und tun nur das, was für sie zum Überleben als Individuum und als Gattung zuträglich ist. Sie können nicht anders. Uns Menschen hingegen ist gegenüber den Tieren eigen, dass wir zusätzlich zu den inneren instinktiven Prägungen auch Bewusstsein, Verstand und Freiheit haben. Diese Vorzüge bergen aber auch große Gefahren.
Durch unseren großartigen Verstand sind wir offen für alles, was es gibt. Wir können über alles nachdenken, zu allem und jedem Fragen stellen, es erforschen, vieles verändern und technisch gestalten. Damit ist uns zugleich auch große Freiheit gegeben. Wir können uns mehr diesem zuwenden oder jenem, es so gestalten oder anders. Wir können jeweils Ja sagen oder Nein sagen. Geistiges Bewusstsein und Freiheit zeichnen uns aus. Die Bibel nennt den Menschen deshalb sogar „Gott ebenbildlich“.
In dieser großartigen Möglichkeit liegt aber auch unsere Gefahr. Wir können unseren Verstand und unsere Freiheit missbrauchen. Wir können uns selbst, den Mitmenschen und sogar der Natur durch unbedachtes, selbstüberhebliches und rücksichtsloses Handeln auch Schaden zufügen. Dies kann von schwerem Unrecht anderen gegenüber bis hin zur tragischen Tötung anderer und von uns selbst führen. Es kann sogar bis zur Zerstörung unserer natürlichen Lebensbedingungen auf der Erde gehen.
Die Großartigkeit des Menschen kann unbedacht das Leben unglücklich machen und bis zur individuellen und kollektiven Selbstzerstörung führen. Das ist neben den großen Vorzügen zugleich die Tragik des Menschen. Viele zweifeln daran, ob wir es schaffen, die aktuell vielfach beklagten Beeinträchtigungen durch immer neue Technologien zu beseitigen und zugleich unsere natürlichen Lebensbedingungen auf Dauer zu erhalten.
Vernunft und Freiheit bedürfen kluger Überlegungen, notwendiger Selbstbeherrschung und Selbstbegrenzung, trotz aller verführerischen Möglichkeiten. Diese Seite unserer Intelligenz, die wir die moralisch-ethische Intelligenz nennen, ist gegenüber der technischen Intelligenz in uns bisher verhältnismäßig nur schwach ausgebildet. Das führt uns in immer gefährlichere Situationen.
Durch die neue „künstliche Intelligenz“ werden großartiges gestalterisches Wissen und damit auch Freiheit in allen Bereichen für jeden unvergleichlich ausgeweitet. Es kann viel Vorteilhaftes und Leben Förderndes gemacht werden. Es kann auch zu ungeahntem Zerstörerischen verwendet werden. Es hängt von der ethisch-moralischen Einstellung und dem Verhalten derer ab, die “künstliche Intelligenz” gebrauchen.
Man darf wohl sagen, wir befinden uns zur Zeit in einer neuen gewaltigen Umbruchphase der menschlichen Entwicklung, deren Auswirkungen wir noch nicht kennen. Es bleibt nichts anderes, als auf jene allem menschlichen Denken und Planen übergeordnete göttliche Steuerung zu vertrauen, die wir früher mit dem Wort “Vorsehung” benannt haben und deren Ausgang für uns unbekannt bleibt.